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„Ski sind Ski“ dachte ich früher, bis ich bei Jugend trainiert für Olympia keine Chance gegen die Ausrüstung der Verwöhnten hatte. Scheinbar langweilige Themen interessieren plötzlich, wenn man hinter die Kulissen schaut. Mein undifferenzierter Blick auf die Welt des Designs und der Schriftarten ist verschwunden. Eine neue Dimension der Vielfalt hat sich aufgetan. Ich übertreibe – Nicht. Schrift ist Schrift – eine völlig klare Aussage für die Meisten unter uns – kann nur noch vehement verneint werden.

Mit einfachen, eingängigen Richtlinien und einprägsamen Beispielen zeigt Robin Williams (ja, der macht nun auch in Büchern – und ich dachte immer Schauspieler verdienen gut…) wie Design funktioniert: The Non-Designer’s Design Book. Wirklich jedem Nicht-Designer muss ein Licht aufgehen: „Ach ja, deshalb sah mein Lebenslauf irgendwie immer etwas komisch aus…“

Glücklicherweise habe ich beim Bestellen nicht auf das doch sehr abschreckende Äußere des Buchumschlags geachtet, sonst wären mir diese Erkenntnisse vorenthalten worden. Nach dem Lesen des Buches wird klar: Der hässliche Umschlag muss Strategie sein.

Zur Sache Schätzchen. Robin führt uns anhand vier einfacher Designprinzipien durch eine neue Landschaft: Kontrast, Wiederholung, Ausrichtung und Nähe sind die Richtlinien für das Hinterkopfprogramm des Nicht-Designers. Ob es sich um Flyer, Websites, Visitenkarten, Newsletter oder Zeitschriftenartikel handelt, anhand dieser Kriterien beurteilen wir nun alle problemlos die Qualität von Design – und vor allem wissen wir nun auch warum etwas einen ordentlichen Eindruck macht, oder nicht. Vielleicht bin ich die Ausnahme und jedem von Euch waren diese Kriterien schon immer geläufig – ehrlich – ich bezweifle es.

Das Buch kann man an einem Samstag locker mit Freude verinnerlichen. Es ist reich illustriert, das Auge isst mit. Aha-Effekte auf fast jeder Seite. So macht Lernen Spaß! Ich werde nie wieder eine Zeitschrift mit den Augen von Gestern lesen (können). Ich weiß nun, wie man mit Schrifttypen wie Oldstyle, Modern, Slab Serif, Sans Serif und Script spielen kann und erkenne sie beim Lesen wieder.

Größe, Gewicht, Struktur, Form, Richtung und Farbe von Textelementen eröffnen mir eine Spielwiese auf der ich nicht Spielen muss – aber könnte. Ich kann nun endlich über NOCH EIN THEMA mitreden. Das hat die Welt vermisst. Regeln brechen kann ich immer noch, heute mit dem Unterschied, dass ich sie kenne. Und das kommt laut Robin Williams ZUALLERERST.

Spaß macht das Lesen und Blättern – wirklich. Auch wenn Sie nichts mit Design zu tun haben, Ihnen wird auffallen, dass die Farben auf der Speisekarte des Restaurants absolut nicht zufällig einen solch gediegenen Eindruck hinterlassen. Denn um rudimentäre Farbenlehre geht es hier auch. Als hätten Sie es nicht schon immer gewusst: Die Farben von Google kommen auch nicht aus dem Malkasten eines Kleinkindes – vielleicht doch, aber nicht ohne HINTERGrund…

Über den Autor:

Markus Schüler war als Unternehmensberater im IT-Bereich weltweit im Einsatz und beschäftigt sich seit 1994 mit Internettechnologie. Heute arbeitet er mit einem Partner unter anderem an der Konzeption eines unkomplizierten Inkubatormodells für Turn-Key StartUps.

In seiner Freizeit liest Markus leidenschaftlich gerne Bücher zu Themen wie Unternehmertum, Design oder Management und schreibt dazu wiederholt auch auf Gründerszene Rezensionen, wie die zu Kopf schlägt Kapital.

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