crowdfunding deals überblick report

Das war 2013

Kaum eine Finanzierungsform erlebte in diesem Jahr so einen Hype wie das Crowdinvesting (unter dem Begriff Crowdfunding zusammengefasst). Die meisten der etablierten Player – seien es Seedmatch, Companisto oder das an die Cresces Gruppe verkaufte Innovestment – verkündeten in regelmäßigen Abständen neue Rekordzahlen. Die ursprüngliche maximale Finanzierungsgröße von zuerst 100.000 Euro haben alle dieser Anbieter längst überschritten.

So konnte etwa der Volocopter E-Volo 1,2 Millionen Euro einsammeln, das Umwelt-Startup AoTerra eine ganze Million, der Spielzeug-Abo-Anbieter TollaBox 600.000 Euro und die Frozen-Yogurt-Kette Wonderpots eine halbe Million Euro. Die Spätzündler-Plattform Bergfürst sorgte dann kurz vor dem Jahresende mit der Emission des Heimtextilien-Shops Urbanara für eine Crowdfunding-Sensation: in sieben Wochen wurden drei Millionen Euro von etwa 1.000 privaten Anlegern eingesammelt. Eine der wenigen Ausnahmen, welche nicht ausreichend finanziert wurden, bildet unter anderem das Startup EasyCarClean.

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Was oft beobachtet werden konnte: Viele Plattformen/Startups erhöhten das zuerst festgelegte Fundinglimit der einzelnen Projekte innerhalb kürzester Zeit. Auch gab es Startups, wie zum Beispiel Refined Investment, die sich gleich mehrfach von der Crowd finanzieren ließen.

Ein weiterer Trend war und ist die immer kürzer werdende Zeitspanne vom Startschuss zum Abschluss der Finanzierung. Ob das allerdings ausschließlich als positiv zu bewerten ist, sei einmal dahingestellt, da sich in solch kurzen Abständen kaum ein Finanzier ausreichende Gedanken um sein Investment gemacht haben kann.

Ebenso muss sich der langfristige Erfolg des Modells noch beweisen. Allein die Mindestbeteiligungsfristen von teilweise fünf Jahren zeigen, dass der Erfolg nicht nur in kurzfristigen Zahlen gemessen werden kann. Auch gab es einige Plattformen, wie zum Beispiel Founderr, die erst angekündigt wurden und dann nie das Licht der Welt erblickten. Der Markt scheint auf Anbieter-Seite bereits gesättigt zu sein. Stehen im nächsten Jahr Konsolidierungen an?

Das sagen die Crowdfunding-Plattformen

Innovestment

„In diesem Jahr ist Crowdfunding endgültig bei den etablierten Playern der Unternehmensfinanzierungsszene angekommen. Die Finanzierung über den Schwarm wird zunehmend als übliches Finanzierungsinstrument anerkannt. Die Aufnahme von Crowdfunding in den Koalitionsvertrag unterstreicht diese Entwicklung. Es ist eine Frage der Zeit bis es auch in Deutschland ein Crowdfunding-Gesetz geben wird. Für das kommende Jahr erwarten wir einige Innovationen im Crowdfunding-Markt.“

Seedmatch

„Wir bei Seedmatch glauben, dass Crowdfunding mittel- bis langfristig eine noch bedeutendere Rolle in der Welt der Unternehmensfinanzierung spielen wird. Das Feedback der Startups und der Investoren zeigt, dass erste Erfolge mit dieser Art der Finanzierung gefeiert werden können. Crowdfunding für Startups wird Schritt für Schritt weiter wachsen – und das in mehrfacher Hinsicht: seitens der zu finanzierenden Startups, der Investmentsummen, aber vor allem auch im Hinblick auf die interessierten Investoren.

Crowdfunding mit dem unmittelbaren Bezug zwischen den Projekten und ihren Unterstützern wird noch mehr Lebensbereiche und Themen erobern, um Ideen auf diesem demokratischen Prinzip umzusetzen.

Ein weiteres Ziel der Crowdfunding-Plattformen muss es sein, die Besonderheiten dieser Finanzierungsform noch bekannter zu machen und mehr Startups und Investoren zusammen zu bringen. Denn generell existieren sehr viele Vorurteile über Crowdfunding für Startups. Zum Beispiel, dass man für Crowdfunding eine BaFin-Lizenz braucht, man nur Beträge bis 100.000 Euro einsammeln kann oder eine Anschlussfinanzierung mit einer Venture-Capital-Gesellschaft oder Business Angels nach der Crowdfunding-Runde schwierig ist.

Der Trend des Crowdfunding für Startups setzt sich 2014 definitiv weiter fort. Seit 2012 betreten viele Plattformen den offensichtlich attraktiven Markt und werben um Investoren und Startups. Trotz der positiven Entwicklung der Branche ist mit einer Konsolidierung auf Anbieterseite zu rechnen.“

Companisto

„Crowdinvesting ist immer noch eine junge Anlageform und Art der Unternehmensfinanzierung. Im Rückblick auf das Jahr 2013 zeigt sich allerdings allein anhand der Umsätze, dass Crowdinvesting als Finanzierungsform sowohl von Startups als auch Investoren geschätzt und zunehmend genutzt wird.

Auch in der Öffentlichkeit findet Crowdinvesting und –funding zunehmend Beachtung. Diese Einschätzung spiegelt sich z.B. in der Zunahme von Berichterstattungen in der Presse wider. Beschränkte sich diese zunächst auf Fachmagazine und –portale, hat sich inzwischen jedes große Medium in Deutschland mit der Thematik auseinandergesetzt.

Dass das Prinzip der Crowdfinanzierung auch in der Gesellschaft beginnt anzukommen, zeigt sich in seiner Anwendung im öffentlichen Raum – so haben einige Kommunen bereits lokale Projekte durch die Bürger finanzieren lassen, wenn ihr Budget dazu nicht ausreichte.

Auch der steigende Anteil weiblicher Investoren im Jahr 2013 ist ein konstanter Trend gewesen, der die zunehmende Annahme des Crowdinvestings als partizipatorische Anlageform deutlich macht.

Die Kapitalbeschaffung über Banken ist unter anderem in Folge der Finanzkrise für Startups eher noch schwieriger geworden, als sie ohnehin schon war. Im Jahr 2014 werden sich die oben beschriebenen Trends unserer Einschätzung nach fortsetzen und verstärken. Nach wie vor besteht in den frühen Wachstumsphasen junger Unternehmen erheblicher Finanzierungsbedarf.

Es ermöglicht außerdem jedem, sich an Startups zu beteiligen und Unternehmertum so hautnah mitzuerleben. Nicht zuletzt ist es in Zeiten von Zinsen unterhalb der Inflationsrate eine interessante Anlagemöglichkeit, die – im Gegensatz zu vielen klassischen Finanzprodukten – auch für Laien leicht zu verstehen ist. Für 2014 erwarten wir, dass Crowdinvesting noch stärker als bisher als eine selbstverständliche Anlagemöglichkeit unter vielen wahrgenommen wird.“

Bild: alex_l (Alexey Lysenko)