Lesen Sie das Buch nicht! Sie bringen Ihre Festanstellung in Gefahr! In Scharen drehen die Angestellten den Spieß um und verlassen ihr Unternehmen aus freien Stücken mit ihrem Businesskonzept im Gepäck. Die verblüffend einfache Logik der Fatltin’schen Kernthesen, die längst keine Thesen mehr sind, hat sie derart „gefesselt“, bis sie nicht mehr still im Büro sitzen konnten…

Professor Faltin beschreibt in seinem Buch „Kopf schlägt Kapital“ eine alternative Herangehensweise an die Entwicklung aussichtsreicher Geschäftskonzepte. Dabei betont er zunächst die Trennung von Entrepreneurship – also kreativem Unternehmertum – und Business Administration – den klassischen betriebswirtschaftlichen Aufgaben. Im Wesentlichen jedoch stützt er sein Konzept auf die tiefgründige Beleuchtung der Idee an sich, bis sich das möglichst einfache Konzept erheblich von den vorzufindenden (Markt-)Konventionen abhebt.

Entgegen der „Praxis“ herkömmlicher Thesen sind die Faltin’schen aus Erfahrungen entstanden. Professor Faltin hat seine Lehrtätigkeit des Entrepreneurship durch eigene Unternehmungen unterfüttert. Vermutlich deshalb läßt einen beim Lesen das Gefühl nicht los, daß der Mann weiß, wovon er schreibt.

Zum Grauen der Businessplan-Liga verlangt Professor Faltin vom Entrepreneur „lediglich“ die Auseinandersetzung mit seiner Idee. Diese nämlich ist durch Einsatz des Kopfes, viel Methode und Konsequenz unter Minimierung des notwendigen Kapitaleinsatzes derart auszuarbeiten, daß Sie nicht mehr wackelt.

Nun erleichtert dies die Sache nicht in jedem Falle, unausgereifte Ideen pflegten in der Vergangenheit durchaus in Kapital und ein Zahlen- und Prognosewerk gewickelt mit weniger Kopf auf tönernen Füßen an den Start zu gehen. Der gewiefte Businessplanprofi konnte das Haupt geschickt verbergen. Die Zeiten sind nun härter geworden.

Denn Professor Faltin propagiert in keiner Weise die Abschaffung der Planung – im Gegenteil fordert er die tiefgreifende Beschäftigung mit der Idee an sich. Mit seiner Methode wird die Geschäftsidee, die bisher zur Kapitalaquise ausreichen konnte, so lange überarbeitet, bis sie entweder entlarvt wird – und das Kapital bestenfalls trotz der Idee einen Erfolg schaffen würde – oder sie zum ausgereiften Geschäftsmodell wächst, das von mehreren Seiten getragen wird, wodurch die Erfolgsaussichten wenn nicht gesichert, so doch weit höher erscheinen.

Der smarte Titel Kopf schlägt Kapital ist in diesem Sinne durchaus wörtlich zu nehmen

Die konzept-kreative Gründung eines „Kopfgründers“ zeichnet sich besonders durch seine neue Rolle als Dirigent im Zusammenspiel von Bausteinen aus. Er mischt neu und bezieht die Komponenten seiner Entreprise (;-) auf dem Markt. Warum wertvolle Zeit mit Buchhaltung verbringen, wenn er selbst nach intensiver Beschäftigung nicht die Expertise der Spezialisten erreicht. Besser er konzentriert sich auf sein Konzept. Das befreit natürlich nicht von der Verantwortung, ein Verständnis für Geschäftsadministration zu entwickeln – es gibt ja schließlich Raum zwischen Ganz und Garnicht. Mehr standardisierte Elemente denn je sind heute für derartige Kompositionen verfügbar, angefangen bei Open Source Software für alle erdenklichen Anwendungen, über professionelle kostengünstige Logistik, Büroservices und und und.

Nie zuvor war es so einfach sich auf den Kern des Konzeptes zu konzentrieren, gleichzeitig Fixkosten zu vermeiden und großteils durch zugekaufte Komponenten zu variabilisieren.

Den Konfrontationspolarisierern sei gesagt, daß ein vernünftiger Wirtschaftsexperte natürlich nicht den Sinn der betriebswirtschaftlichen Planung, noch die Grundidee des Businessplans in Frage stellen wird. Die berechtigte und gewollt provokante Fragestellung scheint hier vielmehr, WER sich in welcher Phase mit dieser Art von Planung auseinandersetzen sollte. Auch die Gründerväter der Businessplan-Bewegung stellen heute offen die Frage nach Sinn und Unsinn des klassischen Ansatzes und suchen neue Wege.

Erprobt hat Professor Faltin sein Konzept bereits durch seine Firma Teekampagne – dem heute grössten Darjeeling Importeur der Welt – und weitere Firmen aus seinem Umfeld. Ganz nebenbei wurde dadurch eine neue „Mid“-level-domain geschaffen und Prof. Faltin hat uns ungewollt wieder Millionen von freien Internetadressen verschafft – die *Kampagne.de. Doch Stop, kein Patentrezept stellt er zur Verfügung, welches aus Nichts etwas zu zaubern vermochte. Leider muß der Registrant einer wie auch immer gearteten Kampagne.de erfahren, dass die Planung damit nicht abgschlossen ist. Herr Faltin regt zum Weiter-Denken an, bestärkt den Leser querzudenken und (Markt-)Konventionen zu brechen.

Ein kleines Patentrezept habe ICH jedoch parat: Wen es beim Lesen des Buches nicht juckt, wer nicht ermutigt wird etwas zu unternehmen, der ist wohl in seinem Job gut aufgehoben.

Es ist eine Last und Lust zugleich sich von dem Buch anstecken zu lassen. Eine Lust, da man die Verschleierungstaktik der Businessplan-Assistenten getrost vergessen kann. Eine Last für Manche, da die Beschäftigung mit der Businessidee nicht nur etwa die Löcher im Konzept zu entlarven droht, sondern man sich die Frage stellen muß, warum die Idee nicht schon längst einem Faltin’schen Destillationsprozeß zugeführt wurde. Doch mutig gehe zur Pforte hinaus! Spannender und reicher werden Leben und Arbeit durch tiefgreifende Beschäftigung mit eigenen Ideen und irgendwann „spürst Du im Hosenboden, daß es soweit ist“, Dein Konzept muß in die Welt hinaus!

Über den Autor:

Markus Schüler war als Unternehmensberater im IT-Bereich weltweit im Einsatz und beschäftigt sich seit 1994 mit Internettechnologie. Heute arbeitet er mit einem Partner unter anderem an der Konzeption eines unkomplizierten Inkubatormodells für Turn-Key StartUps.

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