Eine der vielen CeBIT-Neuheiten: Der Navi-Gürtel der Universität Osnabrück

Manche Innovationen, die auf der CeBIT zu sehen sein werden, haben die Messe-Macher schon bekannt gegeben und prämiert. Zum Beispiel die App Shoutr. Damit lassen sich Bilder und Musik von einem Smartphone oder Tablet zum anderen kabellos übertragen.

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Das gelingt ohne den Umweg über Clouddienste oder einen anderen Server. Stattdessen bauen die mobilen Endgeräte von sich aus ein Extra-WLAN auf, über das die Daten geschickt werden.

Mit einem Award bedacht wurde auch Kinematics, ein Spiel, in dem Kinder und Jugendliche lernen, sich selbstständig bewegende Roboter zu bauen. Oder Fiberio, eine Technik, die schon beim bloßen Berühren des Touchscreens den Fingerabdruck erfasst – und so dem rechtmäßigen Nutzer Zugang zur Anwendung verschafft.

Unter den auf der CeBIT neu vorgestellten Produkten und Services finden sich aber noch weitere interessante technische Neuerungen.

Interaktives Taktik-Board für Sportanalysen

Das Taktik-Board liefert multimedial Informationen darüber, ob die Abwehr richtig stand. Quelle: HPI

 

Kameras bei einem Bundesligaspiel erfassen etwa 1,5 Millionen Spielerpositionen pro Partie. Damit Trainer und Sportanalytiker diesen Wust aus Videos sinnvoll nutzen können, müssen Algorithmen die Daten aufbereiten. Forscher des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) zeigen auf der CeBIT ein interaktives Taktik-Board, in dem eine solche Software arbeitet und die Analyseergebnisse auf einem Display anzeigt.

Damit sollen die Anwender bestimmte Spielsituationen in Videoaufzeichnungen gezielt suchen und Muster aus dem Spiel der eigenen oder gegnerischen Mannschaft erkennen. Mal werden so Schwächen in der rechten Abwehrseite entdeckt, mal sind es besondere Passkombinationen im Mittelfeld. Das Taktik-Board ist aber nicht auf Fußball spezialisiert, es lässt sich auch für Analysen in anderen Sportarten wie Handball oder Hockey einsetzen.

Rechts ab, wenn rechts der Gürtel vibriert

Per Vibration zeigt der Navi-Gürtel an, wo es hingeht. Quelle: Universität Osnabrück

Es hat schon zahlreiche Unfälle gegeben, wenn Menschen auf die Navigations-App in ihrem Smartphone gestarrt haben, während sie durch ihren Urlaubsort laufen. Helfen soll da ein Navi-Gürtel, den Forscher der Universität Osnabrück entwickelt haben.

Das Modell FeelSpace liegt um die Hüfte, Vibrationselemente weisen den Träger an, wohin er sich wenden sollte: Brummt es rechts, liegt dort die gesuchte Kirche. Oder es ist die richtige Richtung, um den Wald wieder zu verlassen und das geparkte Auto zu finden. Anders als beim Blick auf die Navi-App im Smartphone bleiben so die Hände frei, Augen und Ohren können sich ebenfalls auf die Umgebung konzentrieren.

Über die Stadt verteilte öffentliche Drucker

An einer Printbox können Anwender drucken, kopieren und scannen. Quelle: Printbox

Das Unternehmen Printbox will seine Drucker-Terminals deutschlandweit und künftig auch in weiteren Ländern aufstellen. Sie sollen in Universitäten, Bibliotheken, Kaufhäusern, Post-Filialen oder Tankstellen stehen.

Die für jeden zugänglichen Terminals liefern innerhalb einer Minute 40 schwarz-weiße oder 30 farbige Ausdrucke. Die Bedienung erfolgt per Touchscreen. Nutzer können einen USB-Stick einstöpseln, auf dem sie ihre Dokumente zum Ausdrucken gespeichert haben.

Oder sie schicken sie als Anhang per E-Mail an die Printbox – um sie dann aus der Printbox-Cloud herunterzuladen. Dort landen auch eingescannte Dokumente, zusätzlich zum Drucken beherrscht das Terminal noch das Scannen und Kopieren. Bezahlt wird in bar oder per Smartphone-App.

Durchsichtige Kühlschranktür zeigt Videos

PlentiMedias Kühlschranktür dient auch der Unterhaltung. Quelle: PlentiMedia

Es gibt schon Kühlschränke mit durchsichtigen Türen und solche, auf deren Tür ein Bildschirm aufgebracht ist, um zum Beispiel aktuelle Postings auf Facebook anzuzeigen. Eine Kombination daraus ist der PlentiMedia-Kühlschrank: Die transparente Tür zeigt nicht nur, was noch an Lebensmitteln und Getränken im Kühlschrank steckt, sie ist gleichzeitig ein 46 Zoll großes Display. Das von Halogenkauf Lightech vertriebene Modell stellt darauf wechselnde Fotomotive oder Videos zur Unterhaltung in der Küche dar.

Auto meldet sich krank

Der Autoadapter von Launch bringt Fehlermeldungen aus dem Auto aufs Smartphone. Quelle: Launch Europe

Launch Europe aus Kerpen stellt auf der CeBIT seinen Kfz-Adapter Golo CarCare vor. Eingesteckt wird er in die OBD2-Buchse des Autos, die meist unterhalb des Armaturenbretts liegt. Hier kommen die Meldungen aus der Fahrzeugdiagnose an. Der Adapter greift sie ab und schickt im Schadensfall automatisch eine Benachrichtigung an die Werkstatt des Fahrzeugbesitzers.

Die Techniker dort können mithilfe einer speziellen Analysesoftware den Fehler erkennen und dem Fahrer entweder Tipps zur Beseitigung des Schadens geben oder ihm raten, in die Werkstatt zu kommen. Wer sich die Reparatur auch selbst zutraut, kann den Adapter EasyDiag einsetzen, der die Analyse dem Fahrer direkt anzeigt.

Überwachung ohne Kabelsalat

Der Akku in Netgears Überwachungskamera hält mehrere Monate durch. Quelle: Netgear

Für viele Hausbesitzer war es bislang immer eine handwerkliche oder finanzielle Herausforderung, eine Kamera an den Außenwänden oder den Innenräumen zu installieren, weil noch zusätzlich die Kabel verlegt werden mussten – und das auch noch so, dass ein möglicher Einbrecher sie nicht einfach durchtrennen kann. Auf der CeBIT präsentiert Netgear die weltweit erste Sicherheitskamera, für die Anwender keinerlei Kabel anschließen beziehungsweise außen oder im Innern des Hauses unter Putz legen müssen.

Das wasserbeständige Modell Arlo Smart Home läuft per Akkubetrieb und nach Herstellerangaben bis zu sechs Monate mit einer Ladung am Stück. Die Kamera liefert Bilder in hoher HD-Auflösung und funktioniert mithilfe einer Nachtsicht-Funktion auch im Dunkeln.

Aus der Ferne ausgelöste Handykamera

Der iSelfie-Selbstauslöser für Smartphones lässt sich an der Hose befestigen. Quelle: Gigaflash

Selfie-Sticks mögen albern aussehen, immerhin aber sind damit fast vollständige Selbstporträts möglich. Sie reichen aber nicht aus, um eine ganze Gruppe von Menschen aufs Bild zu bekommen. Dafür gibt es Selbstauslöser in den Kameras.

Für Smartphones zeigt Gigaflash Limited aus Hongkong sein Modell iSmile Selfie Remote, ein flaches, quadratisches Plättchen, das per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden ist. Nach einem Druck auf iSmile löst die Kamera im Mobiltelefon aus.

Vom Handy-Clip zum animierten Comic

Etwas mehr Farbe aufs Smartphone bringt die App Pic2Comic. Quelle: HPI

Herkömmliche Programme zur Bildbearbeitung sind oft umständlich zu bedienen, oder aber ihre Effekte sind eher schwach und lassen sich nur auf Fotos anwenden. Eine einfach bedienbare und schnell arbeitende App haben Forscher des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam entwickelt.

Auf der CeBIT zeigen sie die Software Pic2Comic für mobile Geräte, die mithilfe weniger Fingertipps ein Foto oder ein Video in eine Schemazeichnung oder einen animierten Comic verwandelt. Die neue Version der App, angeboten von DigitalMasterpieces, gibt es seit Mitte Februar bei iTunes zum Herunterladen.

Spezialsoftware bewacht den Rechner

Die itWatch-Software schlägt bei Cyberattacken Alarm. Quelle: itWatch

Das Münchner Unternehmen itWatch zeigt auf der CeBIT die Software RiskWatch, die im Hintergrund des Betriebssystems Informationen zu Risiken vor allem für mittelständische Firmen sammelt. So liefert das Programm zum Beispiel eine Übersicht darüber, wie viele Terabyte an Daten das Unternehmen über welche Datenträger verlassen haben, aufgeschlüsselt nach Datentyp und bei Bedarf nach Standort oder Abteilung.

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So können die IT-Experten bei einer Gefahrenlage im Unternehmen den Gebrauch bestimmter Geräte wie Modems oder von Software wie einem Browser unterbinden oder alle Informationen auf mobilen Datenträgern verschlüsseln. Eingebaut in RiskWatch ist außerdem ein Schutz gegen Keylogger – die können jede Eingabe der Tastatur mitschneiden und die Informationen nach außen senden.„Die einzelnen Maßnahmen dauern zwischen zehn Minuten und einem halben Tag, sind also auch für hoffnungslos überlastete IT-Abteilungen im Mittelstand leistbar“, sagt itWatch-Geschäftsführer Ramon Mörl.

Startups auf der CeBIT: So war der erste Tag auf der Messe. Einige Eindrücke gibt es hier im Video. 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Welt.

Artikelbild: Universität Osnabrück