In „Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben“ beschreibt Timothy Ferriss eine Lebensweise, die sicherlich der geheime Traum vieler frustrierter Konzerndrohnen ist: Nur vier Stunden in der Woche arbeiten und den Rest der Zeit mit der Verwirklichung der eigenen Wünsche verbringen. Das Buch habe ich auf Englisch gelesen, als es zum ersten Mal raus kam und war sofort von der klaren und angenehmen Schreibweise eingenommen.

Ob beim Tango lernen in Argentinien oder der Umstellung der eigenen Ernährungs- und Fitnessgewohnheiten, der Author skizziert ein Lebenskonzept, welches im Wechsel von Phasen der Arbeit und Erholung die eigene Person in den Mittelpunkt rückt. Die generelle Idee ist hierbei, den eigenen Lebenszielen Vorrang zu geben und sich selbst zu entlasten. Der Mensch soll die Idee der Arbeit bis zum Rentenalter hinter sich lassen und stattdessen die Rente in den gesamten Lebensverlauf verteilen. Urlaub ist dabei nicht mehr als kurze Erholungsphase definiert, sondern ist als längerer Zeitraum zur Neudefinition der eigenen Person, zum Erwerb neuer Fähigkeiten und Erfahrungen aufgestellt.

Tim Ferriss bietet hierfür eine grobe Anleitung, mit der sich sowohl Angestellte als auch Selbstständige eine alternative Lebensweise aufbauen können: Durch die Freistellung der Lebenszeit beim Arbeitgeber soll die Möglichkeit geschaffen werden, sich zunächst ein System der Entlastung aufzubauen. Outsourcing, Delegation und die Regelung des alltäglichen Informationsflusses sind Hilfsmittel, die geschickt eingesetzt werden sollen, um möglichst schnell Zeiträume zu schaffen, die dann zum Entwurf des alternativen Lebensplans genutzt werden können. Die Ansätze und Ideen im Buch werden zusätzlich im begleitenden Blog erweitert und diskutiert.

Während die Seiten schnell dahin fließen, fragt man sich als Leser aus dem deutschen Sprachraum allerdings, ob einige der Ansätze sich so einfach übernehmen lassen. Die Nutzung von niedrigen Löhnen und Zeitunterschieden im Outsourcing lassen sich in Deutschland schwer übertragen, da es kaum Länder gibt, die entsprechende deutschsprachige Dienstleistungen anbieten. Zugleich bieten die starren arbeitsrechtlichen und organisatorischen Rahmen hierzulande wenig Möglichkeiten bezüglich Heimarbeit und virtuellen Unternehmen. Obwohl die Vorgehensweise sinnvoll ist, sind die von Ferris vorgeschlagenen Handlungen schwer transportierbar. Selbst in eher lockeren Arbeitsumgebungen wie etwa akademischen Einrichtungen werden Gleitzeiten und Phasen der Heimarbeit sehr mißtrauisch beäugt. Die Absicht, sich eine unabhängige Lebensgrundlage zu schaffen, wird von Arbeitsgebern in den seltensten Fällen unterstützt.

Des Weiteren sind einige der Aussagen von Ferriss im Netz stark umstritten – so fehlen seinen Behauptungen, in TV-Serien in Asien mitgewirkt oder einen Kampfsport-Wettbewerb gewonnen zu haben, nach wie vor die Nachweise. Auch wird der Aufbau seines eigenen Versandhandel-Unternehmens nur kurz umrissen und seine Aktivitäten in dem Bereich klingen zu sehr nach Übertreibung und Eigenwerbung. Daher wundern sich kritische Leser darüber, ob Ferriss wirklich auf die im Buch beschriebene Weise an diesen Punkt gekommen ist oder ob der Autor uns eine Geschichte erzählt, die wir nur allzu gern hören möchten. Egal ob Realität oder Augenwischerei, unbestreitbar ist seine Position als Bestsellerautor. Über sein Blog läßt sich mitverfolgen, dass Tim Ferriss heute tatsächlich die Lebensweise führt, die er im Buch beschreibt. Ob dabei das Buch dazu geführt hat oder wirklich erst danach kam, läßt sich nur schwer sagen.

Dennoch denke ich, dass es für jeden möglich ist, sein Leben auf eine Art und Weise umzugestalten, die den eigenen Vorstellungen entspricht. Unabhängig davon, wie kritisch die beschriebene Vorgehensweise oder die Aussagen zu sehen sind, ist „Die 4-Stunden-Woche“ ein faszinierendes und inspirierendes Werk, das die Leser zur Aktion motivieren und dabei helfen kann, die eigenen Lebens- und Arbeitsgewohnheiten neu zu definieren.

Das Buch:

Timothy Ferriss (2008): „Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben“. Econ, Berlin; 320 Seiten, ISBN-13: 978-3430200516; 16,90 Euro.

Über den Autor:

Ahmet Emre Acar ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der HPI School of Design Thinking („D-School“). Er forschte und arbeitete an der Technischen Universität Berlin, der Humboldt Universität Berlin und der Universität Potsdam zu Kommunikation im Internet, nicht-linearen Medien, Mediensemantik, Multimediaproduktion und E-Learning. An der D-School forscht Ahmet zu kommunikationswissenschaftlichen Themenstellungen wie der Kommunikation in multidisziplinären Gruppen und Ahmet war maßgeblich an der Erstellung des D-School-Blogs beteiligt.

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