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Deskwanted beschuldigt eigenen Inkubator

Abenteuerlich klingt das, was das Startup Deskwanted (www.deskwanted.com) derzeit offiziell per Pressemitteilung vermeldet: Nach den Angaben des Berliner Startups soll sie der eigene Inkubator absichtlich in die Insolvenz getrieben haben. Der ist kein geringerer als You Is Now, der Company Builder von ImmobilienScout24, der unter anderem Startups wie CleanBerlin und Meinelocation betreut. Weil vertragliche Zusagen nicht eingehalten wurden, war Deskwanted nach eigenen Aussagen letztendlich in die Insolvenz getrieben worden. ImmobilienScout bestreitet die Vorwürfe. Deskwanted-Geschäftsführer Carsten Foertsch stellte nun einen Strafantrag gegen die beiden ImmobilienScout-Geschäftsführer Marc Stilke und Dirk Hoffmann.

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Unter anderem hätten nicht erbrachte Leistungen in sechsstelliger Euro-Höhe seit Anfang dieses Jahres Deskwanted zahlungsunfähig werden lassen, schreibt Foertsch. Nachdem das Coworking-Startup diese angemahnt hatte, sei die Kooperation seitens You Is Now fristlos und angeblich rechtswidrig gekündigt worden. (Update vom 11. Juli 2013: Dokumente, die Gründerszene zugespielt wurden, bestätigen die Kündigung zu Mitte April dieses Jahres. Die Kündigung wurde am Tag des gültig werdens eingereicht und verlangt eine Büroräumung und die Übergabe der Domains, Marke und Co.) Foertsch selbst habe nach Einreichen der Ermahnung gar Hausverbot bei der Immobilien Scout GmbH erhalten. Weiterhin soll die Telekom-Tochter ImmobilenScout24 angeblich kurzzeitig die Herausgabe von Deskwanted-Eigentum – von Computern bis hin zu Vertragsdokumenten – verweigert haben. Außergerichtliche Verhandlungen schlugen fehl, der Gang zum Insolvenzgericht und die Kündigung aller Mitarbeiter sei unabdingbar gewesen, so Deskwanted.

Anschuldigungen stehen offen im Raum

Deskwanted-Geschäftsführer Foertsch erklärte gegenüber Gründerszene, dass er vom Inkubator-Betreiber zuletzt wie ein „weisungsabhängiger Angestellter“ behandelt worden sei. Zwar seien Rechnungen vereinzelt bezahlt worden, allerdings habe es nicht, wie vertragsmäßig zugesichert, ein Budget für das Jungunternehmen gegeben. Auch seien die Leistungen weitaus geringer ausgefallen, als in den Verträgen vereinbart. Als Foertsch die ausstehenden Beträge anmahnte, sei die Zusammenarbeit zwischen ImmobilienScout24 und Deskwanted fristlos gekündigt worden, berichtet Foertsch weiter.

Auch bei Deskwanted selbst scheint es dabei zu einem Konflikt gekommen zu sein. Nach der Aufkündigung der Verträge habe Joel Dullroy, der zweite Geschäftsführer, sein Amt niedergelegt und alle Angestellten binnen Wochenfrist gekündigt. Mit dem ehemaligen Partner kommuniziere Foertsch derzeit nur über den Rechtsanwalt.

Auf Nachfrage Gründerszenes bestreitet ImmobilienScout die Vorwürfe: „ImmobilienScout24 betreibt seit 2010 mit über zehn Teams erfolgreich den You-Is-Now-Inkubator. Eine Vielzahl der Teams arbeitet auch nach der Inkubation sehr erfolgreich mit ImmobilienScout24 langfristig zusammen. Mit Deskwanted haben wir im vergangenen April die Zusammenarbeit leider beenden müssen. Die jetzt erfolgte öffentliche Reaktion eines einzelnen Teammitglieds halten wir in allen Punkten für haltlos. Wir sehen deshalb derzeit auch keine Veranlassung, uns weiter in dieser Sache zu äußern.“

Mitarbeit: Alex Hofmann

Bild: Flickr/bogenschlag