during winter testing at the Circuito De Jerez on February 17, 2010 in Jerez de la Frontera, Spain.

Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz

Mit Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz sollten sich Journalisten besser nicht anlegen — so zumindest der Plan des Österreichers. Zu einem Reporter soll er einmal gesagt haben: „Solange eine perforierte Kniescheibe in Moskau 500 Dollar kostet, werden Sie nicht sicher sein.“

Dass er durchaus selbst gerne in der Medienlandschaft mitmischt, hat er bereits mit seinem Fernsehsender Servus TV bewiesen. Jetzt will Mateschitz auch noch Journalismus machen. Wie er in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ verriet, plant er eine Nachrichtenseite, die den Nutzer „näher an die Wahrheit“ bringen soll, weil er die jetzige Medienlandschaft „einseitig und unvollständig“ findet.

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Das Projekt soll „Quo Vadis Veritas“ (Wo gehst du hin, Wahrheit?) heißen, weil es „ein vollständigeres Bild der Wirklichkeit schaffen“ soll. Außerdem ließ Red Bull mitteilen, dass das Medium „vollkommen unabhängig von Red Bull als auch von Servus TV“ agiere.

In einem vieldiskutierten Interview kündigte er das Projekt an

Im Interview mit der „Kleinen Zeitung“ lässt der Red-Bull-Chef durchblicken, worum es sich bei seiner Nachrichtenseite handeln könnte. Er spricht davon, „dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut“, auch wenn jeder wüsste, was die Wahrheit sei. Mateschitz wettert gegen die, „die ‚Willkommen‘ oder ‚Wir schaffen das‘ gerufen haben“ und gegen eine „Grüne, die sich mit der Limousine mit dem zusammenklappbaren Fahrrad hinter das Parlament fahren lässt, dort aussteigt und die letzten Meter zum Hohen Haus radelt.“ Er schimpft auf politische Korrektheit und auf eine „selbsternannte sogenannte intellektuelle Elite.“

Der 72-Jährige schwadroniert von einer Völkerwanderung, davon, dass die Lage „politisch nicht mehr regulierbar“ sei — „außer man wirkt rechtzeitig den Ursachen entgegen“, so Mateschitz‘ These. Für ihn ist es alles eine große Verschwörung: „unmündige, kritiklose und verängstigte Staatsbürger“, so Mateschitz. Diese Rhetorik erinnert stark an den Wahlkampf Donald Trumps.

Die ressentimentgeleiteten Aussagen lassen beinahe auf ein rechtspopulistisches Portal schließen, mit dem sich Mateschitz medial verewigen möchte — wie in den USA schon Donald Trumps Chefstratege Stephen Bannon mit „Breitbart News“. In den sozialen Medien wurde der Zusammenhang ebenfalls schon hergestellt.

„Nach dem Interview mit bekommt man eine ungefähre Idee von seinem neuen Medienprojekt. Könnte sich Bullbart oder so nennen“, schreibt etwa ein Nutzer auf Twitter.

Die Identitäre Bewegung Österreich bedient sich an Mateschitz-Zitaten genauso wie der rechtspopulistische FPÖ-Politiker HC Strache, der Red-Bull-Chef erhält viel Zuspruch aus der rechten Ecke.

Die personelle Besetzung von „Quo Vadis Veritas“ wirft die Frage auf, wie die künftige Redaktion Mateschitz‘ Aussagen und Erwartungen umsetzen wird:

  • Der ehemalige „Presse“-Chefredakteur Michael Fleischhacker übernimmt die Verantwortung. Der Journalist war von 1991 bis 2000 bei der „Kleinen Zeitung“, wechselte dann zum „Standard“, um 2002 zur „Presse“ zu gehen, deren Chefredakteur er von 2004 bis 2012 war. Den Großteil seiner Karriere verbrachte Fleischhacker also bei Medien, die man eher dem „bürgerlich-liberalen“ Spektrum zuweisen kann. Zuletzt arbeitete er für die österreichische Ausgabe der „Neuen Zürcher Zeitung“ und moderierte bereits für den Fernsehsender Servus TV, der ebenfalls Mateschitz gehört.
  • Nach Angaben der „Neuen Zeitung“ wird die kaufmännische Leitung des Projekts von Niko Alm übernommen, ehemaliger Mediensprecher und Nationalratsabgeordneter der Neos, einer liberalen österreichischen Partei. Alm ist in erster Linie für seine Religionskritik bekannt — 2003 kandidierte er noch für die Grünen bei der Landtagswahl in Niederösterreich.
  • Ebenfalls von den Neos kommt Anna Schneider, die dort Referentin für Verfassung und Menschenrechte im Parlamentsklub der Partei war, bis sie sich für das Mateschitz-Projekt entschied.
  • Die Journalistin Judith Denkmayr kommt vom Lifestyle- und Jugendmagazin „Vice“, das sich sozialpolitisch eher progressiv einordnen lässt.
  • Rainer Fleckl aus der „News“-Chefredaktion hatte zuvor schon bei ServusTV gearbeitet, ist dem Unternehmen und Mateschitz also nicht völlig fremd.

Die Reaktionen auf das Projekt sind geteilt: Aus der rechtspopulistischen Ecke gibt es über die sozialen Netzwerke Lob, die meisten Medien sehen „Quo Vadis Veritas“ eher kritisch.

So nannte das „Handelsblatt“ Mateschitz „das österreichische Mogulchen“, die Journalisten der „Kleinen Zeitung“ werfen ihm vor: „Sie reden wie ein Wutbürger“. „Vice“ beantwortet sich die selbstgestellte Frage, ob Mateschitz irgendwann in die Politik geht, mit „hoffentlich nicht“. Die „Huffington Post“ ist sicher: „Mateschitz wird den Wutbürgern Flügel verleihen“.

Eine Anfrage von Business Insider ließ das Unternehmen Red Bull bislang unbeantwortet.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Business Insider Deutschland.
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Bild: Gettyimages/ Mark Thompson / Staff