Dawawas Startup-Helden

Fabian Jager (31, l.) und Patrick Ohler (32), Gründer von Wer-kennt-wen und Dawawas

„Startup-Helden“ von Dawawas im Interview

Beim Thema Entrepreneurship sind sie schon alte Hasen: Patrick Ohler und Fabian Jager gründeten 2006 während ihres Computervisualistik-Studiums an der Uni Koblenz das soziale Netzwerk Wer-kennt-wen, das im Februar 2009 von RTL Interactive übernommen wurde. Ein Jahr später verzeichnete die Seite noch monatliche Besuchszahlen im dreistelligen Millionenbereich, mittlerweile erreicht der Dienst die kritische Masse aber nicht mehr und wird zum 1. Juni eingestellt.

Ohler und Jager sind derweil längst mit ihrer nächsten Gründung Dawawas, einer digitalen Bilderplattform, beschäftigt. Der im Februar 2013 gelaunchte Cloud-Service unterhält derzeit ein Team von acht Personen und mehrere Millionen Bilder wurden dort bereits hochgeladen. In der Reihe „Startup-Helden“ sprechen die Gründer über die Besonderheiten von Dawawas und das Ende von Wer-kennt-wen.

Wie seid ihr auf die Idee zu Dawawas gekommen?

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Fabian Jager: Nach einem Skiurlaub mit einer größeren Gruppe vergammelten wieder einmal die vielen Schnappschüsse auf den verschiedenen Festplatten und Smartphones. Der Austausch von Speicherkarten oder USB-Sticks und der Versand riesiger Datenmengen per E-Mail hatten wie so oft nicht funktioniert. Gezielt ausgetauscht wurden die Bilder vom Urlaub nicht. Deshalb haben wir Dawawas gegründet und damit einen Ort geschaffen, an dem diese gemeinsamen Erlebnisse miteinander geteilt werden können und man sich auch im Nachhinein – zum Beispiel über die Kommentarfunktion der einzelnen Bilder – noch einmal über die schönen Momente austauschen kann.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene JustBook nach der Übernahme: „Wir fühlen uns weiterhin als Gründer“

Konkurrenz gibt es reichlich. Was macht Dawawas einzigartig?

Patrick Ohler: Bilder sind ein sehr privates Thema. Persönliche Fotos, zum Beispiel von der eigenen Hochzeit und den Kindern, möchten sehr viele nur mit ausgewählten Personen teilen. Deshalb haben unsere Nutzer differenzierte Einstellmöglichkeiten zur Privatsphäre und können pro Album entscheiden, wem sie welche Fotos zeigen wollen. Für jedes Fotoalbum ist die Voreinstellung privat, das heißt, nur eingeladene Personen können die Bilder überhaupt sehen.

Außerdem verbleiben sämtliche Rechte an den Fotos bei den Nutzern. Alle Bilder werden in einem deutschen Datencenter gespeichert. Besonders an Dawawas ist auch, dass es spezielle Lösungen für alle Endgeräte gibt, wie zum Beispiel eine App für die meisten Smart-TVs, mit der man sich die Bilder auch auf dem Fernseher anschauen kann und den Diaabend zurück ins heimische Wohnzimmer bringt.

Im März gab RTL bekannt, eure vorige Gründung Wer-kennt-wen einzustellen. Bereut ihr den Verkauf?

Fabian Jager: Wir hatten von der Gründung 2006 bis zu unserem Ausstieg 2010 eine tolle Zeit mit Wer-kennt-wen. Wir finden es sehr schade, dass es für die Plattform jetzt zu Ende geht und auch das letzte große deutsche Social Network für eine breite Zielgruppe bald Geschichte ist. Schade auch, dass das Netzwerk nicht an alte Erfolge anknüpfen konnte und in den letzten Jahren durch die internationale Konkurrenz stark unter Druck geraten ist. Wir persönlich verbinden wunderbare Erinnerungen und spannende Begegnungen mit diesen vier Jahren. Was bleibt, sind viele Freundschaften und ein riesiger Schatz an Erfahrungen, den wir in unser tägliches Arbeiten einfließen lassen.

War euch direkt klar, dass ihr wieder gründen wollt? Was habt ihr in der Zwischenzeit angestellt?

Patrick Ohler: Dass wir wieder gründen, war uns sofort klar. Wir verstehen uns als Gründer und brauchen die Herausforderung etwas aufzubauen und aus einer Idee ein – meist digitales – Produkt zu schaffen. Zwischen Wer-kennt-wen und Dawawas haben wir uns beide eine Auszeit genommen und uns ganz anderen Dingen gewidmet. Einerseits um den Kopf frei zu bekommen und um uns mit den Möglichkeiten für die Zukunft zu beschäftigen. Ich war zum Beispiel längere Zeit auf Reisen und Fabian hat eine Wohnung saniert.

Welche Tipps gebt ihr Gründern nach euren eigenen Erfahrungen mit auf den Weg?

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Fabian Jager: „Weniger denken, mehr machen!“ ist für uns das wichtigste Learning der letzten Jahre. Man kann sich in seiner eigenen Welt noch so logische Dinge ausdenken: Aufgestellte Thesen werden nur durch die Realität bestätigt oder widerlegt. Da hilft es, diese möglichst früh auf den Prüfstand zu stellen und gegen den Markt laufen zu lassen.

Bild: Dawawas