Sieht Kritik ganz locker: AWD-Gründer und neuer DHDL-Löwe Carsten Maschmeyer

Sieht Kritik ganz locker: AWD-Gründer und neuer DHDL-Löwe Carsten Maschmeyer

Er polarisiert. Einerseits ist der neue DHDL-Löwe und AWD-Gründer Carsten Maschmeyer ein echter Selfmade-Man, seit Jahren schon investiert er sein Vermögen in Startups. Andererseits hat sein Ruf in der Öffentlichkeit im Laufe seiner Unternehmervergangenheit gelitten, was ihm bis heute anhaftet und was auch im Netz und in den Kommentarenspalten der Gründerszene-Kanäle in den vergangenen Tagen deutlich wurde.

Wie geht er mit der Kritik um? Wir haben Carsten Maschmeyer in die Redaktion eingeladen um mit ihm über sein Selbstverständnis und seine Erfahrungen als Unternehmer sowie seine Absichten als Investor zu reden – und natürlich darüber, wie er mit jungen Gründern in der „Höhle der Löwen“ umgehen will.

Die Fragen stellten Alex Hofmann und Niklas Wirminghaus.

Herr Maschmeyer, warum machen Sie bei der „Höhle der Löwen“ mit?

Ich habe durch meine Erfahrung ein „Sende-Gen“ entwickelt. Ich war schon mit 14 Jahren Trainer für jüngere Läufer – und habe schon immer gerne anderen gezeigt, wie sie sich verbessern können. Auf diese Hilfe habe ich damals gute Resonanz bekommen – genauso wie heute auf die Unterstützung, die ich Startups gebe. Das gibt mir auch Befriedigung. Weil ich mich als Coach und als Mentor sehe, passe ich gut zur „Höhle der Löwen“.

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Haben Sie die ersten beiden Staffeln verfolgt?

Immer wieder einmal.

Ist Ihnen ein Startup in Erinnerung geblieben, das Sie interessant fanden?

Mich haben einige beeindruckt, weil sie sich sehr gut verkauft haben. Und natürlich sind auch einige in Erinnerung geblieben, weil ich in diese Unternehmen niemals investiert hätte. Aber ich habe dann doch nicht genug Folgen gesehen, dass ich einen Favoriten nennen könnte.

Ganz grundsätzlich: Was macht für Sie einen guten Gründer aus?

Wir haben leider zu viele Gründer, die wegen des Gründens gründen wollen – Berufswunsch Gründer. Du kannst aber nur gründen, wenn Du eine Idee hast. Erst muss es eine Innovation geben. Dann ist es wichtig, kreativ, aber auch kommunikativ zu sein. Ein guter Gründer muss mit Investoren, Presse, Bewerbern, Mitarbeitern, Kunden und Kooperationspartnern reden können.

Von großer Bedeutung ist auch das, was ich Charakter und mentale Stärke nenne: auf dem Boden bleiben und nicht denken, dass mit der Idee schon alles geschafft ist. Jeder im Netz steht im globalen Wettbewerb, da kommt schnell etwas dazwischen. Auch bei Finanzierungsrunden zeigen sich Charakter und mentale Stärke. Viele glauben, es sei ein Grund zu feiern, wenn man fünf Millionen Euro an Kapital bekommen hat. Ich sage dann: Eure Company ist in einem Zustand, dass sie fünf Millionen Euro Entwicklungshilfe braucht und noch ganz weit weg von Gewinnen. Firmenwagen und Gehaltserhöhungen beim Management nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde sind also fehl am Platz.

Gibt es noch etwas?

Disziplin und Durchhaltevermögen. Sobald der erste Kunde da ist, hat ein Gründer Verantwortung – dann geht es nicht um die Coolness eines Startups, sondern um die Verlässlichkeit eines Unternehmens. Vielleicht noch: Ein Team kann alles erreichen, aber nicht ein Einzelner. Und man muss beratungsfähig sein.

Wie gut ist Maschmeyer als Startup-Investor? Die Investments im Überblick

Das alles wird sich in einer Show wie die „Höhle der Löwen“ in den Gründern schwer erkennen lassen.

Die „Löwen“ können während des Drehs natürlich keine juristische oder finanzielle Prüfung durchführen. Vox und die Produktionsfirma Sony planen meines Wissen nach eine „Mindest-Due-Dilligence“, damit möglichst viele Deals auch Realität werden. Es soll ja sogar Fälle gegeben haben, in denen einige gar keine Anteile hatten oder die Besitzanteile, Zulassungen oder Patentrechte anders waren als dargestellt. Ansonsten setze ich lieber auf ein First-Class-Team als auf ein First-Class-Produkt. Mein Credo ist: „The best KPI for me is: let me look into your eyes.“

Wie oft lagen Sie trotz In-die-Augen-Schauens schon daneben?

Das kam natürlich schon vor. Ich kann auf einen Verkäufer reinfallen. Das ist mein Risiko. Ich werde auch bei „Die Höhle der Löwen“ Flops eingehen und Fehler machen. In so frühen Phasen geht das auch nicht anders.

Es heißt ja, dass neun von zehn Startups scheitern. Ist das auch Ihre Erfahrung?

Nein. Das mag die generelle Statistik sein. Aber da wir bislang meist erst in späteren Runden investiert haben, ist das bei uns weniger. Und weil wir mehr geben als nur Geld, konnten wir natürlich auch die Erfolgsquoten erhöhen. Wir passen gut auf unser Geld auf.

Wie sieht diese Unterstützung jenseits des Kapitals denn aus?

Wir unterstützen z.B. bei Zulassungen und Patenten oder helfen bei juristischen Angelegenheiten, wie etwa den Pool für Mitarbeiteranteile aufzusetzen. Da passieren schnell Fehler, die später weh tun können. Wir helfen auch bei der Installierung des Controllings und Rechnungswesens, wenn die Firma größer wird. Oder bei der Personalauswahl im Vertrieb und Weiterbildung der Führungskräfte. Und wir versuchen natürlich auch, Türen zu großen Kunden und interessanten Kooperationspartner aufzumachen und eine Vernetzung zu anderen Portfolio-Unternehmen zu ermöglichen..

Für die Betreuung der DHDL-Startups haben Sie eine neue Investmentgesellschaft gegründet: Seed & Speed. Wie ist diese aufgestellt?

Mit dem zuständigen Kompetenzteam konzentrieren wir uns darauf, eine schnelle Due Diligence durchzuführen. Die Investitionssumme und die Beteiligungshöhe werden ja schon während der Show ausgehandelt. Das heißt: Wenn ich an einem Drehtag um 17.01 Uhr ein Investment zusage, dann werden meine Mitarbeiter um 17.02 Uhr loslegen. Das ist unser Anspruch, das haben die Kandidaten verdient.

Das Geld, das Sie über Seed & Speed investieren, stammt von Ihnen, richtig?

Ja, es ist alles Maschmeyer-Geld. Bei so frühen Venture-Investitionen möchte ich kein Geld von anderen einsetzen.

Haben Sie sich für die Show Ziele gesetzt, was die Zahl der Investments oder das zu investierende Kapital angeht?

Nein, das wird völlig opportunitätsgetrieben passieren. Wenn viel Gutes dabei ist und mich die anderen Löwen nicht überbieten, wird es viele Investments geben. Es ist für die Startups ja auch wichtig, sich für den Investor zu entscheiden, der zu ihnen passt.

Und wie können die Startups den richtigen Löwen finden?

Mein Gefühl ist, dass alle, die Non-Food-Produkte günstig produzieren wollen, wahrscheinlich bei Ralf Dümmel gut aufgehoben sind. Wenn es um Online Marketing geht, ist Frank Thelen vermutlich der Richtige. Was sich mit Event- und Freizeitaktivitäten zusammenbringen lässt, passt eher zu Jochen Schweizer. Und wer ins Teleshopping möchte, ist mit Judith Williams möglicherweise besser bedient. Wer selbst als Unternehmer und mit eigenem Vertrieb besser werden will, möchte vielleicht unser Team zur Unterstützung. Jeder der Löwen hat neben seinen vielen Stärken auch eine besondere Unterstützung zu bieten.

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Kennen Sie die Löwen alle persönlich?

Ich habe mich mit zwei Löwen intensiv ausgetauscht, das sind tolle Unternehmer. Die anderen werde ich vor dem ersten Drehtag hoffentlich auch noch sehen und ich freue mich schon sehr auf die Zusammenarbeit.

Werden Sie ab und an auch versuchen, die anderen Löwen auszustechen?

Nein. „Ellbogen“ ist nicht mein Wesen, ich bin sehr harmoniebedürftig. Meine Stärke ist die Empathie, dass ich mich in andere Menschen hineinversetzen kann. Ich werde niemals einsetzen, dass ich mehr Geldressourcen habe. Und wenn etwa Frau Williams und ich das Gleiche bieten, für das Startup der Fernsehkanal aber wichtiger ist, dann ist das auch gut so.

Aus vielen Jahren an Unternehmererfahrung: Was sind die wichtigsten Lehren, die Sie mitgenommen haben?

Ich habe eine Formel entwickelt: Innovation, Motivation, Kommunikation. Dann geht es wirklich nur noch um Connection, Distribution, Execution. Das sind die Grundregeln, zumindest aus meiner Erfahrung. Wenn das Team dann größer ist, wird Leadership wichtig und auch das Denken in Organigrammen. Und manchmal zögert man zu lange, Seniors auf wichtige Positionen zu setzen.

Gibt es etwas, dass Sie rückblickend als Gründer und Unternehmenschef anders machen würden?

Ja, und das passt in gewisser Weise zu dem gerade Gesagten: In den Gebieten, in denen man nicht die notwendige Eignung und Neigung hat, ist es wichtig, sich ganz schnell die richtige Kompetenz einzuholen. Bei mir war das in der IT. Zudem habe ich Fehler bei der Internationalisierung gemacht: Man muss sich neue Märkte vorher genau ansehen statt hinterher zu überlegen, was schief gegangen ist.

Sie polarisieren, das zeigt sich auch in den Kommentarspalten auf Gründerszene. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin wahrscheinlich eine Projektionsfläche für Kapitalismus-Gegner. Aber die Unternehmen, die bei „Die Höhle der Löwen“ pitchen, brauchen nun mal Kapital. Und sie brauchen Gründungs- und Unternehmer-Erfahrung. All das bringe ich mit. Ich sehe die Kritik ganz locker. Entscheidend für mich ist, was die Menschen denken, mit denen ich zusammenarbeite.

Dennoch nehmen sie in der „Höhle der Löwen“ viele Zuschauer wahr, mit denen Sie ja niemals direkt etwas zu tun haben werden.

Wir sollten nach den ersten Sendungen die Resonanz abwarten, wie meine Kompetenz und mein Umgang mit den Gründern bewertet wird. Wie man mich im Zusammenspiel mit den anderen Löwen sieht. Das ist entscheidend. Im Fußball wissen auch viele bei Spielerverpflichtungen noch weit vorm ersten Match alles besser.

Was kann die Show besser machen?

Es wäre zu früh, das zu sagen. Ich war ja noch nicht dabei. Dass die Show grundsätzlich gut ist, hat ja u.a. vor kurzem die Auszeichnung mit dem Deutschen Fernsehpreis gezeigt. Das hätten zum Start auch nicht alle erwartet. Für meinen Teil werde ich Sorgfältigkeit an den Tag legen und das Ganze sehr ernst nehmen. Das machen die Löwen-Kollegen auch.

Trotzdem gab es bislang sehr viele Deals, die nicht zustande kamen. Wenn Sie einem Startup 50.000 Euro versprechen, bekommt es die dann auch?

Selbstverständlich. Wir fangen direkt nach der Zusage mit der Prüfung an, um so schnell wie möglich das Geld bereitstellen und das Startup unterstützen zu können. Aber: Sollte uns jemand angelogen haben, brechen wir sofort ab. Wir wollen keine Zeit verlieren und uns auf die ehrlichen Sieger konzentrieren.

Herr Maschmeyer, Sie haben nun die Möglichkeit, eine kurze Video-Botschaft an die Startup-Welt zu richten:


 

Bild: Helen Nolan / Gründerszene