Couple in graffiti hallway standing close together

Analog kennenlernen war gestern…

Wer sein Liebesglück sucht, braucht die eigenen vier Wände nicht mehr zu verlassen. Webportale wie Parship und Apps wie Tinder sorgen dafür, dass man bequem vom Sofa aus die große Liebe – oder schnellen Sex – finden kann. Es gibt Portale für Bartliebhaber, Gluten-Allergiker, Rothaarige oder Bacon-Fans – für jeden ist etwas dabei.

Doch trotz des riesigen Angebotes und der Dominanz von Dating-Riesen wie Tinder gehen noch immer neue Startups in diesem Segment an den Start. So auch die App Mayze aus München, die Gründerin Marianne Kraai vor wenigen Wochen launchte.

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Mit Mayze setzt die 28-Jährige auf „Premium-Dating“, „ein Parship für die junge Generation“, nennt sie das. Während die App Tinder auf junge mobile-affine User ziele, die nichts zahlen und oft nur Sex wollten, konzentriere sich das webbasierte Parship auf ältere Nutzer, die zahlungskräftig und auf der Suche nach einer ernsthaften Bindung seien. Mayze will sich in der Mitte positionieren: Nutzern zahlen eine monatliche Gebühr von mindestens fünf Euro, halbnackte Badezimmer-Selfies sind verboten.

Die Gründerin hat für ihr Konzept bereits Geld einsammeln können, unter anderem von den Gründern der Modeplattform Stylight. Doch braucht es wirklich noch eine Dating-App?

Lovoo, Spotted und Co.

Ein Blick auf den Markt zeigt: Neben großen, internationalen Playern mit Millionen Nutzern wie Tinder gibt es auch einige kleinere Dating-Plattformen, die hierzulande gestartet sind. Die einst gefeierte Dating-App Lovoo aus Dresden etwa, die lange Zeit mit Millionen von Nutzern warb, 2016 dann jedoch wegen Fake-Profilen in Schwierigkeiten geriet. Auch andere Wettbewerber stehen im Verdacht Fake-Profile oder Bots zu nutzen. 

Oder Spotted, das in der Vergangenheit den Dating-Giganten Badoo aus London der Kopie beschuldigte. Mit der App des Mannheimer Unternehmens sollen sich Nutzer finden, die sich zuvor über den Weg gelaufen sind, aber zu schüchtern für ein Gespräch waren. 

Auch aus der Schweiz kommt Konkurrenz: Once ist seit 2015 am Markt und vermittelt pro Tag nur ein Match an seine Nutzer. „Slow-Dating“ nennt das Unternehmen das. Das Startup sammelte 8,5 Millionen Euro von Investoren ein, unter anderem von Partech Ventures. Zudem gibt es noch die älteren Anbieter, wie etwa Parship oder das von Rocket Internet gestartete eDarling, welche bereits seit den frühen 2000er auf dem Markt und für ihre Webportale bekannt sind, die sich an ein älteres Publikum richten.

Reicht das nicht?

Trotz der vielen Startups im Dating-Segment und einigen kleineren Finanzierungen sind sie bei Investoren nicht beliebt. So hat Lovoo etwa kein externes Geld aufgenommen, während sich Jaumo aus Göppingen überwiegend aus eigenen Einnahmen finanzierte. Das ist keine Seltenheit: Laut Techcrunch gab es 2016 nur 47 Millionen US-Dollar für Dating-Startups – 32 Millionen gingen an einen chinesischen Player.

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Woran liegt das? „Investoren haben oft Angst vor Dating-Apps“, glaubt Romain Lavault, Partner beim französischen VC Partech Ventures und federführend bei der Investition in Once. „Es gibt sehr wenige Venture-Capital-Investments in dem Bereich.“ Das liege zum einen daran, dass die Apps ihre Nutzer nicht halten. Das Ziel der Plattformen sei ein Match zwischen zwei Kunden – die das Portal dann nicht mehr nutzen würden. „Zum anderen, weil es sehr schwer ist, die Nutzer zum Zahlen zu bringen“, sagt Lavault. Viele seien sehr jung und wollten nur wenig bis gar kein Geld zahlen.

Zudem sei der Exit-Markt für Dating-Startups durchaus eingeschränkt. „Der Dating-Markt wird von großen Playern dominiert und auch die Exit-Kanäle sind bisher oftmals die gewesen, dass die Großen die Kleinen aufkaufen“, sagt er.

Auch Anke Hecht vom VC Target Global sieht den Markt kritisch. Sie betont zudem die geringe Innovation. „Der Dating-Markt hat sich seit Jahren nicht verändert“, sagt sie. „Die einzigen Unterschiede sind beim User Interface zu sehen, da wird mal geswiped oder aufgrund von Geolocation verkuppelt.“ Sie glaubt, die verbreitete Nutzung von Fake-Profilen oder Bots sei kein Grund für das Desinteresse der VCs.

Neue Ideen sind gefragt

Lavault glaubt dennoch an den Dating-Markt. „Es gibt Möglichkeiten, mit einer Dating-App erfolgreich zu sein“, betont er. Deshalb habe er in Once investiert, einer App die sich durch besseres Matching von älteren und zahlenden Nutzern bewähren könnte. Es sei wichtig, etwas anders zu machen als bestehende Player. Tinder – mit seinen 50 Millionen Nutzern – zu kopieren, sei zwecklos. 

Auch eine vor Kurzem erschienene Bitkom-Studie legt nahe, dass im Dating-Bereich durchaus noch Platz für neue Ideen sein könnte. Einen Partner im Netz zu suchen ist demnach völlig normal, jeder Zweite glaubt daran, online seine große Liebe finden zu können. Anke Hecht glaubt, dass sich viele damit identifizieren könnten – und vielleicht deshalb gründeten, weil ihnen vielleicht bisher der richtige Dating-Ansatz bei bestehenden Plattformen fehlte. Doch sie ist skeptisch, gründen würde sie in diesem Segment nicht: „Auch die Großen können und werden sich weiterentwickeln.“

Bild: Gettyimages/BROOK PIFER; Hinweis: der Artikel wurde um 15 Uhr aktualisiert.