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Es häuften sich zuletzt die Gerüchte, dass E-Commerce-Riese Amazon den spanischen Shoppingclub BuyVip (www.buyvip.com) übernommen haben soll. Glaubt man TechCrunch, sollen sich die beiden Unternehmen in fortgeschrittenen Verhandlungen befinden und es wird über eine Verkaufssume von rund 70 Millionen Euro spekuliert.

Bewertung einer möglichen BuyVIP-Übernahme

Sollten sich die Gerüchte um eine BuyVIP-Übernahme durch Amazon bestätigen, handelt es sich wohl nur bedingt um einen als erfolgreich zu bezeichnenden Exit. Amazon war laut Expertenberichten bisher primär an Shoppingclub-Urgestein Vente Privée interessiert und dürfte sich nach dessen Absage nach einem Ersatz in Europa umgeschaut haben.

Für BuyVIP entspricht ein Verkauf für 70 Millionen Euro keiner guten Bewertung, bedenkt man, dass US-Player Gilt Groupe zuletzt mit 400 Millionen US-Dollar bewertet worden sein soll oder dass Rue LaLa durch GSI für 350 Millionen US-Dollar übernommen wurde. Selbst Brands4Friends wurde vor seiner kürzlichen Finanzierungsrunde mit 100 Millionen Euro durch Tengelmann bewertet. Vor allem hat BuyVIP – auch wenn das Gesamt-Finanzierungsvolumen unbekannt bleibt – allein in seiner letzten (dritten) Finanzierungsrunde einen Betrag von 20 Millionen US-Dollar von Kennet Partners, Active Capital Partners, Bertelsmann Digital Media Investments und der 3i Group aufgenommen.

Dabei ist der Markt der Shoppingclubs weiterhin durchaus attraktiv: Vente-Privée rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatz von rund 800 Millionen Euro – die deutschen Konkurrenten dürften laut Schätzungen von Exciting Commerce zusammen rund 300 Millionen Euro erreichen. Doch um international für einen Exit attraktiv zu sein, muss ein Shoppingclub in mehreren Ländern potent positioniert sein.

Welchen Sinn hat eine BuyVIP-Übernahme für Amazon?

Nach eigenen Angaben bringt es BuyVIP derzeit auf rund sechs Millionen Mitglieder und zählt damit in Europa eher zu den durchschnittlich gut positionierten Shoppingclubs. Nachdem Vente Privee Amazon allerdings bereits mehrere Absagen erteilt haben soll, verbleiben für den Großkonzern nicht mehr viele Alternativen, will es in den Shoppingclub-Markt eintreten. Exciting Commerce spekulierte erst kürzlich, dass Privalia, ShowroomPrive und BuyVIP wohl die drei Clubs mit den besten Exit-Optionen seien. Brands4Friends (www.brands4friends.de) hat sich durch seine schlechte Presse in Sachen Management und  Buchhaltungschaos wohl selbst aus dieser Rechnung genommen und verbleibt als quasi rein deutscher Player mit eher versprengten Ablegern in England und Japan.

An und für sich sind Shoppingclubs dann  gut aufgestellt, wenn sie einen Markt beherrschen, schließlich wollen die Top-Marken stets mit dem Marktführer eines Segments zusammen arbeiten. Aus dieser Perspektive ist BuyVIP eher schlecht aufgestellt, adressiert das spanische StartUp mit Spanien, Italien, Deutschland, Österreich, Portugal, Polen und den Niederlanden zwar sieben Märkte gleichzeitig, dominiert aber keinen von diesen wirklich. Eine Amazon-Übernahme ist also nur dann sinnvoll, wenn der US-amerikanische E-Commerce-Riese das Thema intensiv angeht und BuyVIP zu viel Aufmerksamkeit verhilft.

Wegen häufiger Managementwechsel und eher durchschnittlich guter Perfomance in vielen Märkten, zählt BuyVIP zwar nicht unbedingt zu den stärksten Anbietern Europas, aber viele Optionen verbleiben Amazon ohnehin nicht. Insgesamt dürfte eine BuyVIP-Übernahme für Amazon einen guten Kompromiss darstellen, ist das Unternehmen doch in vielen Märkten aktiv und Amazon verbleibt die Chance, mit seinem eigenen Knowhow und seiner Reichweite den spanischen Shoppingclub weiter nach vorne zu bringen – und das alles für einen vergleichsweise günstigen Kaufpreis.

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