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Die Crowd hat die Restaurierung dieser Berliner Immobilie mitfinanziert

Viele gute Nachrichten gab es für die Crowdfunding-Branche in den vergangenen Monaten nicht. Mehrere Hoffnungsträger, die Millionen-Summen von der Crowd eingesammelt hatten, mussten Insolvenz anmelden, darunter Protonet und Returbo. Nur ein Segment konnte mit guten Wachstumszahlen aufwarten: Immobilienprojekte. Mehr als die Hälfte der Gelder ist im vergangenen Jahr in Bauprojekte geflossen, Tendenz steigend.

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Doch nun könnte auch damit bald Schluss sein. Die Bundesregierung überlegt, die Regeln für Schwarmfinanzierungen von Immobilienprojekten zu verschärfen. „Erleichterte Finanzierungen von Immobilien können zu Überbewertungen führen, die auf Immobilienmärkten Auslöser systemischer Finanzkrisen sein können“, schreibt die Bundesregierung in der Antwort auf eine kleine Anfrage, die die Grünen-Fraktion gestellt hatte. Es gebe „ausreichend anderweitige Finanzierungsmöglichkeiten“ für Immobilien, heißt es weiter.

Ganz konkret überlegt die Bundesregierung, die Gesetze so zu ändern, dass die Crowdfinanzierer für ihre Projekte einen Prospekt erstellen müssen. Ein umfangreiches Dokument, das die Anleger informieren soll. Für die Plattformen allerdings ist die Erstellung mit erheblichem Mehraufwand und Kosten verbunden.

„Crowdinvesting ist nicht systemrelevant“

Die Branche reagiert mit Unverständnis. In den vergangenen zwölf Monaten sind mit iFunded, Zinsbaustein und Engel & Völkers Capital gerade erst mehrere Plattformen in dem Segment gestartet. „Crowdinvesting ist so klein bezogen auf den Gesamtmarkt und kann somit zurzeit nicht systemrelevant sein“, schreibt Julian Oertzen von Exporo auf Gründerszene-Nachfrage. Sein Startup gehört zu den Großen der Branche. Er argumentiert, durch das Crowdinvesting würden kleine und mittelständische Baufirmen unterstützt, ihre Bauprojekte zu finanzieren.

Zusätzlich könnten die Crowd-Projekte dabei helfen, mehr Wohnraum zu schaffen, „was politisch mehr als gewünscht ist in der aktuellen Wohnungsmarktsituation.“ Die Kleinanleger seien ausreichend geschützt, denn sie dürften ohnehin nur maximal 10.000 Euro investieren, argumentiert Kapilendo-Gründer Christopher Grätz, der kürzlich die Plattform Engel & Völkers Capital gestartet hat, gegenüber dem Handelsblatt.

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Ist der junge Markt also in Gefahr? Michael Stephan sieht für sein Startup nicht das Ende: „iFunded wird sich mit einer Prospektpflicht auf Projekte mit höheren Volumen konzentrieren“, sagt er im Gespräch mit Gründerszene. Momentan sind crowdfinanzierte Projekte bis zu einem Volumen von 2,5 Millionen Euro nicht prospektpflichtig. Bislang haben die meisten Immobilienprojekte ein Volumen zwischen 500.000 und 2,5 Millionen Euro.

Ein weiteres Problem an den Regierungsplänen hat Guido Sandler von Bergfürst ausgemacht: Immobilien-Projekte lassen sich gar nicht immer eindeutig von anderen Crowd-Finanzierungen für Startups abgrenzen. Denn für viele Immobilienprojekte würden jeweils eigene Unternehmen gegründet, sogenannte Objektgesellschaften. Auch das seien „de facto Startups“, sagt Sandler. Sein Unternehmen werde, sollte die Regelung kommen, Prospekte erstellen. Bei vergangenen Projekten habe man das bereits getan. Dass der Markt sich konsolidieren wird, wenn das Gesetz kommt, da sind sich Marktbeobachter sicher.

Bild: iFunded