CarUnitiy Chef Jan Wergin ist mit dem Start seiner CarSharing Plattform zufrieden.

Carsharing gehört zu jenen Marktbereichen der neuen Mobilität, die die höchsten Wachstumsraten aufweisen. Laut der Beraterfirma Roland Berger könnte es bis 2020 jährliche Wachstumsschübe von bis zu 30 Prozent geben. Es ist also kein kleiner Markt, der da entsteht. Jan Wergin, der für Opel das Carsharing Unternehmen CarUnity leitet, ist überzeugt, dass es sich gerade für einen Hersteller lohnt, in diesen Bereich zu investieren. „Es ist eine Art Airbnb für Autos“, erklärt er das Geschäftsmodell.

Neu ist die Idee nicht. Tamyca, die Kooperationspartner von CarUnity sind, gibt es seit November 2010. Die französische Firma Drivy ist seit 2014 auf dem deutschen Markt aktiv. Aber im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich, wo das private Carsharing boomt, tun sich die Deutschen mit dem Thema noch etwas schwer. Ein Player wie Opel könnte durchaus Bewegung in den Markt bringen.

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Bedarf für neue Ansätze sollte es in jeden Fall geben. Ein privates Auto steht im Schnitt 23 Stunden am Tag ungenutzt herum. Und verursacht dabei Kosten. Der Besitzer bezahlt eine Leasing- oder Kreditrate, den Wertverlust und die Verschleißkosten – auch wenn das Auto nur wenig bewegt wird. Für Jan Wergin stellt sich dazu die Frage: „Wie gehen wir mit der Investition, die wir getätigt haben, sinnvoll um? Und wie schaffe ich es, meine Kosten zu senken und dabei gleichzeitig mobil zu bleiben? Das eigene Auto privat zu vermieten, ist eine spannende Lösung.“

Auf der anderen Seite stehen die Menschen, die ihr Auto entweder schon verkauft haben – oder darüber nachdenken. „Es gibt diesen Trend in Metropolregionen.  Dabei stellt sich aber gleichzeitig auch die Frage, wie die eigene Mobilität in Zukunft aussehen soll. Carsharing und damit auch CarUnity bietet hier Lösungen“, erklärt Jan Wergin, der mit seiner Firma gerade nach Berlin umzieht.

Multimodale Mobilität heißt die etwas sperrige Beschreibung für eine Idee, die darauf aufbaut, dass es den Menschen egal ist, wie sie an ihr Ziel kommen. Wergin dazu: „Zum einen will ich sofort verfügbare Mobilität für die Kurzstrecke, das bilden andere klassische Angebote von Wettbewerbern ab. Zum anderen benötige ich aber auch manchmal kurzfristig einen Wagen, um aus der Stadt raus zu fahren oder um sperrige Güter zu transportieren. Und genau hier brauche ich ein Carsharing-System das mir schnell weiterhilft.“

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Die gesamte Mietabwicklung läuft bei CarUnity daher über eine App, auch die erste Anmeldung für den Dienst. „Es war uns wichtig, dass der gesamte Prozess so reibungslos und schnell wie möglich über die Bühne geht“, erläutert Wergin. Die Anmeldung dauert tatsächlich nur wenige Augenblicke, der Anmietungsprozess funktioniert ebenfalls schnell. CarUnity greift dabei auf Privatfahrzeuge zurück, nutzt aber auch den Fahrzeugbestand von Opel-Vertragshändlern. So bekommt man dann für knapp 60 Euro einen Opel Adam für einen ganzen Tag samt 200 Freikilometern.

Seit dem Start von CarUnity hat das Unternehmen mehr als 6.000 Registrierungen erhalten und es werden rund 1.600 Fahrzeuge angeboten. Wobei die Abdeckung in Städten naturgemäß dichter ist als auf dem Land.

Wergin und der Autobauer planen mit CarUnity aber weiter. Abgesehen von der weiteren Ausbreitung in Deutschland sollen neue Services hinzukommen. In Rüsselsheim experimentiere Opel schon mit dem Thema Mitfahrgelegenheit. Nutzer können damit auf einer Karte eine Flagge setzen, wo man sie abholen soll. Interessierte Autofahrer können sich dann einen Mitfahrer auf der Karte aussuchen und diesen einsammeln.

Dabei geht es auch – wie sollte es anders sein – um Daten. „Es wäre doch nett, wenn ein Service weiß, dass ich zu einer bestimmten Zeit eine Mitfahrgelegenheit benötige und sie im Hintergrund schon mal sucht“, entwirft Jan Wergin ein Zukunftsszenario. Um den Service umzusetzen, ist man zusammen mit der Deutschen Bahn bei der Mitfahrzentrale Flinc eingestiegen. Abgewickelt wurde die Beteiligung über die konzerneigene Beteiligungssparte GM Ventures.

Konkurrenten auf dem Carsharing-Markt will man laut Wergin nicht übernehmen. „Zum einen macht es im Moment keinen Sinn, zum anderen sind wir auch froh, dass es weitere Player gibt, die das Thema vorantreiben.“ Für 2016 hat man zunächst das eigene Wachstum im Auge. So sollen mehr Nutzer und Opel-Händler CarUnity flächendeckend verfügbar machen. Europa hat Wergin aber durchaus schon mal im Blick: „Unsere Aktivitäten werden von den anderen Ländern und von General Motors mit hohem Interesse beobachtet.“

Bild: Opel/GM