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„Wir werden in den Ländern bleiben, in denen wir aktiv sind.“ Diese Ansage machte Foodpanda-Chef Ralf Wenzel noch Ende Dezember, nachdem sein Unternehmen gerade an den Lieferdienst-Vermittler Delivery Hero verkauft worden war.

Jetzt, nur wenige Wochen später, sieht das anders aus. Laut interner Unterlagen, die Gründerszene vorliegen, plant Delivery Hero, sechs der insgesamt 22 Foodpanda-Märkte bis Ende April zu verkaufen – oder, sollte das nicht gelingen, die Geschäfte dort zu schließen. In den Dokumenten heißt es, die Märkte seien klein, unattraktiv und unprofitabel. Gemeint sind Taiwan, Bulgarien, Rumänien, Georgien, Kasachstan und die Slowakei.

Auch bei den Geschäften in Singapur und Hongkong gibt es demnach Anpassungsbedarf: Sollten sie nicht verkauft werden können, plant Delivery Hero, sie zu optimieren, um weniger Geld zu verbrennen. In Malaysia, den Philippinen und Indien zieht man zumindest in Erwägung, Assets zu verkaufen oder zu tauschen. 

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Neueigentümer Delivery Hero sagt dazu, man schaue sich kontinuierlich das Portfolio an und bewerte mögliche An- oder Verkäufe. „Grundsätzlich weisen die Foodpanda-Märkte im Vergleich zu den Delivery-Hero-Märkten einen anderen Reifegrad auf“, heißt es in einem Statement. Das bedeute in vielen Foodpanda-Märkten ein aktuell negatives Ebitda, aber auch ein besonders hohes Wachstumspotenzial. „Genau dieses enorme Wachstumspotenzial ist die Logik hinter der Foodpanda-Akquisition.“

Diese Logik ist jedoch weiterhin nicht für alle Beobachter nachvollziehbar, bereits zum Zeitpunkt der Übernahme löste der Schritt Diskussionen aus. Delivery Hero bereitet sich seit Monaten auf einen Börsengang vor. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen zahlreiche, teure Geschäftsfelder gekürzt, um seine Zahlen zu verbessern. Die Übernahme eines Startups, das sich nicht sonderlich positiv zu entwickeln scheint, wirft daher Fragen auf.

117 Millionen Euro Verlust im Jahr 2016

Zwar konnte Foodpanda zuletzt starkes Wachstum vorweisen, doch auch die Verluste des Rocket-Ventures blieben hoch. Wie die Wirtschaftswoche aktuell berichtet, schrieben Delivery Hero und Foodpanda 2016 gemeinsam ein Minus von etwa 117 Millionen Euro.

Bei Delivery Hero will man sich von den vermeintlich schlechten Zahlen nicht aus der Ruhe bringen lassen. „Die Delivery-Hero-Gruppe hat ihre ambitionierten Ziele im Jahr 2016 erreicht beziehungsweise übertroffen“, heißt es auf Nachfrage zu Gründerszene. „Bereits im Sommer 2016 haben wir die Gewinnschwelle (Ebitda) für unser globales Marktplatzgeschäft erreicht und gehen davon aus, dass dieser Bereich auch weiterhin eine gute Performance zeigen wird.“

Ein Kaufanreiz für Delivery Hero könnten allerdings die Barreserven von Foodpanda gewesen sein: Erst kurz vor der Übernahme hatte das Venture sein Russland-Geschäft für 100 Millionen US-Dollar verkauft. Auch darüber hinaus könnten durchaus noch einige der insgesamt 310 Millionen, die in das Rocket-Venture investiert wurden, auf dem Firmenkonto liegen.

Für die Firmenfabrik Rocket Internet, die Foodpanda 2012 startete und mittlerweile knapp 40 Prozent an Delivery Hero hält, ist die Verschmelzung strategisch wichtig. Gegenüber seinen Investoren muss Rocket nun nicht mehr erklären, warum es an konkurrierenden Unternehmen beteiligt ist.

Bild: Getty Images / John Giustina