Social-Business-Crowdfunding

Der Aufstieg von Crowdfunding und Crowdinvesting

Er ist wohl der in Deutschland bekannteste Chef: Bernd Stromberg. Nachdem fünf Staffeln des Exzentrikers im TV liefen. hat auch er es nun auf die Kinoleinwand geschafft. Auf den ersten Blick nichts Besonderes, häufig werden Serien als Vorlage für Spielfilme genutzt. Doch der erste Eindruck täuscht, denn der Film wurde von seiner eigenen Fangemeinde finanziert. Innerhalb von nur sieben Tagen kamen per Crowdfunding rund eine Million Euro zusammen. Somit ist Strombergs Kino-Debüt das größte deutsche Filmprojekt überhaupt, welches mit Crowdfunding finanziert wurde. Für die deutsche Filmbranche und Kultur kann diese Art der Finanzierung eine wichtige Chance sein.

Das Konzept von Crowdfunding, frei übersetzt Schwarmfinanzierung, ist bekannt: Personen, Firmen oder Institutionen stellen Ihre Projekte im Internet auf Crowdfunding-Plattformen vor und nennen einen Mindestbetrag an finanziellen Mitteln, die für deren Umsetzung benötigt werden. Hat das Projekt überzeugt, kann der Plattformnutzer zum Unterstützer oder Investor werden und einen beliebigen Betrag investieren.

Seit rund vier Jahren etabliert sich Crowdfunding immer mehr in Deutschland. Mittlerweile gilt diese Investitionsform als echte Alternative zu Banken oder Großinvestoren. Der Pionier auf dem Gebiet war Kickstarter aus den USA. Seit 2009 sind dort mittlerweile mehr als eine Milliarde US-Dollar in Projekte investiert worden. International wird zwischen Donated-based-Crowdfunding (Unterstützer spendet dem Projekt einen Geldbetrag), Reward-based-Crowdfunding (der Unterstützer erhält eine Gegenleistung in Form eines Produkts, eines Fanartikels oder ideeller Leistungen) und Equity-based-Crowdfunding (Investor erhält eine Rendite oder Zins vom Projektinhaber) unterschieden.

Das Equity-based-Crowdfunding wird in Deutschland oft als Crowdinvesting benannt. Allein im letzten Segment gibt es aktuell zirka 30 deutsche Plattformen.

Crowdfunding als große Chance für Social Businesses

Anzeige
Auch im Bereich Sozialunternehmertum ist Crowdfunding bereits angekommen. Gerade dort gilt es als eine große Chance, um eine wichtige Finanzierungslücke zu schließen. Noch vor einigen Jahren war es für Social Startups oder konventionelle soziale Projekte schwer, Geld für Ihre Projekte zu bekommen. Die Banken und Investoren haben aufgrund von zu geringen Gewinnerwartungen oder schlechten Exit-Möglichkeiten sofort abgewunken. Bisher wurde der soziale Impact nicht als Mehrwert gesehen, sondern nur die rein monetäre Entwicklung berücksichtigt.

Mit Crowdfunding-Plattformen und dem Internet kann nun aber eine viel breitere Masse an Menschen angesprochen werden. Projekte und Firmen haben endlich die Möglichkeit, ihre richtige Zielgruppe anzusprechen und für sich zu gewinnen. Mit kleinen Beträgen können sich Menschen nun sehr leicht einbringen und so unmittelbar zu Unterstützern werden. Dies stellt eine Entwicklung dar, die in vielen gesellschaftlichen Bereichen nun auch einen hohen Grad an Spezialisierung erfährt.

Ein Beispiel dafür, wie ein erfolgreiches Sozialunternehmen Crowdfunding einsetzt, ist das Frankfurter Startup Bettervest. Das Gründerteam hat sich zum Ziel gesetzt, „schon mal mit der Energiewende anzufangen“.
Auf der Crowdfunding-Plattform von Bettervest können Bürger in Energieeffizienz-Projekte von Unternehmen, Sozialträgern und Kommunen investieren. Die Rendite der Bürgerinvestoren wird aus den Einsparungen an Energiekosten erwirtschaftet. So erzielen die Anleger neben der finanziellen auch eine ökologische Rendite und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz. Für diese innovative Geschäftsidee wurde das Social Startup Bettervest bereits mehrfach prämiert.

Aktuell sind die fünf Social Entrepreneurs aus Frankfurt für Europas wichtigsten Umweltpreis, den GreenTecAward, nominiert. Im vergangenen Jahr wurden erste Projekte mittelständischer Unternehmen in verschiedenen deutschen Städten erfolgreich finanziert und so wichtige Energiesparmaßnahmen umgesetzt. Zuletzt wurden drei Filialen der Fitnesskette bodystreet in München energieeffizient umgerüstet. Die knapp 12.000 Euro hat Bettervest in nur 20 Stunden von 17 Anlegern eingesammelt. Diese erhalten sieben Prozent Rendite bei einer Laufzeit von vier Jahren. In den kommenden Wochen werden weitere Projekte folgen.

Anzeige
„Mit steigenden Energiepreisen wird energieeffizientes und nachhaltiges Wirtschaften zukünftig ein wesentliches Kriterium für die Wettbewerbsfähigkeit sein“, so Bettervest-Geschäftsführer Patrick Mijnals. „Dennoch gilt es, die anfänglichen Investitionshürden zu überwinden. An dieser Stelle setzen wir mit einer Finanzierungsalternative an.“ Damit wollen die Gründer einen Beitrag zur Energiewende leisten. „In der Diskussion um die Energiewende wird das Thema Energieeffizienz bislang noch vernachlässigt. Experten sind sich jedoch längst einig, dass Energiesparmaßnahmen der Schlüssel sind, um die Energiewende zu realisieren“, betont Mijnals.

„Je nach Branche ist eine Effizienzsteigerung von bis zu 80 Prozent möglich. Es ist enorm wichtig, diese Potenziale sinnvoll zu nutzen und damit die Voraussetzung für die Energiewende und den Klimaschutz zu schaffen“, bestätigt auch der Energieeffizienz-Experte und Co-Präsident des Club of Rome, Ernst Ulrich von Weizsäcker, der Bettervest als prominenter Schirmherr unterstützt. Von Weizsäcker wurde gerade in die Liste der 100 führenden Vordenker weltweit aufgenommen.

Crowdfunding Sozialunternehmertum

Das Team von Bettervest (v.l. Ingo Birkenfeld, Julien Schröder, Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Torsten Schreiber, Marilyn Heib, Evgenij Terehov, Patrick Mijnals)

Neben Bettervest setzen auch Crowdenergy und Green Crowding auf die Energiewende durch die Crowd. Das Social Startup Wegreen hat beispielsweise per Crowdfunding auf Innovestment 100.000 Euro Beteiligungskapital eingesammelt. Aus historischer Sichtweise ist Crowdfunding übrigens eine „Erfindung“ von 1885. Damals rief Joseph Pulitzer in seiner Zeitung die Bürger dazu auf, die Hälfte des Sockels für die weltweit bekannte New Yorker Freiheitsstatue selbst zu finanzieren. Diesem Aufruf kamen rund 120.000 Förderer nach und das Ergebnis kann bis heute bewundert werden.

Titelbild: taichesco / PantherMedia, Bild unten: Bettervest