David-Federhen-Uberall-Startup-Helden

David Federhen (32), Mitgründer und Geschäftsführer von Uberall

„Startup-Held“ David Federhen im Interview

Um gut im Netz gefunden zu werden, brauchen Firmen mehr als eine suchmaschinenoptimierte Website. Das Berliner Startup Uberall will darum via Software dafür sorgen, dass lokale Einrichtungen – ob Geschäfte, Museen oder Arztpraxen – optimal auch auf Kanälen wie Facebook , Foursquare, Google Maps, Meinestadt.de oder Yelp gelistet sind.

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Angefangen hat im Hause Uberall aber alles ganz anders: Der ehemalige Roland-Berger-Berater David Federhen hatte im März 2012 zusammen mit Florian Hübner und Josha Benner Favor.it gegründet, eine App für lokale Deals auf dem Handy. Allerdings ging das Konzept nicht auf und die beiden sattelten auf eine neue Idee um: Unter dem Namen Uberall betreiben sie heute mit 32-Mann-Verstärkung einen SaaS-Dienst, der es ermöglicht, Firmeninformationen in rund 30 Verzeichnissen, Online-Branchenbüchern, mobilen Apps und Kartendiensten automatisch zu erstellen und aktuell zu halten. Über ein Echtzeit-Reporting werden die Kunden dort zudem über Bewertungen, Likes, Check-Ins und andere „Social Signals“ aus verschiedenen Plattformen informiert.

Im „Startup-Helden“-Interview spricht David Federhen über den Geomarketing-Trend und seine Learnings aus dem Favor.it-Misserfolg.

Was macht Uberall anders als andere Geomarketing-Dienste?

Glücklicherweise gibt es noch gar nicht so viele Anbieter und Produkte, die direkt mit uns konkurrieren. Die meisten Wettbewerber sind außerdem eher Agentur-Geschäfte, die (manuelle) Dienstleistungen an Unternehmen verkaufen. Bei uns fließt unser ganzes Know-how in die Entwicklung von skalierbaren Technologien, die dabei helfen, Kosten zu senken und die Anzahl der Kundenkontakte zu erhöhen. Local Listings Management ist nur der Anfang, wir wollen mittelfristig alle Geomarketing-Anforderungen unserer Kunden mit intelligenter Software bedienen.

Mit Eurem Ursprungsprodukt Favor.it botet ihr Deals auf dem Handy an. Warum hat das Konzept nicht funktioniert und wann war Euch klar, dass Ihr umdenken müsst?

Dass wir umdenken müssen, wurde uns schon nach ein oder zwei Monaten Beta-Betrieb klar. Wir sammelten damals Erfahrungen mit zirka 250 Stores in Berlin und beobachteten, dass selbst junge und hippe lokale Unternehmer sich nicht regelmäßig mit Favor.it beschäftigten. Das lag zu großen Teilen am mangelnden Traffic auf der User-Seite. Also haben wir uns entschieden, Produkte zu entwickeln, die Unternehmen dabei helfen, den existierenden Traffic auf großen Plattformen besser zu nutzen – statt selbst noch eine Consumer-Brand aufzubauen.

Wie lautet das wichtigste Learning aus der Favor.it-Zeit, dass Ihr jetzt bei Uberall umsetzt?

Ich glaube, das wichtigste Learning für uns war und ist, nicht in coolen Features zu denken, die wir selbst gerne nutzen wollen. Unser durchschnittlicher Kunde ist kein Startup-Gründer aus Berlin-Mitte. Erstaunlich viele von ihnen haben tatsächlich noch nie von Whatsapp gehört. Dementsprechend ist die große Herausforderung, sich tagtäglich in die Bedürfnisse des Kunden hinein zu versetzen – und diese dann in ein Produkt zu übersetzen. Auch wenn das manchmal weniger cool erscheint.

Ist es nicht schwer, flexibilitätsliebende SaaS-Nutzer von einem längerfristigen Abo zu überzeugen?

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Eigentlich nicht. Wir arbeiten inzwischen größtenteils mit Großkunden wie zum Beispiel Filialisten und überlassen den Vertrieb an kleinere Kunden unseren Partnern wie der 1&1. Unsere Kunden verstehen, dass der Einsatz der Uberall-Technologie dauerhafte Vorteile bringt und die Kosten dazu im Verhältnis sehr moderat sind. Darüber hinaus benötigen große Unternehmen auch Planungssicherheit und bevorzugen daher schon aus Eigeninteresse in der Regel längerfristige Verträge.

Was hältst Du für den meistunterschätzten Kanal für Unternehmen im Bereich Geomarketing beziehungsweise Reputation Management?

Es gibt eine Reihe von sehr starken Kanälen, allen voran Google, Facebook und Yelp. Der richtige Kicker ist allerdings erst die flächendeckende Bedienung einer großen Anzahl von Kanälen, weil User einfach viele verschiedene Plattformen besuchen – je nach persönlicher Präferenz, nach Use-Case, nach genutztem Gerät et cetera. Außerdem zahlen alle aktiv genutzten Kanäle auch noch positiv auf das Google-Ranking des Unternehmens ein. Fazit: Unternehmen sollten überall aktiv sein. Können oder wollen sie das nicht, dann sollten sie zumindest Facebook sehr aktiv nutzen.

Vielen Dank für das Gespräch, David.

Bild: Uberall