Cliqz-compressor

Der Browser-Markt ist groß: Milliarden Nutzer klicken sich als willige Kunden täglich durch das Internet. Marktführer Chrome vereint jedoch fast die Hälfte des weltweiten Traffics auf sich. Nischenbrowser wie Vivaldi, Seamonkey und Cliqz wollen diese Dominanz brechen. Doch dafür braucht es Geld. Wie das Handelsblatt berichtet, hat nun das Münchner Startup Cliqz die weit verbreitete Browser-Erweiterung Ghostery gekauft, das eine Tracking-Blocker-Software anbietet. Hinter Cliqz steht als Finanzier mehrheitlich der Burda-Konzern, Mozilla mit seinem Browser Firefox ist Minderheitseigner.

Künftig sollen die Technologien von Cliqz und Ghostery verschmolzen werden. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. „Wir werden die beiden Technologien zusammenführen und uns damit zu einem Technologieführer entwickeln“, kündigt Cliqz-CEO Marc Al-Hames vollmundig an. Besuchen User derzeit mit dem Münchner Browser Webseiten, die ihr Surfverhalten verfolgen, werden deren Scripte deaktiviert. Daten fließen zwar weiterhin, allerdings sind sie nicht mehr personalisiert. Werbe-Trackern von Diensten wie Google und Facebook, die individuelle Werbung ausspielen wollen, wird dadurch das Geschäft vermiest.

Investitionsinteresse: Google schaden

Anzeige
Das dürfte auch der Grund für die Übernahme gewesen sein. Cliqz versucht sich im von Chrome dominierten Browser-Geschäft als datensparsame Tarnkappen-Alternative zu präsentieren, die trotzdem Werbung erlaubt. Denn Hintergrund-Investor Burda mit seinen vielen Online-Magazinen und Anteilen an Werbeagenturen dürfte gar kein Interesse an verhinderter Werbung haben. Dafür macht sich der Burda-Verlag aber für das Leistungsschutzrecht stark, das Google zu Zahlungen an Verlage verpflichten soll. Der Aufbau eines Browsers, der Googles Geschäftsmodell ein bisschen bedroht, dürfte die Verleger freuen.

Mit der Übernahme soll nun einerseits die Technik von Ghostery und Cliqz verbessert werden, anderseits erhofft sich das Münchner Startup neue Nutzer. Derzeit gibt es in Deutschland gerade einmal 150.000 Cliqz-User, 550.000 nutzen ein verwandtes Browser-Addon. Ghostery spielt dabei in einer ganz anderen Liga. Nach Unternehmensangaben wurde das Addon bereits 50 Millionen Mal installiert, 30.000 neue Downloads kommen täglich hinzu.

Bild: Unsplash