Vielleicht kennen Sie ihn, diesen umtriebigen, ständig beschäftigten Gründertyp. Immer muss er etwas Neues erschaffen, er ist der Verwirklicher der Idee, der Entrepreneur. Sobald eine Firma gut läuft und die Führung zur Verwaltung, zum Management wird, verlässt er das Boot und sucht sich eine neue Herausforderung. Wer Erfolg hat, wird dabei oft zum Serial-Entrepreneur, zum Dauergründer, der eigene Ideen in StartUps verwandelt und in andere Gründungen investiert. Über diese Sorte Mensch hat Torsten Oelke, selbst Gründer und Finanzier verschiedenster Internet-Gründungen, ein Portrait geschrieben, das sich lehrreich, unterhaltsam und vor allem inspirierend liest.

Die deutsche Gründerszene und ihre Erfolge

Die deutsche Gründerszene ist durchaus überschaubar, die mit Erfolg erst recht. So lässt sich auf den rund 200 Seiten des Buches ein umfassender Überblick über die Stars des (vorwiegend deutschen) Internets geben. Ob Lukasz Gadowski, Oliver Samwer und seine Brüder, Lars Hinrichs oder Rolf Dobelli. Torsten Oelke nutzt die Gründer und ihre Firmen wie Spreadshirt, Xing oder Alando um verschiedene Aspekte von Gründungsphase und Umwandlung der Idee in Geld zu erläutern.

Venture Capital, Verkauf und Geschäftsidee

Natürlich geht es in dem Buch vorwiegend um monetäre Vorgänge, um Cashburn Rates, Checks and Balances, und Cost per Order. Der Verkauf erfolgreicher StartUps wird zur Genüge thematisiert und scheint manchmal einziger Grund für eine Gründung zu sein. Doch mit dem Kapitel zu Lars Hinrichs und seinem erfolgreichen deutschen Businessnetzwerk kommen auch Themen wie Business Intelligence zur Sprache, also die Frage danach, was die Nutzer eigentlich so auf einer Webseite machen oder wollen. Es geht in Ansätzen um die Teambildung in StartUps, darum, wie man einen passenden Markt und relevante Technik findet und letzten Endes wieder darum, wie man mit all dem Geld verdient.

Erfolge – aber auch Scheitern

Viele der vorgestellten Stars des Internet hatten neben ihren Erfolgen auch Verluste und Niederlagen hinzunehmen. Torsten Oelke zeigt diese auf, damit auch der Leser aus den Fehlern der Entrepreneure lernen kann. An und mit Konstantin Guericke, Mitbegründer des Businessnetzwerkes LinkedIn, führt der Autor beispielsweise drei Gründe für das Scheitern eines StartUps bzw. einer Geschäftsidee vor:

Erstens: Es gibt einfach keine Nachfrage. Manchmal gibt es ein Produkt einfach deswegen nicht, weil es eben keiner braucht: „Als Gründer muss man die richtige Balance finden zwischen dem Zuhören, also dem Offensein für Kritik und Anregungen, und dem Reden, also für seine Idee werben – bei Investoren, Mitarbeitern und Kunden.“, so Konstantin Guericke.

Zweitens: Es ist noch zu früh für das Produkt. Das kann entweder an den technischen Voraussetzungen liegen. Was im Web 2.0 spielend möglich ist, war bei den Softwarelösungen Ende der 1990er Jahre noch lange nicht abzusehen. Vergleichbar ist dies vielleicht mit den gerade erst entstehenden Lösungen für das mobile Internet. Oder aber der Markt ist noch nicht reif für ein Produkt, wenn die Nutzer noch nicht gewohnt sind, damit umzugehen.

Drittens: Die Umsetzung der Idee in Geschäftsprozesse ist fehlerhaft. Wenn die Teams etwas falsch machten oder im Nachhinein klar wird, welche anderen Prozesse hätten angestoßen werden müssen, sollten angehende Gründer besonders genau nachlesen. Hier lässt sich viel lernen.

Ein Buch über den Weg aus der Krise

Das Buch wurde in der Zeit vor der Finanzkrise geschrieben, die letzten erfassten Daten stammen aus dem Jahr 2007 und der Ton ist durchweg optimistisch. So erscheint dem Leser das Medium Buch irgendwie langsam und veraltet, wenn es um die schnellen Entwicklungen im Internet-Business geht. Dennoch lässt sich für die jetzige Zeit viel von dem Buch lernen. Es zeigt, wie mutige und von ihrer Idee überzeugte Gründer ihr Geschäft entwickelten, als die Dot-Com-Blase gerade geplatzt war. Ihre Schritte und Überlegungen können ein gutes Vorbild für die derzeitige Finanzkrise sein und zeigen, wie Gründer sie nicht nur überleben, sondern auch noch zu ihrem Vorteil nutzen.

Das Buch:

Torsten Oelke (2009): „Stars des Internets. Erfolgreiche Web-Unternehmer und ihre Geschichte“. Redline Verlag, München; 208 Seiten, ISBN-13: 9783868810011; 24,90 Euro.

Über den Autor:

Felix Struening ist bei der Jobbörse ABSOLVENTA (www.absolventa.de) für die Online Redaktion zuständig und schreibt zu den Themen Karriere, Bewerbung und Arbeitsmarkt. Außerdem bespricht er regelmäßig für BuchTest.de Sach- und Fachbücher.

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