Groupon Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell von Groupon, Living Social und Co wurde seit jeher kritisch diskutiert – mit Amazon hat nun ein großer Akteur sein Investment in den Bereich Couponing sogar fast komplett abgeschrieben. Ist Couponing endgültig tot oder ist eine Stabilisierung des Marktes weiter möglich?

Tot geredet wird Groupon schon lange

Die Totengesänge zum Geschäftsmodell von Rabattportalen wie Groupon CityDeal (www.groupon.de) sind in der deutschen Internetszene wohl schon so alt wie Vorbild Groupon selbst. Grund dafür mag zum einen die aggressive Sales-Strategie des Chicagoer Platzhirschen sein: In einem umfangreichen Artikel rund um die Probleme bei Groupon habe ich ja bereits ausführlich die Sales-Perspektive des Deal-Riesen beleuchtet und einige ehemalige Mitarbeiter zum Vorgehen von Groupon befragt.

“Wir sind verschrieen“, gestand mir damals ein Sales-Kontakt. Jedes zweite Telefonat habe den Wunsch nach Datenbankstreichung ergeben. Daneben ist das Couponing-Modell auch ungemein leicht replizierbar und hat daher zahlreiche Kopien hervorgebracht, die den Markt ebenfalls bearbeiten.

Ich beobachte bei Groupon eine gewisse Konsolidierung und glaube daran, dass Groupon zu einer gewissen Konstanz finden wird. Gleichzeitig lässt mich insbesondere die Performance von Living Social vermuten, dass das Couponing-Modell an einem Scheideweg steht, bei dem der Zenit bereits überschritten wurde. Ist das Couponing-Modell tot oder bieten sich Entwicklungspotenziale zu einer Stabilisierung des Marktes?

Amazon begräbt Living Social

Dieser Tage gab nun Amazon praktisch schriftlich den Beleg, dass das Groupon-Modell tot ist. Der Online-Versandhändler hatte in den größten Groupon-Konkurrenten Living Social (www.livingsocial.com) investiert, und als dieser Tage rote Zahlen in Amazons Bilanz die Runde machten, lag dies vor allem an besagtem Investment in den Local-Commerce-Bereich. Insgesamt 175 Millionen US-Dollar hatte Amazon im Dezember 2010 in in den Groupon-Konkurrenten investiert. Davon schreibt der E-Commerce-Riese aus Seattle nun satte 169 Millionen US-Dollar ab.

Wenn Amazon gut 96 Prozent seines Investments in Living Social abschreibt, kann es dafür sicherlich unterschiedliche Gründe geben, etwa, dass die eigene Bilanz womöglich ohnehin rote Zahlen hervorgebracht hätte und man in Seattle den Moment genutzt und übervorsichtig auch Living Social abgeschrieben hat, um nicht einen entsprechenden Verlust in spätere Quartale zu tragen. Man habe “nur die Wertstellung in [den] Bilanzen korrigiert”, hieß es dazu von Deutschland-Chef Ralf Kleber. Wesentlich wahrscheinlicher scheint mir aber, dass bei Amazon schlichtweg nicht mehr an Living Socials Erfolg geglaubt wird.

Amazon dürfte über eine Liquidation Preference verfügen und würde als erstes sein Investment wiedersehen. Angesichts der horrenden Abschreibung glauben die Amerikaner anscheinend also, dass sie von ihrem Kapital noch sechs Millionen wiedersehen würden. Auch wenn Amazons Deutschland-Geschäftsführer Ralf Kleber in der FAZ versichert, dass es sich nicht um eine Fehlinvestition gehandelt habe und Rabattportale wie LivingSocial noch immer ein umtriebiges Segment seien, wirkt dies eher wie Durchhalteparolen.

Mir scheint es, als habe das Couponing-Modell von Anbietern wie Groupon oder Living Social seinen Zenit überschritten – besonders die weitere Performance von Living Social dürfte in der nahen Zukunft deshalb eine wichtige Stellschraube für das Segment werden.

Was ist mit Deutschlands Klonfabriken?

Vor allem sind Groupon und Living Social ja auch nicht die einzigen Akteure, die sich dem Gutschein-Modell verschrieben haben. Mit Rebate Networks (www.rebatenetworks.com) und Group Buying Global gab es gleich zwei Klonstätten für das simple Geschäftsmodell mit Vorbild in Chicago. Hervorgegangen waren diese Konstrukte indirekt aus dem Gesellschafterkreis von DailyDeal (www.dailydeal.de): Während die Geldgeber Stefan Glänzer und Michael Brehm Rebate Networks an den Start brachten, setzten Klaus Hommels und Oliver Jung auf Group Buying Global – beides Klonfabriken, die das Groupon-Modell weltweit aufbauten, insbesondere in Regionen, in die Groupon oder Living Social noch nicht vorgedrungen waren.

Insofern starteten beide Anbieter mit einem Klon-Konzept par excellence, das darauf abzielte, Groupon und Living Social eine Make-or-Buy-Entscheidung aufzuzwingen und beide womöglich sogar in einen Bieterwettstreit zu verwickeln. Und wo stehen die beiden Klonstätten nun? Meines Wissens nach sollen Klaus Hommels und Oliver Jung alle ihre Groupon-Ansätze verkauft haben – und dies laut einem Beteiligten dank gutem Timing angeblich sogar zu guten Preisen. Auch Rebate Networks sorgte mit Verkäufen in fünf Ländern für Schlagzeilen, seitdem ist es still um das Berliner Unternehmen.

Auf Nachfrage hieß es von Rebate Networks, dass der zentralisierte Ansatz verändert und viele Mitarbeiter von Berlin aus in die einzelnen Länder-Vertretungen entsendet wurden, um nun einen stark lokalen Ansatz zu vertreten. Das Unternehmen habe über die Hälfte seiner Firmen verkauft und mittlerweile würden neun Mitarbeiter von Berlin aus die organisatorische Basis für 14 Länder bilden, wobei der Fokus auf Asien und Osteuropa liege. Rebate spricht davon, mit seinen Ablegern einen “Rekordsommer” gehabt zu haben und meint, man müsse “daher sehr vorsichtig sein, von einer ‘globalen’ Müdigkeit zu sprechen.”

Ein Insider verriet mir währenddessen, dass Rebate etwa in Ungarn einen Umsatz von fünf Millionen Euro machen soll – bei überschaubarer Marge kann man sich glaube ich selbst ausrechnen, wie attraktiv das Couponing-Modell in solchen Internet-Entwicklungsländern ist, wobei dies in Summe vielleicht anders aussehen mag. Meinen Informationen nach arbeiten Rebates Ableger in in diesen umsatzschwachen Märkten profitabel, wobei Rebate bestrebt sein soll, Osteuropa unter einer Holding zu poolen, die vermehrt auch auf Essens-Coupons abzielen soll, weil das dazugehörige Geschäftsmodell ähnlich in der Execution sein soll.

Wahrscheinlich ist es letztlich aber das chinesische Lashou, welches das Couponing-Thema für Rebate rausreißen muss. Und da Len Blavatnik meines Wissens nach früh viel Geld in den chinesischen Groupon-Klon getan hat, ist dort ein weiteres Wachstum wichtig, schließlich wird Blavatnik über eine entsprechende Liquidation Preference verfügen. Mit Wettbewerbern wie Meituan, Ftuan, Gaopeng und vielleicht noch 55tuan und Dianping ist der Markt in China aber auch sehr umkämpft.

Couponing als Durchlauferhitzer für Kapital

Unabhängig davon, wie gut oder schlecht sich Groupon, Living Social, Rebate Networks oder Group Buying Global auch entwickelt haben mögen, bleibt wohl zu konstatieren, dass das Couponing-Geschäftsmodell weltweit eher zu einem Durchlauferhitzer für Kapital wurde, an dem vor allem die Investoren verdient haben. Als am schnellsten wachsendes Unternehmen weltweit ging Groupon in die Geschichte ein, doch außer einigen umfangreichen Investoren-Exits steht bisher nur ein verpatzter Börsengang auf der Habenseite sowie ein schlechter Leumund für das Geschäftsmodell als Ganzes. Living Socials Bilanz sieht nicht viel besser aus.

So wie Shoppingclubs eine Hochphase mit weltweitem Rollout erlebt haben, galt dies auch für das Thema Couponing. Was zurück bleibt, ist eine mehr oder minder verbrannte Händlerlandschaft (die das Thema Internet fortan wohl zwei Mal unter die Lupe nehmen wird, ehe es aktiv wird) sowie zahlreiche Schlagzeilen, die von Rekordwachstum bis Management-Katastrophe reichen.

Auch der Verkauf von Qype an Yelp ließ nicht das Gefühl aufkommen, dass im Local Commerce gerade Euphorie herrscht – im Gegenteil. Das Modell scheint mir teuer und recht aufwändig. Couponing war ein gutes Model, um relativ schnell eine kritische Masse zu bilden, jetzt geht es darum, dies auch effizient und profitabel zu managen. Ich für meinen Teil warte deshalb noch auf den Durchbruch von Local Commerce und Couponing im Speziellen. Aber vielleicht ist das Geschäftsmodell in Wirklichkeit auch doch schon tot?

Über die Indivijoel-Kolumne:

“Indivijoel” ist die Kolumne von Gründerszenes Chefredakteur Joel Kaczmarek. Durch seinen Beruf und die damit verbundenen Inhalte sieht Joel quasi täglich Unternehmen von innen, tauscht sich mit den relevanten Akteuren der deutschen Webwirtschaft aus und kennt viele Facetten des Unternehmertums aus der Praxis. In seiner Kolumne möchte er daher sein Wissen und seine Ansichten teilen sowie relevante Themen der Gründerszene thematisieren. Ihr könnt Joel Kaczmarek auch bei Facebook folgen!

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Bildmaterial: D’oh Boy, Jörg Hempel
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