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Die Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt am Main

Einen großen Strategiewechsel hat die Deutsche Bank vor kurzem verkündet. Einer von sechs Punkten: alle Geschäftsbereiche digitalisieren. Um das zu schaffen, geht die Großbank nun den nächsten Schritt und gibt bekannt, drei Innovation Labs zu eröffnen. In denen soll künftig daran gearbeitet werden, die Produkte, Dienstleistungen und Prozesse der Bank technologisch zu entwickeln. Dafür wird die Bank an den Lab-Standorten mit wichtigen Tech-Konzernen zusammenarbeiten: in Berlin mit Microsoft, in London mit dem indischen Unternehmen HCL und im Silicon Valley mit IBM.

Die Deutsche Bank will nicht nur mit diesen neuen Partnern kooperieren, helfen sollen auch Startups und akademische Einrichtungen. Erklärtes Ziel ist es, „jährlich über 500 Startup-Ideen“ in den drei Labs zu testen. Anfang des vierten Quartals dieses Jahres sollen sie startbereit sein. Diese Ankündigungen der Deutschen Bank bestätigen Medienberichte von Ende letzten Jahres, in welchen Informanten inoffiziell von diesen Plänen erzählt hatten.

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Die Insider berichteten außerdem, dass die Bank sich der Bedrohung durch alternative Bezahlsysteme wie Apple Pay oder Paypal bewusst sei. Auch Rocket Internets öffentlichkeitswirksamer Börsengang und die Bemühungen des Inkubators, einige Fintech-Firmen aufzuziehen, werden der Deutschen Bank nicht verborgen geblieben sein. Henry Ritchotte, COO und CDO der Deutschen Bank, sagte beispielsweise zur geplanten Eröffnung der Labs: „Technologie verändert das Bankgeschäft grundlegend.“ Und: Innovation gehöre zu den Kernwerten des Unternehmens.

Jetzt wird dafür viel Geld in die Hand genommen: Für die Digitalisierung des kundenbezogenen Geschäfts will die Deutsche Bank 200 Millionen Euro investieren, wie sie bereits vergangenen Mai ankündigte. In der jüngsten Präsentation des Strategieschwenks heißt es zudem, dass für alle vier Geschäftsbereiche in den nächsten drei bis fünf Jahren bis zu eine Milliarde Euro für die Digitalisierung ausgeben werden solle.

Können Startups mit Banken arbeiten?

Die Fintech-Szene zeigt sich von diesen Schritten bislang unbeeindruckt. So sagte beispielsweise Number26-Gründer und CEO Valentin Stalf im Gründerszene-Interview: „Wir glauben nicht, dass wir von den Banken plötzlich modernes Online und mobile Produkte erwarten müssen. Gute digitale Produkte zu entwickeln, ist keine Entscheidung, die auf Vorstandsebene getroffen werden kann, sondern sie muss von Grund auf in einem Unternehmen verankert sein.“

Dass Kooperationen zwischen Fintech-Startups und etablierten Banken nicht immer gut gehen, zeigt jüngst das Beispiel von Lendstar und der Commerzbank-Tochter Comdirect: Im Februar ging es los, im Mai war es wieder vorbei. Dazu äußerte sich Comdirect nur kurz gegenüber der Welt: „Es gibt Punkte, wo eine Bank keine Kompromisse machen kann.“ Vielleicht hat die Deutsche Bank da mehr Erfolg.

Bild: © panthermedia.net / Nils Thies