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Cloudy Bay ist nicht nur der Name eines der besten Sauvignon Blanc Weine der Welt – es steht auch für ein Infrastrukturkonzept und ist vielfach die neue Devise technologieorientierter StartUps. Valuescope zählt zu den Pionieren im Bereich Sales 2.0 und setzt Natural-Language-Processing und Semantik-Web-Technologie für marktorientierte Anwendungen im Vertriebsumfeld ein. Branchenspezifische Plattformen wie Finsights und unser im Alphastadium befindliches Salestriggr unterstützen den B2B-Vertrieb aktiv dabei, Neukunden ereignisbasiert zu akquirieren und Schlüsselkunden bedarfsgerechter zu betreuen – vom StartUp bis zum Großkonzern.


Besondere Herausforderungen erfordern besondere Lösungen

Anforderungen an die IT-Infrastruktur sind für valuescope insbesondere deshalb komplex, da unsere proprietäre Suchmaschine täglich Abertausende von Dokumenten aus dem Internet zieht und diese in Echtzeit prozessiert – eine Unmenge an Daten, durch die große SQL Datenbanken entstehen. Der Aufbau eines speziellen Indexes (Lucene) erfordert viel Rechenleistung innerhalb eines kurzen Zeitraums. Die Abfragen des Indexes erfordern hingegen durchschnittliche, jedoch gleichmäßige Rechenleistung und Speicherkapazität. Um diese Peaks mit herkömmlichen IT-Infrastrukturen abzudecken, wäre eine hohe Investition in Server-Hardware notwendig, die jedoch nur für kurze Zeit benötigt wird.

Als StartUp standen wir vor allem vor zwei Herausforderungen: Zum einen knappe finanzielle Ressourcen, zum anderen gilt es, insbesondere zu Beginn, auszuprobieren und sich schnell und flexibel an Kundenbedürfnisse anzupassen. Dabei muss die Infrastruktur dynamisch folgen können – schwierig, wenn man auf eine eigene, individuelle Infrastruktur setzt.

Der Kauf eigener Server ist aufgrund gebundener Investitionen oftmals keine Alternative und die Suche nach einem Rechenzentrum, das auch bereit ist, „klein anzufangen“ und bei Bedarf dennoch sehr schnell rauf- und runterskalieren kann, ist nicht einfach. Daher mussten wir uns nach einer Alternative umsehen. Mithilfe des professionellen IT-Service-Dienstleisters, Beck et al. Services, haben wir uns intensiver mit dem Konzept des Cloud Computing beschäftigt, insbesondere mit Elastic Cloud von Amazon.

Wie funktioniert es und welchen Nutzenzuwachs bergen bestimmte Anwendungsfälle?

EC2 stellt IT-Infrastruktur als Services (IaaS) zur Verfügung (vergleiche den ersten Artikel zum Thema Cloud Computing) und bedeutet für den Administrator oder Entwickler eine große virtualisierte Serverlandschaft. Jeder Dienst, der auf EC2 laufen soll, wird innerhalb einer virtuellen Maschine mit Betriebssystem (Linux oder Windows) konfiguriert.

Die Steuerung der virtuellen Maschinen und des dazugehörenden Festplattenspeichers erfolgt über eine standardisierte API, für die es bereits mehrere frei verfügbare GUIs gibt. Dem Administrator stehen unterschiedliche Maschinengrößen zur Verfügung, aus denen er wählen kann. Je leistungsfähiger die virtuelle Maschine, desto teurer der Preis. Abgerechnet und bezahlt wird nach genutzten Mengen bzw. Zeit – und dies in sehr granularen Einheiten.

Für uns lässt sich so zum Beispiel das Szenario des rechenintensiven Aufbaus eines neuen Indexes, auf einer sehr leistungsstarken, virtuellen Maschine abbilden. Diese wird jedoch nur für wenige Stunden in Anspruch genommen – Kauf oder längerfristige Miete rentieren sich hierfür nicht. Unterm Strich entstehen so geringere Kosten bei gleichzeitigem Zeitersparnis, gegenüber der Nutzung eines mittelmäßig ausgelegten Servers.

Ein weiteres Beispiel für die optimale Nutzung von EC2 sind Produktlaunches, begleitet von umfangreichen Marketing-Kampagnen. Verfügt die eigene Website im Durchschnitt nur über ein moderates, gleichmäßig verteiltes Besucheraufkommen, kann dies im Zuge von Launches und/oder Marketingkampagnen kurzfristig dramatisch ansteigen. Die schlimmste Folge sind dauerhaft verprellte Interessenten/Nutzer aufgrund zu langer Ladezeiten oder Totalausfällen der Server. Besucherzahlen-Peaks dauern jedoch in der Regel (leider) nur wenige Tage an. Mit EC2 konnte valuescope diese Anforderung kostengünstig abdecken, indem weitere virtuelle Maschinen mit Apache Webserver und Tomcat Applikationsserver für die Tage des und unmittelbar nach dem Launch gestartet wurden. Der Nutzen ist klar: Eine flexibel kündbare und kostengünstige Basis-IT-Infrastruktur, die sich beinahe jeder Anforderung innerhalb kürzester Zeit und mit minimalen Kosten anpasst.

Wer über den Wolken fliegt riskiert Abstürze: Vertraulichkeit, Sicherheit, Stabilität

Ein unabdingbares Thema bei Cloud Computing, insbesondere bei der Bereitstellung von Leistungen für Unternehmen, ist Sicherheit. Bei EC2 handelt es sich um virtuelle Maschinen, die von einem valuescope-Administrator vollumfänglich konfiguriert werden. Diese virtuellen Maschinen sind vergleichbar mit „Bare Metal Hardware“, welche in externen Rechenzentren gehostet wird. Auch hier wird man als Verantwortlicher im Regelfall darauf achten, dass das Betriebssystem sicher aufgesetzt ist und nur vertrauenswürdige Software verwendet wird.

Ein besonderes Augenmerk sollte man auf eine restriktiv konfigurierte Firewall an der Netzwerkschnittstelle der virtuellen Maschine legen (zum Beispiel IP-Tables unter Linux). Ebenso wird ein erfahrener Administrator bei extern gehosteten Systemen eine Verschlüsselungslösung auf Dateisystemebene (etwa dm-crypt/LUKS, ZFS, EFS/NTFS) einschalten und somit sicherstellen, dass gespeicherte Daten nicht im Klartext auf Speichermedien liegen. Und – last but not least – wird ein Administrator großen Wert auf eine verschlüsselte und gesicherte Administrations-Schnittstelle legen (beispielsweise SSH mit zertifikatsbasierter Authentisierung).

Fazit

Cloud Computing ermöglicht eine leicht kalkulierbare Dynamisierung der Kosten, was für StartUps insbesondere zu Beginn sehr interessant sein kann. Nötige Erfahrung und Sorgfalt vorausgesetzt, kauft man sich eine Leistung ein, die man sonst kaum in vergleichbarer Zuverlässigkeit und Flexibilität erhält. Für viele, jedoch nicht alle StartUps eine ideale Lösung.

Über den Autor:

markus-stiefelMarkus Stiefel ist Leiter Marketing & Sales bei valuescope, einem personalisierten Informationsservice, der seinen Kunden dabei hilft, an der Spitze aktueller Entwicklungen mit zu partizipieren sowohl im Bereich Financial Services als auch im Technologiesegment.

Markus studierte Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München und Business Administration an der Hawai’i Pacific University (HPU).

Dieser Artikel entstand in intensiver Zusammenarbeit mit unseren IT’lern und den Verantwortlichen beim IT-Service-Dienstleister Beck et al. Services, die uns bei der Realisierung unseres Cloud-Vorhabens tatkräftig unterstützen.