Der CEO von Delivery Hero, Niklas Östberg

Das massive Wachstum von Delivery Hero hat Niklas Östberg selbst überrascht. „Wir haben alle Erwartungen übertroffen“, sagte der Gründer und CEO des Lieferdienst-Vermittlers vergangenes Jahr auf einer Konferenz. Auch die Investoren glauben an die Wachstumsstory. Sie haben das Startup zuletzt mit 3,1 Milliarden Dollar bewertet – 1,3 Milliarden Dollar Risikokapital haben sie schon gezahlt. Ähnlich hohe Summen haben in Europa bisher nur Spotify und die Global Fashion Group bekommen.

Eine deutsche Erfolgsgeschichte, so scheint es. Weltweit arbeiten heute 2.000 Menschen für Delivery Hero, in Berlin sind es 900. In 33 Märkten ist das Startup außerdem aktiv. Über die vergangenen Jahre hat sich der Lieferiese mit sehr viel Geld die Marktführerschaft in verschiedenen Ländern erkauft. Zum Beispiel 2015 in der Türkei, als das Unternehmen den Konkurrenten Yemeksepeti für die enorme Summe von 590 Millionen Dollar übernahm. Auch die Akquise des damaligen deutschen Marktführers Pizza.de im Sommer zuvor soll Delivery Hero über 200 Millionen Euro gekostet haben.

Und Pizza.de ist eine teure Angelegenheit geblieben. Delivery Hero soll Schwierigkeiten bei der Integration haben. Der damalige Deutschlandchef David Rodriguez sagte im Herbst, die Portale liefen noch immer auf unterschiedlichen technischen Plattformen. Man arbeite daran, eine global einheitliche Plattform zu bauen.

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Das erklärte Ziel ist der Börsengang, irgendwann. Zwar lässt Delivery Hero den genauen Zeitpunkt bewusst offen, das Unternehmen soll allerdings schon von Goldman Sachs und Co. beraten werden und Ende des Jahres den IPO anstreben.

Dafür spricht, dass Delivery Hero derzeit seinen Kurs korrigiert und alles wegstreicht, was zu hohe Verluste bringt. Profitabilität ist das neue Ziel – oder wie Niklas Östberg es vor wenigen Tagen im Werbesprech in einer Pressemitteilung formulierte: „Unsere neue operative Struktur ermöglicht es uns, außergewöhnliches Wachstum mit Profitabilität zu kombinieren.“

Massive Kürzungen, unzufriedene Mitarbeiter

Die Tech-Firma optimiert ihre Zahlen nun mit bisweilen drastischen Schritten. Vor wenigen Tagen schloss sie ihr China-Geschäft komplett, die Jobs von 400 Angestellten sind in Gefahr. Der Grund: zu aggressiver Wettbewerb. „Es wird wahrscheinlich jemanden geben, der in China eine Menge Geld machen wird“, sagte Östberg dazu. „Aber das dafür notwendige Investment wird sehr hoch sein.“ Die langfristige Rendite sei daher zu unberechenbar und passe nicht in die Investment-Kriterien von Delivery Hero.

Der eigene Logistikdienst Valk Fleet wurde ebenfalls in dieser Woche dicht gemacht, das Segment sei „für seine niedrigen Margen berüchtigt“, hieß es vom Unternehmen. Hier sind womöglich 200 Mitarbeiter und 1.000 frei beschäftigte Fahrer betroffen. Auch im Tech-Team von Delivery Hero wurden im Februar 30 Stellen gestrichen.

Bei vielen Mitarbeitern hinterlassen die Kürzungen keine gute Stimmung. Auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen wie Glassdoor und Kununu und auch in Kommentaren unter Gründerszene-Artikeln äußern sich einige davon sehr kritisch. Sicherlich ist das bei einer Umstrukturierung zu erwarten, dennoch kommen bestimmte Punkte immer wieder zur Sprache: zu viel interne Politik, schwaches Management, schlechte Kommunikation. Offiziell will sich Delivery Hero zu den Kommentaren nicht äußern.

Das milliardenbewertete Unternehmen steht jetzt vor der Herausforderung, seine Mitarbeiter bei dem Umbau vom Startup zum Konzern nicht zu verlieren. Östberg scheint bewusst zu sein, dass diese Phase ihre Spuren hinterlässt und sprach diese Woche von „einer Reihe von harten Entscheidungen, die wir in letzter Zeit treffen mussten“.

Positiv entwickelt sich in jedem Fall der Umsatz. Nach eigenen Angaben verarbeitet Delivery Hero mit monatlich mehr als 13 Millionen Bestellungen nun doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Auf dem Weg zur schlankeren Struktur hat das Unternehmen außerdem eine bisher unbekannte, neue Finanzierung bekommen. Nach Gründerszene-Recherche schossen im Januar mehrere Altgesellschafter Geld nach – bei einer für Delivery-Hero-Verhältnisse niedrigen Kapitalerhöhung. Basierend auf den Angaben im Handelsregister könnte sich die Runde in einer mittleren zweistelligen Millionenhöhe bewegen.

Die Hintergründe für die Finanzierung will das Unternehmen auf Nachfrage von Gründerszene nicht kommentieren. Bis zum IPO scheint Delivery Hero aber noch ein bisschen Geld zu benötigen.

Bild: Delivery Hero