cashboard noah sevenventures pitch day

Robert Henker, der sein Startup zum Erfolg pitchte

Cashboard-Gründer Robert Henker über den Sieg beim SevenVentures Pitch Day

Die Konkurrenz war bunt: eine Social-Network- und eine Foto-App aus Israel, eine Spirituosen-Abobox aus San Francisco, eine holländische Reiseplattform, eine Crowdsourcing-Plattform aus Indien und ein Fashion-Designer-Marktplatz aus Polen – sie alle pitchten gestern beim Finale des SevenVentures Pitch Day auf der NOAH-Konferenz in London. Einziger deutscher Teilnehmer – und schließlich Gewinner: das Fintech-Startup Cashboard aus Berlin.

Hinter der Plattform stehen die Macher von Refined Investment, jenem Trading-Portal, das in den letzten Jahren zwei Mal höchst erfolgreich Geld über Seedmatch einsammeln konnte. Cashboard, seit dem Sommer live, richtet sich im Unterschied zu Refined Investment nicht an semiprofessionelle Investoren, sondern an Otto Normalanleger.

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Nutzer können dort Kapital in klassische Formen wie Tagesgeld, aber auch in neumodische Anlageformen wie Crowdfunding oder P2P-Darlehen stecken. Zehn Prozent behält das Startup als Gewinnbeteiligung ein.

Mitgründer Robert Henker überzeugte die Jury mit seinem Pitch. Dann ging er erst einmal feiern. Am Freitagmorgen erwischte ihn Gründerszene für ein kurzes Interview.

Glückwunsch, Robert. Ihr habt gestern den Pitch Day gewonnen und heute Morgen siehst Du auch noch ganz fit aus. Abgesehen von den kleinen Augen vielleicht.

Das kommt wahrscheinlich erst noch. Aber ich war auch nur bis um zwei Uhr unterwegs.

Als du gestern den Preis entgegen genommen hast, hattest Du Tränen in den Augen.

Das stimmt. Die letzten Monate waren einfach eine sehr intensive Zeit. Wir haben im Januar mit Cashboard angefangen und sind im August schon mit einer Beta live gegangen. Zusätzlich waren wir bei vielen Konferenzen, bei einigen Wettbewerben sind wir auch ganz scharf an den Preisen vorbeigeschrammt. Das war jetzt endlich mal die Belohnung, die mein Team und ich gebraucht haben. Man hält ja alle Welt irgendwie bei Laune, die Frau, die Leute, die Familie. Da ist viel Druck abgefallen.

Wie ging’s Dir beim Pitch auf der Bühne?

Bis zur Hälfte war ich gar nicht so zufrieden, weil ich auch ein paar Verhaspler drin hatte. Bei den Fragen der Jury bin ich dann gut in Fahrt gekommen.

Ihr bekommt vier Millionen Euro Mediavolumen. Wie dringend braucht ihr das Preisgeld?

Wir werden nicht gleich morgen anfangen, im TV zu werben. Das wird erst Anfang des Jahres in einer konzertierten Aktion kommen. Aber es hilft uns, weil wir gerade dabei sind, die erste große Finanzierungsrunde abzuschließen. Wir haben ja bisher praktisch kein Geld für Cashboard eingesammelt. Für die Gespräche mit VCs und Angels ist der Gewinn natürlich super. Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein.

Im Pitch hast Du gesagt, Cashboard sei das Kayak oder Mymuesli für Finance. Das musst Du noch einmal erklären.

Wir machen über eine Plattform, auf einem Dashboard, unterschiedlichste Finanzprodukte vergleichbar und zugänglich. Wir positionieren uns strategisch als eine Meta-Plattform über den Produktanbietern. Tagesgeld-Anbieter oder P2P-Lending-Plattformen sind keine Konkurrenten, sondern Produktpartner, die wir auf unserer Seite einbinden. Wir ermöglichen den Leuten, in spannende und alternative Sachen zu investieren. Wir sehen uns nun zum Beispiel Oldtimer als Investitionsobjekt an – aber in kleinen Ticketgrößen, die sich als Beimischung zur Geldanlage eignen.

Wie schauen die Banken auf Euch?

Die Banken sind sehr interessiert daran, mit uns zusammenzuarbeiten. Es ist ja nicht so, dass wir denen ihr Geschäft wegnehmen würden. Wir führen Leute an Geldanlage heran, die ihr Geld bislang geparkt haben. Es gibt in Deutschland 5.000 Milliarden Euro Geldvermögen in Form liquider Assets – davon liegen 2.000 Milliarden auf Tages-, Festgeld- oder Girokonten mit Zinsen unterhalb des Inflationsniveaus. Die Deutschen verlieren dadurch 21 Milliarden im Jahr an Wert- und Kaufkraftverlust. Das ist auch ein volkswirtschaftliches Problem, denn das Geld ist dem Markt entzogen, obwohl man mit ihm viele schöne Startups finanzieren oder Schulen renovieren könnte.

Nach etwa drei Monaten am Markt, wie entwickeln sich Eure Nutzerzahlen?

Wir sind sehr zufrieden, schließlich machen wir noch kein aktives Marketing. Wir haben jetzt mehrere hundert Kunden. Und die haben relativ schnell auch relativ viel angelegt.

Du machst das Startup mit Deinem Bruder zusammen, richtig?

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Das Gründerteam sind mein Bruder Stephan und ich, dazu Marius Schulze, mit dem ich studiert habe, und André Holdschick, der mit mir bei KPMG gearbeitet hat. Wir ergänzen uns perfekt. Ich bin der Typ, der draußen herumläuft und gut reden kann, mein Bruder zieht im Hintergrund die Fäden, Marius ist Experte für Online-Marketing und digitale Strategien und André hält mir intern bei operativen Themen den Rücken frei. Wir sind jetzt zehn Mann in Summe, suchen aber noch ein paar gute Leute fürs Marketing und die IT.

Gestern, auf dem Weg zur Preisverleihung, hast Du vor der Bühne eine Person umarmt. Wer war das?

Das war Jens Pippig vom ProSiebenSat.1-Accelerator. Der hat uns, als alter McKinseyianer, die letzten Monate ziemlich gestriezt, aber uns damit auch sehr geholfen. Schau Dir nur mal an, wer letztes Jahr den Pitch Day gewonnen hat: GetYourGuide, da hatten die schon eine Bewertung von 20 Millionen. Oder der Zweitplatzierte von diesem Jahr, Flaviar, die machen schon fünf Millionen Umsatz. Und wir sind quasi noch komplett gebootstrapped.

Bild: Gründerszene