Caterna: Zweiter Versuch mit neuem Geschäftsmodell

Im Sommer 2012 hatte das Berliner Startup Caterna, das eine Online-Sehschulung für Kinder mit der Sehschwäche Amblyopie anbietet, Insolvenz angemeldet. Jetzt konnte das Unternehmen eine sechsstellige Summe vom Berliner eHealth-VC Peppermint einsammeln – für das gleiche Produkt. Was lief beim ersten Anlauf schief?

„Unsere Kunden waren von dem Produkt überzeugt, aber das Unternehmen hat viel zu wenig Umsatz gemacht“, blickt Mitgründer und Geschäftsführer Nicolaus Widera zurück. Besonders Vertrieb und Marketing seien sehr teuer gewesen, hätten aber nicht genug zum Umsatz beigetragen. Das beim ersten Anlauf vom High-Tech Gründerfonds unterstützte Unternehmen hatte die Online-Sehschulung in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden entwickelt. Mit den Spielen sollten 4 bis 12-jährige Kinder mit Amblyopie behandelt werden. Bei der Krankheit ist das Sehsystem auf einem Auge, selten auch auf beiden Augen, unterentwickelt.

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Das Programm, bei dem betroffene Kinder mit einem Augenpflaster speziell entwickelte Computerspiele spielen, habe viele Ärzte überzeugt und auch bei den Patienten Wirkung gezeigt, sagt Widera. Doch das reichte nicht: Im Juli 2012 musste Caterna den Geschäftsbetrieb einstellen. „Nach der Insolvenz waren wir sogar noch überzeugter, dass es funktionieren würde“, erzählt der Mitgründer. „Weil wir da genau wussten, wie das Modell auf keinen Fall klappt“.

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Im Januar 2013 nahm das Unternehmen den Geschäftsbetrieb dann wieder auf – mit einem neuen Konzept: „Wir haben aus den Erfahrungen gelernt und das Geschäftsmodell komplett geändert“, resümiert Widera, der das Unternehmen mit sechs Mitgründern aufgezogen hat. Doch was läuft jetzt anders? Beim ersten Versuch hatte Caterna die Online-Sehschulung gegen eine Lizenzgebühr an die Ärzte vergeben; die konnten das Programm für eine kostenlose Testphase an ihre Patienten weitergeben. Erst nach vier Wochen mussten die Patienten bezahlen. Häufig habe die Online-Sehschulung aber in den ersten kostenlosen Wochen schon so gut gewirkt, dass die Patienten vor einer Fortsetzung der Behandlung erst einmal abwarten wollten, erklärt Widera.

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Bei dem neuen Modell müssen die Ärzte keine Lizenzgebühren mehr zahlen und Caterna hat die kostenlose Testphase abgeschafft. Nun können die Patienten die Online-Sehschulung für einen Fixpreis für drei Monate nutzen. „Es ist sehr wichtig, dass die Patienten nicht nach vier Wochen wieder abbrechen, sondern das Programm länger nutzen, damit es wirklich hilft“, erklärt Widera. Allein in Deutschland könnten 150.000 Kinder mit dem Programm behandelt werden, jedes Jahr kämen 20.000 dazu.

Seit dem 1. April kooperiert Caterna mit OcuNet und der Krankenkasse Barmer GEK, die ihren Versicherten das Programm auf Rezept zur Verfügung stellen. Seit dem vergangenen Dezember gibt es von Caterna zudem eine App für iOS und Android – damit ist Caterna nach eigenen Angaben die erste App, die in Europa auf Rezept angeboten wird. „Weitere Kassen haben angefragt, ob sie unser Programm anbieten dürfen“, erzählt Widera.

Aktuell plant Caterna die Expansion: Mit dem eingesammelten Kapital will das Startup die Online-Sehschulung auch in anderen europäischen Ländern anbieten.

Bild: Caterna