„Königin Cristina“ stieg mit 24 Jahren bei Kinnevik ein

Schon mit 14 Jahren soll sie ihren Vater Jan Stenbeck zu einem Geschäftsmeeting begleitet haben, nur zehn Jahre später übernimmt sie den Aufsichtsratsvorsitz der schwedischen Investmentgesellschaft Kinnevik. Heute ist die 36-jährige Cristina Stenbeck die wohl bekannteste Investorin Schwedens – und eine der wichtigen Geschäftspartner der Samwer-Brüder.

Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters, Gründer von Tele2 sowie Hauptaktionär von Kinnevik, steigt die damals 24-jährige 2002 bei der Beteiligungsgesellschaft ein. Kaum einer glaubt anfangs daran, dass die junge Tochter Kinnevik erfolgreich weiterführen wird. Doch Cristina Stenbeck will das Unternehmen umkrempeln: Gemeinsam mit der ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Mia Brunell Livfors baut sie das Online-Geschäft auf – Kinnevik investiert in mehrere Internet-Unternehmen, darunter auch Rocket Internet und dazugehörige Unternehmen, etwa Home24, Wimdu oder Glossybox. Vor allem aber in Zalando.

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Aktuell hält Kinnevik 37 Prozent der Anteile an Zalando und ist damit der wichtigste Einzelaktionär des Berliner Online-Modegiganten. Als Zalando im Dezember 2013 zur AG wird, übernimmt Mia Brunell Livfors den Posten der Aufsichtsratschefin. Wenig später, im Januar diesen Jahres, kündigt Livfors ihren Rücktritt an – sowohl als Vorstandsvorsitzende von Kinnevik als auch als Aufsichtsratschefin von Zalando. Stenbeck übernimmt das Amt nun.

Luxuriöse Kindheit auf Long Island

Der Schritt ist logisch: „Königin Cristina“, wie schwedische Zeitungen sie schon genannt haben, gilt als zielstrebig und durchsetzungsstark – Geldsorgen kennt sie nicht. Mit ihren drei jüngeren Geschwistern und ihrer amerikanischen Mutter wächst sie in einer Villa auf Long Island auf, erst mit 18 lernt sie Schwedisch. Ihr Wirtschaftsstudium absolviert sie an der renommierten Georgetown University in Washington D.C., anschließend wird sie Marketing-Assistentin beim amerikanischen Modekonzern Ralph Lauren in New York. 2002 dann stirbt ihr Vater an einem Herzinfakt – Cristina Stenbeck wird zunächst Aufsichtsratschefin und hält Kinnevik seitdem mit der Online-Strategie auf Kurs.

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Kritiker bewerten die Investments von Kinnevik im Online-Bereich jedoch als sehr risikoreich – niemand wisse, wie sich die Zahlen von Zalando, Home24 oder Glossybox in den kommenden Monaten und Jahren noch entwickeln werden.

Insgesamt sollen Kinneviks Anteile sechs Milliarden Euro wert sein, erst diese Woche erhöhte Kinnevik seine Anteil an der russischen Anzeigenplattform Avito. Die meisten Anteile hält Kinnevik an den Telekommunikationsgesellschaften Millicom – die einen dreistelligen Millionenbetrag in Rocket-Aktivitäten stopfte – und Tele2, danach kommen Anteile an Zalando und Rocket Internet – deren Gründer Marc, Oliver und Alexander Samwer sind über ihre Beteiligungsgesellschaft European Founders Fund die zweitgrößten Anteilseigner von Zalando. Nun, wo Stenbeck, die derzeit mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern in London lebt, Aufsichtsratschefin von Zalando wird, dürfte die Verbindung zu den Samwer-Brüdern wohl noch enger werden.

Bild: Kinnevik