OpenBerlin-Chef Bernd Heinrichs ist sichtbar stolz auf die neuen Arbeitsplätze in Schöneberg.

Günther Jauch bekommt einen neuen Nachbarn. Gleich in der Nachbarschaft des Gasometers in Berlin-Schöneberg, aus dem Jauchs Talk gesendet wird, hat Cisco sein neustes Innovationscenter auf dem Euref-Campus eröffnet. Hier arbeiten seit acht Jahren immer mehr Firmen, die mit Infrastruktur oder Mobilität zu tun haben. Auch die TU Berlin und die Deutsche Bahn sind vertreten. Der Kommunikationsriese aus den USA macht sich weltweit auf die Suche nach neuen Businessmodellen und Ideen, die das Internet der Dinge von einer vagen Idee zur Realität werden lassen. Das OpenBerlin ist bereits das neunte Innovationscenter weltweit. Und das modernste, sagen die Macher. 30 Millionen Dollar investiert das Unternehmen in das Berliner Center.

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Draußen regnet es Bindfäden an diesem grauen, kalten Herbsttag in Berlin. Drinnen bei Cisco soll ab jetzt die Software der Zukunft programmiert und die digitalen Innovationen in Deutschland beschleunigt werden. Es ginge alles noch viel zu langsam, sagen der Geschäftsführer des Centers, Bernd Heinrichs, und Cisco-Deutschlandchef Oliver Tuszik. Hier gibt es Arbeitsflächen für Startups, Kunden und Mitarbeiter von Cisco. Einen Co-Workingspace, eine Kaffeebar, einen Biergarten, überall kleinere Besprechungsräume mit modernster Konferenztechnik und eine Ruhezone oder Kreativfläche, ganz wie man mag, unter dem Dach. Die Möbel sind Second-Hand oder von Berliner Handwerksbetrieben hergestellt.

Theoretisch kann bei OpenBerlin jedes Startup mitarbeiten. Die Leitung des Centers steht für Gespräche über eine Zusammenarbeit zur Verfügung. Daher auch der Name OpenBerlin. Heinrichs: „Es gibt keine festen Kriterien für die Auswahl von Startups, die hier arbeiten dürfen. Durch unseren Industrie-Schwerpunkt ergibt sich die Auswahl von alleine.“ Man sei allerdings auch bereit, eine Zusammenarbeit schnell zu beenden, wenn man nach ein oder zwei Wochen feststellt, dass es nicht richtig passt. 25 bis 30 Startups sollen hier arbeiten – davon 80 Prozent internationale Firmen. Cisco verlangt für die Unterstützung keine Unternehmensanteile. Dafür teilen die Startups und Cisco die Umsätze auf.

Auch der Chef macht mehrmals die Woche Kaffee für die Mitarbeiter. Dafür gab’s extra einen Kurs.


Der Co-Workingspace soll schon bald voll besetzt sein.


Unter dem Dach kann man chillen oder kreativ sein. Aber bitte vorher die Schuhe ausziehen.

Die Macher der Einrichtung haben sich alle Mühe gegeben, dass auch die Räumlichkeiten der innovativen Ausrichtung gerecht werden. Die Gebäude sind durchdesignt, energieeffizient, die Türen öffnen sich per Gesichtsscanner, alles wirkt modern, offen und freundlich. Telefone sucht man vergeblich. Mit im Cisco-Boot sind auch Universitäten wie die TU Berlin oder Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer Institut. Dafür soll ein Innovationsfonds mit weiteren 150 Millionen Dollar zur Verfügung stehen. Cisco bietet außerdem sein internationales Netzwerk und vielfältige Erfahrungen, mit denen sich Fehler vermeiden oder Lösungen kopieren lassen.

Oliver Tuszik, Cisco-Deutschlandchef, erklärt die Ausrichtung von OpenBerlin: „Deutschland ist ein kleiner Consumer-Markt, aber ein großer Industriemarkt. Es gibt bei uns die meisten Weltmarktführer. Wir wollen Startups mit der Industrie zusammenbringen.“ Ein Beispiel ist die Windindustrie. Windräder werden mit Sensoren ausgestattet und richten sich per Softwaresteuerung optimal aus. So wird die Effizienz enorm gesteigert. Dieses Modell ist Vorbild für weitere Entwicklungen für das Internet der Dinge.

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Durch Sensoren und Chips wird unsere Umgebung in Zukunft endlose Datenmengen produzieren. Auch Maschinen, Industrieplattformen oder Autos. Die Dinge fangen an zu kommunizieren. Jetzt gehe es darum, diese Daten zu übertragen, lesbar zu machen, zu interpretieren und mit ihrer Hilfe, die Hardware zu optimieren. Das soll hier bei OpenBerlin alles ganz schnell gehen. Tuszik: „Startups sind aus finanziellen Gründen gezwungen, ganz schnell ein Produkt auf den Markt zu bringen. Davon können große Firmen lernen.“

Außerdem sieht Cisco am Standort Deutschland einen anderen großen Vorteil. Die Deutschen hätten sich sehr früh mit Datensicherheit beschäftigt. Sicherheit aus Deutschland könnte zu einem neuen Markenzeichen werden, wenn das Internet der Dinge gebaut wird, hoffen die Macher. Daten werden lokal bearbeitet und nicht in die Cloud geladen. Tuszik: „Das kann ein klarer Vorteil für Made in Germany sein.“ Günther Jauch verabschiedet sich im November von seinen Fernsehzuschauern. Cisco will noch ein bisschen in Berlin bleiben.

Fotos: Frank Schmiechen