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Zauberer sind die Meister der Illusion. Eben noch ein Strauß orange-blauer Astern und im nächsten Moment eine einzelne purpurne Lilie. Während die eine Hälfte des Publikums verblüfft den Trick nachzuahmen versucht, grummelt die andere Hälfte so was wie: Das habe ich aber beim Großen Houdini schon einmal gesehen. Dieses Publikum und solche Vorstellungen gibt es auch im Internet.

Im Jahr 2001 eröffnete Jan Schust mit Tarifcheck24 ein Preisvergleichsportal, um den „[…]mehr als 25 Millionen Besuchern im Jahr[…]schnell und effizient einen Überblick über den Markt“ zu verschaffen. Damit war er einer der Ersten, die sich, mit dem damals noch boomenden Finanzsektor eine Insel im Businessozean Internet schufen. Nach der erfolgreichen Etablierung der orange-blauen Marke eroberte Schust sich mit Wechseln.de einen weiteren Platz in der Liste der erfolgreichen StartUps. Die Möglichkeit eines Preisvergleichs wurde um die Energiedienstleistungen erweitert. Mit Hilfe seines Affiliateangebotes Versicherungspartnerprogramm.de hatte er sich so gewissermaßen ein Geschäftsmodell erschaffen, das einer Eier legenden Wollmilchsau ähnelt.

Das weckt selbstverständlich die Begehrlichkeiten der Konkurrenz. Und so wurde im Januar 2007 bekannt, dass die einsurance AG eine Minderheitsbeteiligung an der Hamburger GmbH erworben hatte, mit der Möglichkeit zur Aufstockung in eine Mehrheitsbeteilung. Die einsurance AG aus München, die bereits im Oktober 1999 als Internetportal für den Vergleich von Kfz-Versicherungen gegründet wurde und nach eigenen Angaben schon bald zum Marktführer in diesem Bereich aufstieg, war damit ein direkter Konkurrent für Tarifcheck24.

Zum Jahreswechsel 2008/09 gab Schust bekannt, dass er sich von der Position als Geschäftsführer des Unternehmens zurückziehen werde. Das hieß im Klartext: Verkaufen. Nach zunächst kleineren strategischen Beteiligungskäufen an Tarifcheck24 und Wechseln.de, verkaufte Schust dann zum 31. Dezember 2008 alle seine Anteile. Für einsurance, die mittlerweile in Check24 umfirmiert hatten, war dies eine strategische Ergänzung durch das starke Affiliateprogramm von Versicherungspartnerprogramm.de.

Rückkehr nach dem Verkauf – Altes Konzept mit neuem Fokus

Insgesamt acht Monate war Jan Schust dann Rentner, doch anstatt sich auf seinen Internet-Millionen auszuruhen, ist er nun zurück und zaubert aus dem Hut eine Firma, die – Trommelwirbel – mit Preisvergleichen im Internet zu den Themen Finanzen, Energie und Telekommunikation in den Markt drängen will. Exakt die gleichen Themen also, mit denen er bereits bei Tarifcheck24 und Wechseln.de großen Erfolg verbuchen konnte.

Mit seinem neuen StartUp Your.de hat Schust sich allerdings höhere Ziele gesetzt. Bisher war der deutschsprachige Raum Hauptziel des Angebots. Mit Your.de hat Schust sich einen, auch im internationalen Markt griffigen Namen ausgesucht, der nicht nur durch den englischsprachigen Part einen großen Vorteil gegenüber den deutschen Domains Tarifcheck24 und Wechseln.de hat. Auch das Know-How und die Erfahrungen im Bereich Preisvergleiche sind ein eindeutiges Plus für den Newcomer. Nicht von ungefähr kommt daher auch die Ankündigung Schusts, das Angebot von Your.de zuerst auf England und die Vereinigten Staaten, sowie zu einem späteren, nicht genauer terminierten Zeitpunkt Spanien, Dänemark und Polen übertragen zu wollen.

Manch böser Zeitgenosse mag dem Hamburger Geschäftsmann nun Einfallslosigkeit vorwerfen oder Plagiarismus. Bis auf den farblichen Wechsel der CI hat sich stilistisch auch nicht viel verändert. Durch die Nutzung seines Affiliateprogramms, das seit der Übernahme auch durch die einsurance AG genutzt wird, liefert die Ergebnissuche identische Treffer bei den Themen (Finanzen: Tarifcheck24 und Your.de oder Telekommunikation: Wechseln.de und Your.de).

Nun mag es Befremdung hervorrufen, wenn der Verkauf der eigenen Firmenanteile dem Partner zunächst wichtige Marktanteile überlässt, sich diese dann durch eine identische Geschäftsidee jedoch wieder zurück holt. Die Gefahr einer gegenseitigen Kanibalisierung sieht Jan Schust aber nicht: „Your.de zielt auf eine schnelle Internationalisierung und um bis zu fünf Länder gleichzeitig mit Content bespielen zu können, braucht es natürlich auch inhaltliche Kooperationen. Das heißt, wir werden nicht alles selbst entwickeln, sondern viele der Inhalte auch auf Basis einer Zusammenarbeit anbieten“, mein Jan Schust zum Thema.

Ein cleverer Schachzug ist es allemal, die eigene Kernkompetenz weiterzuentwickeln und in neuen Märkten Fuß fassen zu wollen. Ein Zauberer wird seinen Blumenzaubertrick auch nicht aus dem Programm streichen, wenn er, statt auf dem Straßenfest nun die Gelegenheit hat, im Zirkus Roncalli aufzutreten.