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Analyse sieht Crowdinvesting-Wachstum gebremst

Während der Ärger über das Kleinanlegerschutzgesetz bei den meisten deutschen Crowd-Anbietern noch tief sitzt, kommt mit einer nun veröffentlichten Analyse über die Zukunft der Branche der nächste Schock: Das Wachstum von Crowdinvesting in Deutschland befinde sich im starken Rückgang, das Investitionsvolumen sei nicht ansatzweise so groß wie etwa in Großbritannien und immer mehr durch die Crowd finanzierte Unternehmen seien im Anschluss nicht erfolgreich – so zumindest die Meinung der Beratungsfirma Barkow Consulting.

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Bisher seien über deutsche Crowdinvesting-Plattformen laut Barkow bis Ende 2014 etwa 37 Millionen Euro eingesammelt worden. Allerdings scheine das Wachstum der jungen Branche zu stagnieren. Während das Neufinanzierungsvolumen von 2012 zu 2013 um etwa 250 Prozent anstieg, lag das Wachstum von 2013 auf 2014 nur noch bei zehn bis 25 Prozent – und damit für einen potenziellen Wachstumsmarkt deutlich zu gering, so Barkow.

Ein ebenso düsteres Bild zeichnet die Analyse beim Vergleich Deutschlands mit Großbritannien. Während beide Länder 2012 sehr ähnliche Finanzierungsvolumina generieren konnten, war das Volumen hierzlande ein Jahr später bereits nur noch halb und 2014 nur noch ein Fünftel so groß wie in Großbritannien. Für 2015 prognostiziert Barkow Consulting eine Verdopplung des Finanzierungsvolumens im Vereinigten Königreich – für Deutschland sei dieser Wert hingegen „völlig illusorisch“.

Die Ausfallquote crowdfinanzierter Startups liege derzeit für Frühphasenfinanzierungen noch in der normalen Größenordnung. Allerdings seien allein im vierten Quartal 2014 sieben Unternehmen mit einem Finanzierungsvolumen von über einer Million Euro in Schwierigkeiten geraten. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, würde die Ausfallquote den Normalbereich bald verlassen.

Seedmatch: „Kein Grund zur Sorge“

Diese Sichtweise will Deutschlands größte Crowdinvesting-Plattform Seedmatch so nicht stehen lassen. Gegenüber Gründerszene rückt das Dresdner Unternehmen die Zahlen in ein anderes Licht:

„Der Vergleich mit dem englischen Markt ist in sofern schwierig, als dass dort ganz andere Rahmenbedingungen herrschen: Dort haben wir eine komplett andere Wagniskapitalgeberkultur. Außerdem gibt es dort eine proaktive und fortschrittliche Crowdfunding-Regulierung. Eine Vergleichbarkeit hinsichtlich der Entwicklung des Marktes passt unserer Ansicht nach daher nicht.

Was die Entwicklung des deutschen Crowdinvesting-Marktes betrifft: Die Darstellung blendet ein wenig die Gegebenheiten des Marktes aus. Dass beispielsweise die Entwicklung 2012 so rasant war, liegt zum einen daran, dass wir erst 2011 gestartet sind. Zum anderen haben wir das partiarische Nachrangdarlehen eingeführt, das Fundings über 100.000 Euro möglich machte. Dass sich die Entwicklung des Marktes in dieser Zeit entsprechend nach oben bewegt, ist klar.

Dass er sich aber nun, im vierten Jahr, auf ein zweistelliges Wachstum einpendelt, ist auch natürlich. Im Jahr 2014 wurden insgesamt 11,27 Millionen Euro in Startups investiert, die sich bei Seedmatch präsentiert haben – im Vergleich zu 2013 ist dies eine Steigerung um 52 Prozent. Für uns durchaus eine beachtliche Entwicklung. Es ist vollkommen üblich, dass sich Märkte irgendwann vom vier- zum zweistelligen Wachstum hin entwickeln und für uns ist das gar kein Grund zur Sorge.“

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Scott Cresswell