Ein Beitrag von Christian Schinnerl, Online-Redakteur bei Omnea in Berlin.

Startups müssen die Daten über ihre Firma in Apps, auf Portalen und in Branchenbüchern einheitlich halten – sonst werden Nutzer verwirrt. Das ist allerdings gar nicht so einfach: Daten nur ein Mal korrekt einzutragen, reicht nicht. Sie könnten über die Zeit verfälscht werden. Das Datenchaos kann auch dazu führen, im Google-Ranking abzustürzen, denn die Suchmaschine erkennt an vielen, identischen Firmeneinträgen, dass es sich um ein echtes Profil im Netz handelt.

Warum werden Daten verfälscht?

Daten auf Online-Portalen werden über verschiedene Wege verfälscht. Sie können sogar über Dritte manipuliert, neu eingetragen oder gelöscht werden. Diese Einflüsse spielen eine Rolle:

  1. Aggregatoren: Dazu zählen Telefonanbieter, Dienstanbieter oder auch gedruckte Telefonbücher. Es handelt sich dabei um Orte, wo Firmen offline ihre vollständige Kontaktadresse angeben.
  2. Öffentliche Register und Datenbanken: Hier findet ein Informationstransfer ausgehend von amtlichen Bekanntmachungen oder öffentlichen Verzeichnissen (zum Beispiel Handelsregister) statt.
  3. Web Crawling: Online-Verzeichnisse, Bewertungsportale und Social-Media-Plattformen kooperieren miteinander und übermitteln sich gegenseitig Firmeninformationen.
  4. Inhaberangaben: Der Autor eines Firmeneintrags hält die alleinigen Änderungsrechte. Bei fehlerhaften Angaben können andere Personen im Unternehmen keine Änderungen vornehmen.
  5. Nutzerangaben: Portalnutzer können Firmendaten verändern oder manipulieren, sodass neue falsche Datensätze im Web zirkulieren. Dies kann unabsichtlich und absichtlich passieren. Oft funktioniert dies ohne Registrierung.

Das Telemediengesetz zwingt außerdem die deutschen Verzeichnismedien, ihren Datenbestand laufend von Telefonanbieter-Daten überschreiben zu lassen. Dabei werden oft veraltete Daten wieder eingespielt.

Unabsichtliche Manipulation

Es kann zwei verschiedene Arten von Manipulation geben: die unabsichtliche und die absichtliche.

Um unabsichtliche Manipulationen besser zu verstehen, sollte man sich die Struktur von Portalen und ihre Interaktionen genauer anschauen. Die Weitergabe der Firmeninformationen funktioniert wie in einem natürlichen Ökosystem. Die Deutsche Telekom beispielsweise gibt Daten an die Gelben Seiten, das Telefonbuch oder Das Örtliche weiter. Diese sind zentrale Schnittstellen für die Weitergabe der Daten. Die Gelben Seiten zum Beispiel sind der Hauptlieferant von Informationen an Google Plus Local. Entstehen bereits Fehler bei der ersten Eintragung, werden falsche Daten an weitere Portale geschickt.

Also werden die Daten auf vielen verschiedenen Portalen inkorrekt angezeigt, ohne dass diese jemals online bearbeitet wurden. Diese MOZ-Grafik aus dem Jahr 2013 zeigt, wie verflochten das Datennetz zwischen Online-Portalen ist:

Eine weitere unabsichtliche Manipulation kann zu Stande kommen, wenn ein Mitarbeiter die Firmendaten unter Zeitdruck in viele und unübersichtliche Portale eintragen muss. Unkonzentriertes Arbeiten erzeugt Fehler, die sich im Nachhinein stark bemerkbar machen. Auch wenn zu viele verschiedene Personen die Daten in die Portale eintragen, kann dies Auswirkungen auf die einheitliche Präsenz im Internet haben. Lediglich ein geschulter Mitarbeiter sollte dieser Aufgabe nachkommen. Diese Person sollte die alleinigen Autorenrechte erhalten, sodass niemand sonst Zugriff auf die Daten hat und eventuell etwas ändern könnte.

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Absichtliche Manipulation

Es kann vorkommen, dass Daten mit Absicht manipuliert werden. Zum Beispiel um Kunden der Konkurrenz in die Irre zu führen. In den USA stand so das Restaurant „The Serbian Crown“ im Staat Virginia kurz vor dem Aus – angeblich, weil ein Wettbewerber die Öffnungszeiten auf Google Maps änderte und das lange Zeit unbemerkt blieb. Dass es sich bei dem Manipulant um einen Konkurrenten handelt, behauptet der Restaurantbesitzer der Serbian Crown. Bewiesen ist es nicht, grundsätzlich sind aber solche Ereignisse nicht auszuschließen. Denn die Aktion war effektiv: Das Restaurant war laut Google Maps an den Wochenenden geschlossen. Die Kundschaft blieb aus und das Lokal hatte starke Umsatzeinbußen. Sogar mehrere Mitarbeiter mussten entlassen werden.

Es muss jedoch nicht immer böse Absicht dahinter stecken. Schon häufiger haben sich Nutzer mit Google Maps einen Scherz erlaubt. So wurde die Dresdner Waldschlößchenbrücke kurzerhand für einen Tag in Ozzy-Osbourne-Brücke umbenannt. Der Theodor-Heuss-Platz in Berlin hieß plötzlich Adolf-Hitler-Platz, so wie zwischen 1933 und 1945. Wer für die Änderung verantwortlich war, konnte bisher nicht geklärt werden. Die einfache und nicht nachvollziehbare Datenmanipulation auf dem größten Kartendienst der Welt ist schon länger ein Manko.

Wie können Unternehmen Datenmanipulation auf Online-Portalen verhindern?

  1. Ein Profil auf Google My Business erstellen (Basis)
    Startups sollten sicherstellen, dass sie ein Google-My-Business-Profil mit einheitlichen und vollständigen Daten erstellen. Das Google-My-Business-Profil gilt als Grundlage, um in den Suchergebnissen höher im Ranking aufzutauchen.
  2. NAP-Daten einheitlich und aktuell halten
    Als NAP-Daten werden Name, Adresse und Telefonnummer des Unternehmens bezeichnet. Diese Daten sollten auf allen Online-Portalen einheitlich und aktuell gehalten werden. Allerdings sollten Öffnungszeiten, Beschreibungstexte, Fotos und Logos das Profil komplettieren. Die Daten sollten ständig überprüft werden.
  3. Mitarbeiterverantwortung
    Das Einbetten der Firmendaten in verschiedene Online-Portale ist kein einfaches Thema, es muss mit oberster Sorgfalt gearbeitet werden. Unternehmen sollten gewährleisten, dass eine geschulte Person die Daten pflegt und aktuell hält – denn das Umgehen mit Daten setzt vertrauliches Arbeiten voraus. Zudem sollte nur eine Person die Zugangsdaten erhalten. Missverständnisse unter Kollegen können so vermieden werden.

Gepflegte Daten sind gut fürs Image

Datenmanipulation ist ein heikles Thema. Grundsätzlich kann sie kaum verhindert werden. Allerdings können Daten gesteuert werden – und diese Steuerung liegt größtenteils in der Hand des Unternehmens. Für Startups ist die Verwaltung der Daten meist ein hoher Zeit- und Kostenaufwand. Es können jedoch Dienstleister beauftragt werden, welche mit Expertenwissen und geschulten Personal die Daten korrigieren und dauerhaft schützen.

Sofern eine einheitliche Struktur der Unternehmensdaten in die Portale gebracht wurde, verbessert das Unternehmen damit seine Position in den Suchmaschinen und kann positive Local-SEO-Effekte erzielen. Unternehmen sind einheitlich im Internet präsentiert, hinterlassen ein professionelles Image ohne Irritation beim Kunden und haben so die Chance neue Kunden zu gewinnen.

Titelbild: (c) Bildagentur PantherMedia – 11876005 /