CeBIT 2017 - Global Event for Digital Business

Die Computermesse Cebit will durch einen radikalen Imagewechsel ihr Überleben sichern. Die seit 1986 jährlich im Frühjahr stattfindende Veranstaltung leidet seit Jahren unter Besucherschwund und einer Wahrnehmung als dröger Leistungsschau längst etablierter IT-Unternehmen. Jetzt soll sich die Veranstaltung von Betreiber Deutsche Messe komplett neu erfinden, als „Plattform für digitale Innovation und Technologiefestival“.

Das soll unter anderem durch eine Terminverlegung in den Juni, eine hippere Inszenierung und eine erneute Öffnung für das breite Publikum gelingen. „Wir bringen die Cebit in den Juni, weil wir im Sommer Technologie noch emotionaler inszenieren und eine coole Campus-Atmosphäre schaffen können“, lässt sich Deutsche-Messe-Vorstand Oliver Frese zitieren. Die Messe setze mit dem neuen Konzept „stark auf Emotionen und macht sich somit fit für die Generation Y“. 

Zu Hochzeiten Anfang der 2000er kamen 800.000 Menschen auf die Cebit. In der Folge nahmen die Besucherzahlen aber drastisch ab. Teilweise war das von den Ausstellern und Fachbesuchern auch gewünscht, weil sich innerhalb der Verbrauchermassen kaum Kontakte knüpfen oder Geschäfte machen ließen. Die B2B-Ausrichtung der Cebit schien in den letzten Jahren aber auch viele wichtige Aussteller nicht mehr zu befriedigen. „Der Messe steht das Wasser bis zum Hals“, hieß es am Mittwoch gegenüber der Hannoverschen Allgemeine aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Messe. „Die Cebit braucht genau jetzt ein solches, starkes inhaltliches Zeichen“, fordert Heiko Meyer, HP-Deutschland-Chef und Vorsitzender des CeBIT-Messeausschusses, „mit dem neuen Konzept schaffen wir genau das“. 

Infografik: CeBIT ist nicht mehr massenkompatibel | Statista

Im Messe- und Konferenzbereich war die Cebit zuletzt immer mehr unter Druck geraten. Der Mobile World Congress in Barcelona, der kurz vor der Messe in Hannover stattfindet, ist international deutlich relevanter. Unter Europas wichtigsten Tech-Konferenzen spielte die Cebit keine Rolle – hier bestimmen die Slush in Helsinki, der Web Summit (Dublin/Lissabon), die Münchner DLD und die Noah in London und Berlin die Szene.

Ob die neue Ausrichtung daran etwas ändert, ist fraglich. Mit den Berliner Digital-Events Noah, Tech Open Air und Heureka (wird vom Gründerszene-Verlag Vertical Media veranstaltet) sowie dem Pioneers Festival in Wien ist zudem gerade im Juni die Dichte an Tech-Veranstaltungen hoch. Bei den Cebit-Vertretern scheint es jedoch an Courage nicht zu mangeln. In Hannover vergleicht man sich sogar schon mit der SXSW im texanischen Austin – dem wahrscheinlich wirklich coolsten Tech-Event der Welt. „Wir bringen Austin in den Sommer“, zitiert die Wirtschaftswoche eine in den Prozess involvierte Industrievertreterin.

Bild: Deutsche Messe; Hinweis: Die Heureka-Konferenz wird von der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene, veranstaltet. Die an Vertical Media beteiligte Axel Springer SE ist Partner der Noah-Konferenz. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: www.vmpublishing.com.