deezer laurent billion

Strategie: Lokale Musik überall verfügbar machen

Deezer (www.deezer.com) und Spotify, die zwei großen Musik-Streaming-Dienste, ringen um die Gunst der Nutzer, die Musik vor allem auf mobilen Geräten immer und überall hören wollen. Allerdings haben sie dafür unterschiedliche Strategien: Während Spotify vor allem auf großen Märkten wie in den USA aktiv ist, hat sich Deezer vor allem auf den Rest der Welt gestürzt, wie Laurent Billion, Deezers Chief International Officer, vergangene Woche auf der Berlin Music Week erzähltt.

Vielleicht ist das auch der Fluch der späten Internationalisierung, die das aus Frankreich stammende Deezer zu dieser Strategie zwingt. Denn beide wurden 2006 gegründet, allerdings war Spotify schlicht schneller und aktiver in seinem Expansionsdrang – und ist heute, gemessen an zahlenden Premium-Kunden, die Nummer 1: Über sechs Millionen sind das bei Spotify, zwei Millionen weniger bei Deezer im Moment.

Doch die Nummer zwei auf dem Markt, will die Nummer eins überholen: Ausgestattet mit einem 130-Millionen-US-Dollar-Investement von Access Industries im Oktober 2012 ist Deezer in den vergangenen Monaten besonders in afrikanische, südamerikanische und asiatische Märkte eingedrungen, meist mithilfe von Kooperationen nationaler Telefonanbieter.

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„Wir setzen vor allem auch auf lokale Künstler“, sagt Billion und nennt Thailand als leuchtendes Beispiel für diese Strategie. 300.000 zahlende Premium-Abonnenten gebe es da, „in einem Markt, in dem Musik eigentlich nicht so wertgeschätzt wird wie anderswo“. Heißt auch: der Katalog an weltweit verfügbaren Musiktitel wird exotischer und ist Stützpfeiler der Marke Deezer.

Aktuell hat der Dienst zehn Millionen aktive Nutzer im Monat, vier Millionen Premium-Plus-Abonnenten (das sind die, die ihre Musik dann mobil hören können), 25 Millionen Songs im Musikkatalog und ist in 182 Ländern (im Interview spricht Billion sogar von 184) verfügbar. Bis auf die USA gibt es momentan nur noch wenige blinde Flecken auf der Landkarte.

Welche das sind und wie Deezer weiter mit dem USA-Thema umgehen will, darüber spricht Billion mit Redakteurin Michelle Kuepper. Auch gibt er einen Einblick in die Lizenzverhandlungen mit den Musikverlagen und bezieht Stellung zum Reizthema Einnahmenverteilung an Künstler und Plattenfirmen.

Foto: Telenor