Alexander Rinke diskutiert auf der Heureka-Konferenz

Die Geschichte von Celonis ist anders als die meisten Startup-Storys. Bislang haben die drei Gründer Bastian Nominacher, Martin Klenk und Alexander Rinke ihr Unternehmen ohne fremdes Geld aufgebaut. Und der Erfolg lässt sich sehen: Im vergangenen Jahr kürte Deloitte die Software-Schmiede zum wachstumsstärksten Tech-Unternehmen in Deutschland. 80 Mitarbeiter beschäftigt das Startup an drei Standorten, zu den Kunden gehören etwa Bayer, RWE und die Bank UBS.

Schon häufiger sollen Investoren bei dem Startup aus München angeklopft haben. Nun ist es soweit: Der namhafte Investor Accel, 83North (ehemals Greylock) und mehrere Business Angels investieren 27,5 Millionen US-Dollar in Celonis. Vor allem in den USA soll das Geschäft weiter wachsen.

Viele Unternehmen würden „Process Mining“ noch gar nicht kennen, erklärt Gründer und Geschäftsführer Alexander Rinke. Mit der Software von Celonis lässt sich vergleichen, wie gut Abläufe in einem Unternehmen funktionieren. In Echtzeit können Firmen analysieren, wie sich Kunden beispielsweise in einem E-Commerce-Shop verhalten und wo sie einen Kauf abbrechen. Jeder sogenannte Touchpoint fließt in die Software ein.

Startup Celonis: Per Bootstrapping zum globalen SAP-Partner

Per Bootstrapping zum globalen SAP-Partner

Drei Studenten haben mit eigenem Geld ein Big-Data-Startup aufgebaut – mittlerweile arbeiten 60 Mitarbeiter für Celonis. Und SAP vertreibt die Software global.

Am Dienstag saß Celonis-Gründer noch auf der Heureka-Konferenz und diskutierte mit anderen vielversprechenden Startups der Szene. Er erzählte, wie das 2011 gegründete Celonis schnell gute Umsätze machte – und direkt den Fehler beging, erfahrene, aber für das Startup unpassende Sales-Leute einzustellen – „die einfach nicht verkauft haben. Das war ein Fuck-up! Aber am Ende des Jahres war ich über 100.000 Kilometer gefahren und habe selbst Sales gemacht, so auch meine Mitgründer. Schließlich sind wir in dem Jahr trotzdem noch gewachsen, obwohl uns das Personal viel Geld gekostet hat.“

Zu dem Zeitpunkt der Konferenz war das Investment noch nicht offiziell – im Gründerszene-Interview spricht er nun über die Hintergründe.

Alex, vier Jahre lang habt ihr per Bootstrapping euer Unternehmen hochgezogen. Warum holt ihr euch jetzt Wagniskapital?

In der Tat haben wir mit etwa 10.000 Euro angefangen und sind über die Jahre auch ohne externes Geld sehr stark gewachsen. Wir wurden in der Vergangenheit immer wieder von Investoren angesprochen – bislang haben wir immer Nein gesagt. Mit Accel und Greylock sind jetzt aber Investoren dabei, die viel Erfahrung mit Unternehmenssoftware haben. Sie wissen einfach, wie man damit ein Unicorn baut.

Ihr habt bereits namhafte Unternehmen als Kunden, seid gut gewachsen. Warum benötigt ihr diese Erfahrung überhaupt?

Der Markt für Process Mining ist unglaublich groß, wir sind in dem Markt mit Abstand führend, aber wir müssen den Markt noch entwickeln. Es geht um die Frage: Wie erschaffe ich eine neue Kategorie? Denn Process Mining ist für viele Unternehmen noch kein Begriff. Vor allem in den USA wollen wir unser Geschäft ausbauen und die Investoren und Business Angels haben zu dem Thema Erfahrung, vor allem was Marketing und Vertrieb angeht.

Im vergangenen Jahr habt ihr mit SAP eine Partnerschaft abgeschlossen: Der Konzern vertreibt jetzt euer Produkt mit. Dadurch ist euer internationaler Absatz doch gestiegen. Was läuft mit den Investoren anders?

Die Zusammenarbeit läuft sehr gut, SAP pusht das Thema stark und bringt unsere Produkt in viele europäische Märkte und nach Asien und Amerika. Durch die Investoren holen wir das Thema allerdings in eine neue Dimension, was die Expansion in die USA angeht. Außerdem wollen wir mit dem Geld das Produkt weiterentwickeln.

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Was für neue Produkte sind bei euch in Planung?

Unser eigentliches Produkt analysiert Prozesse. Zum Beispiel bei einer Produktion von 20 Millionen Stück pro Jahr sieht das Unternehmen jede Station der Lieferkette und jeden einzelnen Bearbeitungsschritt. Und versteht, wo die Probleme und Potentiale liegen. Es kann beispielsweise sein, dass ein Teil für die Fertigung erst nach China verschifft wird, obwohl es für den nächsten Schritt in der Fertigungskette auch direkt nach Japan könnte. Oder das die fehlende Abstimmung mit einem Lieferanten immer wieder zu Verzögerungen führt. Diese Prozesse lassen sich in Echtzeit analysieren.

Wir ermöglichen Kunden auch, sich zu benchmarken. Wenn ich als Unternehmen für meine ausgehenden Lieferungen beispielsweise eine Durchlaufzeit von zehn Tagen habe, kann ich die Daten anonymisiert mit den Wettbewerbern vergleichen. Das klärt die Frage, ob zehn Tage jetzt ein guter oder schlechter Wert ist. Alle Unternehmen stehen unter Druck und es wird immer klarer, dass sie die Lohnkosten nicht weiter senken können, selbst in Asien nicht. Dafür muss die Produktivität steigen. Und das zu analysieren, da sind wir gut drin.

Ihr arbeitet schon länger mit SAP zusammen, abgesehen von der Vertriebspartnerschaft habt ihr an einem Startup-Förderprogramm teilgenommen. Warum ist SAP nicht eingestiegen?

Die SAP ist ja schließlich kein Venture Capital Investor.

Gründer Alexander Rinke wurde unter die 30 unter 30 gewählt:

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Forbes hat wieder eine Liste veröffentlicht. Diesmal sind es „30 under 30“ aus Europa – in mehreren Kategorien. Wir stellen die Gewinner vor.

Foto: Gründerszene/Georg Räth