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Das Codeship-Team mit CEO Moritz Plassnig (3. von links)

2,6 Millionen US-Dollar für Codeship

Moritz Plassnig ist CEO eines erfolgreichen Software-Startups, er führt ein Team von sechs Leuten, das bald mehr als verdoppelt werden soll. Trotzdem ist er gerade allein, in einem Büro über 6.000 Kilometer von seinen Kollegen entfernt.

Plassnig hält die Stellung in Boston an der US-amerikanischen Ostküste. Denn für Codeship, ein cloudbasierter Anbieter von Testumgebungen für Software-Applikationen, sind die USA der mit Abstand wichtigste Markt, ein Großteil der Kunden und Vertriebspartner sitzen hier. „Im Softwarebereich sind die USA immer noch das Land, das den Ton angibt“, sagt Plassnig.

Der Rest des Codeship-Teams arbeitet dagegen in Wien – wo das Startup vor fast drei Jahren entstand. Moritz Plassnig war damals vor allem damit beschäftigt, die Firma hinter dem Wiener Pioneers-Festival aufzubauen. Darüber lernt er den Entwickler Florian Motlik kennen. Motliks Aufgabe: Testumgebungen für Software aufsetzen. Standardmäßig wird das mit einem System namens Jenkins gemacht – ein Program, das „aus einer anderen Zeit“ kommt, wie Plassnig findet, „das Testen und Deployen läuft immer noch auf lokalen Servern“.

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Die beiden wollen den Vorgang in die Cloud holen. Ab Sommer 2012 arbeiten sie in Vollzeit an ihrem Projekt, zunächst konzentrieren sie sich auf das Ruby-Framework Ruby on Rails, ihr Name: Railsonfire. Dann entscheidet das Team, nach Berlin zu gehen – „um uns rauszureißen aus der gewohnten Umgebung“, erklärt Plassnig. Schließlich entwickelt sich die deutsche Hauptstadt gerade zum Startup-Hub, Gründer und Investoren zieht es in die Stadt. Das heißt aber auch: „Man geht auch leicht unter. Es ist schwierig, Aufmerksamkeit zu bekommen.“

Von Railsonfire zu Codeship

Anfang 2013 ist Railsonfire so weit, dass das System weitere Programmiersprachen unterstützt. Die logische Folge ist eine Umbenennung. Unter dem Namen Codeship gibt es ein erstes Investment von Seedcamp. Und bald wird die Entscheidung getroffen, weiterzuziehen: Weil in der Heimatstadt Wien das Netzwerk besser ist, wird dort ein Entwicklerteam aufgebaut. Plassnig dagegen geht nach Boston, zunächst als Ein-Mann-Hauptquartier. Bald will er eine Marketingmannschaft um sich haben, auf 13 Leute soll das Team wachsen.

Das Geld dafür hat Codeship gerade frisch eingesammelt: In der Serie-A-Finanzierungsrunde kamen 2,6 Millionen US-Dollar zusammen, investiert vom Ostküsten-VC Sigma Prime Ventures, Boston Seed Capital, Devonshire Investors sowie Business Angels aus San Francisco, Boston und Österreich.

„Wir haben Kunden, es funktioniert, wir wachsen ganz passabel“, sagt Plassnig. „Aber wir wollen das schneller machen – auch, weil viele Konkurrenten in den Markt stoßen.“

Die Doppelstruktur mit Boston und Wien will Codeship erst einmal beibehalten. Denn eines hat Plassnig aus den ganzen Umzügen auch gelernt: „Es geht darum, ein Produkt zu bauen, Kunden auf der ganzen Welt zu gewinnen – da ist es hochgradig irrelevant, was vor deiner Haustür passiert.“

Bild: Codeship