Das Papier-Chaos hat sich mittlerweile vom Schreibtisch auf den Computer verlagert. Mit seinem Tool DBook will Geerd-Dietger Hoffmann Ordnung in das Chaos umfangreicher Dokumente bringen. Auch Teams können mit dem Service die Arbeit besser aufteilen, einige tausend Nutzer verwenden seinen Cloud-Service bereits. Zahlen müssen sie nur für eine Business-Version.

Der Software-Entwickler Geerd-Dietger Hoffmann hat in der Vergangenheit bei IBM, dem Forschungszentrum CERN und einigen anderen Firmen gearbeitet. Bevor ihm die Idee für DBook kam, war er CTO bei der Nichtregierungsorganisation eHealth Systems in Afrika. Seine Aufgabe: Software zu entwickeln, die bei der Bekämpfung von Ebola hilft. Bei seiner Arbeit kam ihm die Idee zu DBook, seit dem vergangenen Sommer ist der Cloud-Service nun online. Hoffmann und sein Mitgründer haben das Start-up von ihrem Ersparten finanziert. Einige größere Unternehmen und Institutionen verwenden den Service zum kollaborativen Arbeiten bereits, dazu gehören die Süddeutsche Zeitung und die Hochschule der Medien in Stuttgart.

Im Interview erklärt der 30-Jährige, wie er sich mit DBook gegen Tools wie Google Docs behaupten will:

Geerd, wie bist du auf die Idee gekommen, DBook zu entwickeln?

Die Idee kam mir eines Nachts als ich im Büro saß und fünf Stapel Papier vor mir lagen. Jeder Stapel hatte um die 300 Seiten mit verschiedenen Anmerkungen – und alle mussten zu einem einheitlichen Dokument zusammengefügt werden. Am nächsten Morgen sollte ich das fertige Dokument zum Kunden schicken. Nachdem Word schon zum zweiten Mal abgestürzt war und ich mich mit den Formatierungen rumärgern musste, kam mir der Gedanke: Das muss doch besser gehen. Schon am nächsten Wochenende habe ich mich hingesetzt und losprogrammiert.

Welchen Vorteil bietet das Tool gegenüber Google Docs?

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Mit Google Docs kann man Texte über das Smartphone und in der Cloud bearbeiten. Das Kernprodukt unterscheidet sich in Aufbau und Funktionsweise jedoch nur wenig von einer klassischen Textverarbeitung, die es seit Ende der 80er-Jahre gibt.

Beim Verfassen von umfangreichen Dokumenten sind die Herausforderungen ganz anders. DBook behandelt deshalb jedes Dokument wie ein richtiges Projekt. Man bricht dabei die Arbeit am großen Dokument zunächst in kleinere Gliederungspunkte auf, die jeweils im Team verteilt bearbeitet und verfolgt werden können. Jeder kann so auf einen Blick erkennen, welchen Bearbeitungsstand das Gesamtdokument und seine einzelnen Bestandteile haben. Das Schreiben verläuft auf diese Weise viel strukturierter.

Für welche Zielgruppe ist es konzipiert?

Das Tool eignet sich fürs Brainstorming für die inhaltliche Struktur, um im Team zu schreiben, um Bücher oder Arbeiten zu korrigieren oder um Dokumente zu verwalten. Es ist eigentlich für jeden geeignet, der längere Text schreiben will. Wie zum Beispiel Bücher, technische Handbücher, Tutorials, Verträge oder Studienarbeiten.

Wie ist die Resonanz bislang?

Wir können uns nicht beschweren. Es gibt täglich Feedback, wie wir unser Produkt noch verbessern können. Es freut uns besonders, dass einige Firmen uns in ihren Workflow integriert haben.

Google wird immer ein laxer Umgang mit dem Datenschutz vorgeworfen. Was macht dein Start-up besser?

Bei DBook findet eine zweifache Verschlüsselung auf der Ebene des Betriebssystems und der Datenbank statt. Daten werden ausschließlich auf Servern in Deutschland gesichert. Mit der Nutzung von DBook tritt der Verfasser außerdem keine Rechte an seinen Inhalten ab. Wir handeln nicht mit Kundendaten und geben diese auch nicht an Dritte weiter.

Wenn ihr die Texte nicht auswertet – wie verdient ihr Geld mit DBook?

Wir glauben nicht an die Idee, dass man die Rechte an seinen Daten abgeben muss, um einen Service verwenden zu können. Jeder kann DBook kostenlos benutzen. Wir begrenzen keine Features oder Funktionen in der freien Version, sondern fügen lediglich ein kleines Logo auf den Seiten ein. Wenn man dieses nicht haben will, kann man die Business-Version kaufen.

Inwiefern haben die Snowden-Enthüllungen und die Diskussion um Datensicherheit euer Geschäft befeuert?

Sicher haben die Snowden-Enthüllungen die Leute sensibilisiert, auch Tools in Deutschland und Europa zu suchen. Zuerst war dies ein viel diskutiertes Thema. Doch leider hat das Interesse wieder abgenommen. Was auffällig war, ist, dass es nur einen sehr kleinen Kreis von Leuten wirklich interessiert hat. Einen großen Effekt auf das Geschäft hatten die Ereignisse nicht.

Bild: DBook