In Berlin tüfteln Andreas Sohns (links) und Julien Arnold an Clinc

Julien Arnold vergleicht seine App mit einer kleinen Schale. In die wirft er jeden Abend das Kleingeld aus seiner Hosentasche. Dass ihm das Geld künftig fehlt, wird er am nächsten Tag gar nicht merken. Und am Ende des Monates hat sich trotzdem Einiges angesammelt.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert Clinc. Die Spar-App ist auf Millennials zugeschnitten. „Wir wollen dem Nutzer nicht mit einem Zeigefinger vermitteln: Du musst jetzt sparen“, sagt Clinc-Gründer Arnold im Gespräch mit Gründerszene. Und das unterscheidet die App von anderen Angeboten: Das Startup Savedroid zum Beispiel arbeitet mit Wenn-Dann-Regeln. Käufer, die nicht zu viel im Netz ausgeben wollen, stellen beispielsweise ein, dass bei jedem Einkauf ein bestimmter Betrag automatisch zurückgelegt wird.

Sparen à la Fitness-App

Die Clinc-Macher setzen auf einen anderen Anreiz: „Aus unserer Sicht ist es wichtig, ein Sparziel vor Augen zu haben – beispielsweise ein Smartphone, eine Reise oder ein Auto“, erklärt Arnold. Noch ein Vergleich: Das sei wie bei einem Nutzer, der auf seiner Fitness-App einstelle, wie viele Kilos er abnehmen will. Das sind Ziele, die Nutzer anspornen. In der App könnte er beispielsweise angeben, dass er sich jeden Herbst das neue iPhone zulegen will. Zu diesem Zeitpunkt müssen dann etwa 700 Euro zusammengekommen sein.

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Per Algorithmus errechnet Clinc, wie viel Geld entbehrlich ist, und schiebt es auf ein gesondertes Sparkonto. Dieses Konto bietet Clinc in Zusammenarbeit mit einer Bank an. Dort liegen dann beispielsweise die 700 Euro für das iPhone.

Die App beruft sich dabei auf die Kontohistorie des Nutzers und Vergleichsdaten aus dem Sparverhalten anderer App-Nutzer – dafür verbindet der Nutzer die App mit seinem Hauptkonto. „Das Geld wird nicht immer am gleichen Zeitpunkt abgehoben, sondern auch, wenn die Oma beispielsweise das Geburtstagsgeld überweist“, erklärt Arnold.

Die Millennials haben keine Spar-Strategie

Derlei Datenanalyse kennt der Gründer noch aus seinem alten Job. Vor Clinc leitete Arnold das Schweizer Fintech Numbrs, mit dem sich die Ausgaben und Einnahmen auf verschiedenen Konten genau analysieren lassen.

Mit der neuen App geht er nun aber einen Schritt weiter: Statt die Zahlen nur zu analysieren, gibt es Handlungsempfehlungen für den Nutzer. Ist das Geld erstmal auf dem Sparkonto von Clinc, will das Startup weitere Services anbieten. In Kooperation mit anderen Fintechs ließe sich das Geld dann beispielsweise anlegen. Durch die Gebühren sollen dann auch Einnahmen für Clinc entstehen.

Die Spareinlagen auf dem Konto könnten jederzeit wieder zurücküberwiesen werden, erklärt Arnold. Falls es mal eine Notsituation gibt. Bislang würde seine Zielgruppe – im Alter zwischen 18 bis 32 Jahre alt – noch fast gar nichts sparen.

Gerade befindet sich Clinc in der geschlossenen Beta, ab Mitte des Jahres könnte es in Deutschland losgehen. Der ehemalige Numbrs-Macher Arnold hat das Startup zusammen mit Andreas Sohns gegründet – eine Handvoll Mitarbeiter tüfteln an der App. Und: Sohns und Arnold sind gerade auf der Suche nach Investoren.

Bild: Caspar Tobias Schlenk/Gründerszene