Offlinegang schon nach vier Monaten

Mathieu Sneep wollte mit Cipasso eine Online-Plattform für personalisierte Kunst etablieren: Kunden sollten auf der Plattform Kunstwerke nach ihren Wünschen und Budgetvorstellungen in Auftrag geben – ähnlich einem 99Designs für Gemälde. Seit Herbst 2013 arbeitete Sneep mit einem Viererteam an Cipasso, im April 2014 ging die Plattform live. Doch bereits im Juli wurde das Projekt eingestellt.

Im Interview mit Gründerszene erklärt der Gründer, warum er sich schon nach wenigen Monaten zu dieser Entscheidung durchgerungen hat – und wie es sich für ihn anfühlt, nun wieder als Angestellter für ein Unternehmen zu arbeiten.

Was hat zu der Entscheidung geführt, Cipasso zu schließen?

Finanziell sah es eigentlich gut aus: Wir hatten ein paar Business Angels, die stark daran interessiert waren, in Cipasso zu investieren. Das war zwar noch nicht endgültig fix, aber die Summe hätte wohl bei etwa 100.000 Euro gelegen.
Bevor wir mit Cipasso live gegangen sind, hatten wir Zahlen kalkuliert, die wir in den ersten Monaten schaffen wollten. Diese Ziele haben wir einfach nicht erreicht – und zwar nicht mal annährend. Unsere Ergebnisse waren an mehreren Fronten signifikant schlechter, als wir erwartet hatten.

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Also bin ich in mich gegangen und habe versucht, ehrlich zu mir selbst zu sein. Ich habe mir gesagt: Ich könnte dieses Geld von den Investoren zwar nehmen, aber würde das wirklich helfen, das Business zu skalieren? Arbeiten wir denn tatsächlich an der richtigen Problemstellung? Vom Gefühl her wollte ich wirklich gerne damit weitermachen, aber von der Vernunft her, wusste ich: Unser Geschäftsmodell war einfach nicht stark genug.

Was waren die Schwachstellen?

Ich denke, eines der Probleme liegt im Online-Shoppingverhalten der Leute: Man ist daran gewöhnt, alles innerhalb weniger Tage zu erhalten. Das ist bei einem Konzept wie dem von Cipasso einfach nicht möglich. Das größte Problem war aber das Konzept selbst: Kunst, die erst noch gemacht werden muss, über das Internet zu verkaufen. Kunst ist ein wirklich emotionales und abstraktes Thema. Es ist sehr schwer, zu vermitteln, was man sich da tatsächlich vorstellt.
Und ein weiterer Fehler, den ich selbst gemacht habe, war alleine zu gründen. Das würde ich so wahrscheinlich nie wieder machen.

Wie hat das Team hinter Cipasso die Entscheidung aufgenommen, das Projekt einzustellen?

Ich habe immer versucht, realistisch zu sein – und diese Einstellung auch an das Team weiterzugeben. Das Projekt hatte viel Potenzial, war aber eben auch mit hohen Risiken verbunden. Die Leute im Team wussten, worauf sie sich einließen. Natürlich waren sie enttäuscht, aber sie haben die Entscheidung verstanden.

Wie geht es jetzt bei Dir weiter?

Ich habe ein paar Jobangebote von Tech-Unternehmen bekommen – und habe mich für das kleinste, aber wahrscheinlich am schnellsten wachsende Unternehmen aus dieser Liste entschieden: ein Online-Retargeting-Unternehmen in Dublin.

Wie fühlt es sich an, nun wieder als Angestellter für ein Unternehmen zu arbeiten?

Ehrlich gesagt, fühlt es sich bisher sogar sehr gut an. Aber natürlich schlägt nichts die Erfahrung, sein eigener Boss zu sein und sein eigenes Business zu machen. Zum Glück habe ich gerade einen Job mit vielen unternehmerischen Attributen.

Kannst Du Dir vorstellen, wieder als Gründer ein eigenes Unternehmen zu starten?

Absolut. Das ist mein ganz klar erklärtes Ziel.

Mathieu, danke für das Gespräch.

Diese Startups sind im ersten Halbjahr 2014 gescheitert:

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