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Deemly-Gründerin Sara Green Brodersen (Mitte) mit ihrem Team in Kopenhagen.

„Wer nicht genügend vertraut, wird kein Vertrauen finden“ soll der chinesische Philosoph Loatse vor gut 2600 Jahren gesagt haben. Noch heute trifft dieser Satz zu. Bestes Beispiel sind die zahllosen Bewertungs-Tools im Netz. Wer etwa Fahrten auf Blablacar teilt, Ebay oder Airbnb nutzt, der tut dies meist im guten Vertrauen auf die Bewertungen anderer Nutzer.

So bekommt jemand mit einer guten Bewertung beispielsweise leichter ein Zimmer bei Airbnb und findet mehr Interessenten für einen angebotenen Artikel bei Ebay. Ein unzuverlässiger Mitfahrer oder ein schlecht bewerteter Verkäufer hat es hingegen schwerer. Ähnliches gilt auch für diejenigen, die noch keine Bewertungen auf einem Portal haben und neu sind.

Bei neun von zehn Sharing-Plattformen bestehe das größte Problem zu Beginn darin, überhaupt das Vertrauen unter den Nutzern aufzubauen, heißt es in der Abschlussarbeit der Gründerin Sara Green Brodersen. Die Nutzer blieben häufig inaktiv, weil sie nicht genügend gute Bewertungen vorweisen könnten – so sei es bei fast 80 Prozent der Airbnb-Nutzer, sagt Brodersen.

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Die Dänin gründete im Jahr 2015 ihr Startup Deemly, eine Plattform, die Online-Bewertungen sammelt und in einem Score abbildet. Sie will damit dem normalen Internet-Nutzer den Zugang zu anderen Portalen erleichtern.

Die Idee für Deemly kam Brodersen, als sie während ihrer Studien von einer Bank in Asien hörte, die ein neuartiges Kreditvergabeverfahren anhand von Airbnb-Bewertungen testet. Anstatt die Kreditwürdigkeit allein an der Einkommenshöhe und den Schulden festzumachen, setzt diese Bank zudem auf die Meinung anderer Community-Mitglieder. Denn ein gut bewerteter Airbnb-Nutzer sei zuverlässiger bei der Schuldentilgung, so die Argumentation:

„Wenn alle deine Online-Bewertungen zusammengefasst werden, wird dein Ruf und deine Vertrauenswürdigkeit zu einer Art Währung, egal wie viel Geld du verdienst“, sagt Brodersen. Dieses Prinzip soll letztlich auch durch den Deemly-Score repräsentiert werden, der ein wenig an die Bewertung der Schufa erinnert.

Deemly testet den Score bereits mit Airbnb und eBay

Wie der Wert letztlich genau errechnet wird, will die Gründerin noch nicht verraten. Das Geheimnis wird sie erst nach dem offiziellen Launch, der für Oktober geplant ist, lüften. Der Nutzer soll seinen Score über die Plattform von Deemly selbst verwalten können. Bei den teilnehmenden Portalen sieht man dann seine besten Bewertungstexte und einen Wert zwischen 1 und 100. Damit Portalbetreiber den Deemly-Score nutzen können, müssten sie lediglich die von dem Startup bereitgestellte Programmierschnittstelle (API) bei sich einbauen, erzählt die Gründerin.

Mit Airbnb, Ebay und der Freelancer-Vermittlung Upwork führe das Startup bereits Tests in der Betaphase durch. Und schon jetzt gebe es rund 30 weitere Anfragen von Plattformen aus den USA und Europa, sagt Brodersen. Rund 350 Probenutzer testeten den Score bereits. Auch deutsche User könnten schon probeweise ihre Bewertungen über die Seite zusammenführen.

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Der Deemly-Score als Profil-Ansicht.

Im April schloss das zehn Mitarbeiter große Startup sein Seed-Investment ab. Wie viel der alleinige Kapitalgeber Syddansk Innovation investierte, kommuniziert Brodersen nicht. „Wir planen bereits die nächste Finanzierungsrunde für das Frühjahr 2017 und sind schon jetzt mit weiteren potenziellen Investoren im Gespräch“, so die Gründerin.

Mit Anmeldungsgebühr für Unternehmen und eine monatliche Provision soll Deemly Geld verdienen. Der Preis für Firmen soll sich danach richten, wie viele User eine Plattform hat. Für den privaten Nutzer werde der Deemly-Score aber kostenlos bleiben, so Brodersen.

Bild: Deemly