Plenitude

Die meisten von uns stürzen sich auf die Arbeit, kämpfen sich durch das Studium und bewegen sich durch den Alltag, ohne sich wirklich die großen Fragen des Lebens zu stellen. Wer sich nun auf den Sinn des Lebens und die eigene Rolle im Universum gestoßen fühlt, liegt dabei gar nicht so falsch. Doch die Antwort von Rich Gold auf diese tiefsinnigen Gedanken dürfte die meisten von uns überraschen. Es geht auf dieser Welt nicht um Sie oder um mich, liebe Leser. Es geht um das Zeug, das uns umgibt: Die Fülle an Produkten, die der Autor „The Plenitude“ nennt.

Im gleichnamigen Buch schildert Gold aus seinen reichhaltigen Erfahrungen als Künstler, Ingenieur, Designer und Wissenschaftler, um uns aufzuzeigen, wovon unsere Umgebung beherrscht wird. Doch bevor ich mit der Rezension fortfahre, hier schonmal eine kleine Frage zur Vorbereitung auf die nächsten Absätze: Wieviel Kram befindet sich gerade in dem Raum, in dem Sie anwesend sind? Gönnen Sie sich ruhig mal den Spaß. Ich warte so lange…

Wenn Sie wie ich immer wieder neue Produkte ausprobieren und die letzten Ecken der Wohnung damit stopfen, wird die Zahl sicherlich sehr hoch sein. Gold weist die Leser allerdings darauf hin, dass es nicht bei dieser Menge aufhört, da jeder einzelne Gegenstand natürlich wieder aus unterschiedlichen Teilen zusammen gesetzt ist und diese wiederum ganz verschiedene Maschinen zur Herstellung benötigen, die wiederum selbst…

Natürlich ist das zunächst keine besonders neue oder verblüffende Vorstellung. Doch mit dieser Feststellung im Hinterkopf geht Gold auf das Thema Innovation und deren Kulmination in neuen Produkten und Geschäftsideen los, womit wir auch beim Inhalt dieses Magazins wären. Durch seine Beobachtungen stellt der Autor knapp und deutlich sieben Ansätze zur Erschaffung von neuen Sachen vor. Dabei sind einige der Methoden so ketzerisch (aber praxisnah) , dass sie in der üblichen Literatur selten Erwähnung finden.

Mit einer ironischen Selbstreflexion wird in einem langen Kapitel auf die durch die Innovationskraft der Konsumkultur erzeugten Probleme eingegangen.  Schließlich präsentiert Gold auch ein paar Lösungsansätze, wovon einige wohl mit einem Augenzwinkern zu nehmen sind.  Dabei ist die Moral des Buches am Ende so gut, dass sie auch von jenen gehört werden sollte, die es sich nicht durchlesen werden:

„We should be careful to make the world we actually want to live in.“

Diese durch und durch unterhaltsame und sehr nachdenklich stimmende Lektüre kann ich jedem ans Herz legen, der in die Gesellschaft hinaus zieht, um noch mehr Krempel als Futter für die „Plenitude“ zu produzieren. Bevor Sie nun auf Amazon surfen, um das Buch zu bestellen und damit die Vielfalt Ihres Zeugs zu stärken: Wie viele unterschiedliche Dinge haben Sie im Zimmer gezählt? Ich hab bei 100 aufgegeben.

Über den Autor:

Ahmet Emre Acar ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der HPI School of Design Thinking („D-School“). Er forschte und arbeitete an der Technischen Universität Berlin, der Humboldt Universität Berlin und der Universität Potsdam zu Kommunikation im Internet, nicht-linearen Medien, Mediensemantik, Multimediaproduktion und E-Learning. An der D-School forscht Ahmet zu kommunikationswissenschaftlichen Themenstellungen wie der Kommunikation in multidisziplinären Gruppen und Ahmet war maßgeblich an der Erstellung des D-School-Blogs beteiligt.

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