eCareer

Nachdem sie mit ihrem Partnervermittlungsportal eDarling kürzlich ja bereits einen etablierten Markt angegangen sind, folgt nun der nächste Streich der Samwer-Brüder. Mit „eCareer“ entsteht ein StartUp, dass sich auf die Vermittlung hochqualifizierter Arbeitskräfte konzentriert. ECareer soll Deutschlands neue Stellenbörse und Headhunter-Netzwerk für Positionen ab 50.000 Euro Jahresgehalt werden. Dieses Segment orientiert sich vor allem an Fach- und Führungskräften, die fünf bis zehn Jahre Erfahrung und mehr mitbringen. Derzeit wird dieser Markt in Deutschland durch das Münchner Unternehmen Experteer dominiert.

Aktuell bietet Experteer die größte Anzeigenplattform für Stellenangebote ab 60.000 Euro Gehaltverdienst. Auf dem im Juli 2005 gegründeten und im Mai 2006 online gegangenen Portal erhalten die etwa eine Million Nutzer Zugang zu gut 5.000 Headhuntern und Personalberatern, so die Angaben des Unternehmens. Experteer ist auch mit seiner internationalen Expansion befasst und bietet derzeit seine Services in Großbritannien, der Schweiz, Österreich, Italien, Frankreich und Belgien an.

Nicht nur, dass das Portal vier Jahre Vorsprung vor dem geplanten eCareer hat, ist es auch international bereits aktiv und derzeit national konkurrenzarm. Zwar gibt es Wettbewerber wie Stepstone, monster.de oder JobScout24, doch haben diese jeweils eine abweichende Zielgruppe und decken Stellenangebote aus allen Gehaltsstufen ab. Neben diesen bevölkern auch viele kleinere regionale Anbieter den Markt. Vor allem konzentrieren sich Stepstone und Co primär auf den Stellenmarkt: Zwar haben diese  Unternehmen teilweise auch Datenbanken mit Profilen ihrer Nutzer, die von potentiellen Arbeitgebern durchsucht werden können, doch liegt der Fokus vor allem auf den tagesaktuellen Jobangeboten. Und noch ein Unterschied trennt Experteer von seiner deutschen Konkurrenz:  Während Experteer seine Kosten dem Bewerber in Rechnung stellt, veranschlagen die Jobbörsen ihre Einstellungspreise bei den Unternehmen, die Stellen ausschreiben. Gerade in der Krise ist dabei das Experteer-Modell interessant, weil die Nutzer, die sich bewerben ein Bedürfnis haben und deshalb bereitwilliger zahlen. Gleichzeitig stellen Unternehmen eher wenige Anzeigen ein und zahlen oft nur widerwillig für Stellenanzeigen. Für die aktuelle Marktlage ist das Experteer-Modell also eine Alternative, die es zu berücksichtigen lohnt.

Wirkliche Konkurrenz droht Experteer, das seit letztem Jahr in Deutschland profitabel ist, auch eher aus dem Ausland: Der amerikanische Anbieter The Ladders ist in den USA Marktführer und seit gut einem Jahr auch in Großbritannien aktiv, wo er Experteer starke Konkurrenz macht. Die Samwer-Plattform eCareer sollte sich daher vor allem auch an diesem amerikanischen Player orientieren. Ob das Konzept von eCareer denn aber wirklich in die gleiche Richtung wie Experteer gehen soll, will man bei Rocket Internet (dem beteiligten Inkubator) noch nicht bestätigen: „Das Modell von eCareer ist momentan noch wesentlich weniger konkret ausgestaltet, als es vielleicht den Anschein haben mag“, sagt Christopher Maaß, Chief Marketing Officer bei Rocket Internet. Aus den Kreisen von Rocket Internet heißt es, man wolle das Geschäftsmodell noch weiter ausformulieren und verschiedene Optionen prüfen. Erst in ein paar Monaten sei man für den Start der Plattform bereit. Die auf der eCareer-URL geschaltete SEO-Seite lässt hingegen doch stark vermuten, dass der Fokus bereits in Richtung der Konkurrenten aus München gesetzt ist.

Vor allem scheint eCareer auch personell schon vorangeschritten: Geschäftsführer von eCareer ist Pierluigi Ferrari, ein mit 24 Jahren noch recht junger Unternehmer, der an der WHU studiert hat. Unterstützt wird er von Rocket Internet, dem Inkubator der Samwers, mit dem sie sich unter dem Radar an jungen Unternehmen beteiligen und auch aktives Team Building betreiben, wie es beispielsweise auch schon im Artikel zu eDarling beschrieben wurde. Rocket selbst gehört als Tochter der European Founders Fund GmbH & Co. KG, also dem EFF-Imperium der Samwers an.  Ein Blick in den Handelsregisterauszug der “eCareer GmbH”  zeigt, dass etwas weniger als die Hälte der Anteile der Rocket Internet GmbH gehören. ECareer wurde von Rocket Internet inklusive des notwendigen Team-Buildings gegründet und hat mit zwei britischen Firmen, der Webgenau GmbH aus Berlin, sowie der Ippen Digital GmbH & Co KG aus München weitere Anteilsinhaber im Boot. Letztere hält einen Share, der nur geringfügig kleiner als der von Rocket ist. Es konnte also anscheinend bereits ein Investor gewonnen werden. Dirk Ippen unterhält ein Verlagskonglomerat, das die fünftgrößte Zeitungsgruppe in der Bundesrepublik darstellt. Er ist darüber hinaus direkt und indirekt an elektronischen Medien und Internetportalen beteiligt. Ippen Digital ist der zentrale IT-Dienstleister dieser Verlagsgruppe.  Rocket Internet wollte sich gegenüber Gründerszene nicht zu potentiellen Investoren äußern.

Man darf also gespannt sein, wie sich eCareer unter der Leitung eines so jungen Entrepreneurs entwickelt. Auf jeden Fall ist es ein mutiger Schritt, einen noch recht unerfahrenen Gründer gegen etablierte Player wie Experteer und The Ladders ins Feld zu führen. Oder könnte am Ende doch wieder David gegen Goliath gewinnen? Was meinen die Leser…?