Mit starken Partnern ins Digitale

Mit FinTech ist es ja so eine Geschichte. Klar, die Banken „schreien geradezu danach, disruptet zu werden“, hört man seit Monaten an jeder (Startup-) Ecke. Ihre Digitalisierung hätten sie verpennt, geschehe ihnen recht, wenn sie nun von der Startup-Szene eins drauf bekämen.

Das Interessante ist: Die Banken und Finanzdienstleister schreien wirklich – nach Hilfe. Am lautesten vielleicht gerade die Deutsche Bank. Sie will 200 Millionen Euro in die Digitalisierung ihres kundennahen Geschäfts investieren – in den vergangenen zehn Jahren hatte man in Frankfurt vor lauter Investmentbanking-Milliarden ein paar Mal vergessen, dass es so etwas überhaupt noch gibt.

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Und: Auf der Suche nach digitalen Modellen geht sie den von der Konkurrenz vorgezeichneten Weg mit drei echten Tech-Schwergewichten. Microsoft, IBM und HCL Technologies aus Indien sollen beim Scouten nach digitalen Geschäftsmodellen helfen, berichtete das Wall Street Journal gerade. Man sei sich zumindest der Bedrohung durch alternative Bezahlsysteme wie Apple Pay oder Paypal bewusst, zitiert das Magazin einen Insider. Man darf vermuten, dass spätestens seit dem Börsengang auch Rockets diverse Ambitionen der Bank nicht verborgen geblieben sein dürften, dazu kommen eine ganze Reihe kleinerer Startups, die sich im FinTech-Segment versuchen.

Vorgesehen sind dem Bericht zufolge drei Standorte: London, das Silicon Valley und Berlin. In der deutschen Hauptstadt betreibt die Deutsche Bank seit einigen Jahren schon ihre „Filiale der Zukunft“. Wer in der Mittagspause eine defekte EC-Karte austauschen lassen will, muss allerdings wohl auch zukünftig eine Viertelstunde in der Schlange stehen, wie der Praxistest zeigt.

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Es greift aber zu kurz, die Banken für ihr langes Zögern einfach nur zu schelten. Wichtig ist, dass sie nun endlich aktiv werden. Denn es ist ja nicht nur die Deutsche Bank. Auch die Citigroup, die spanischen Banken Santander und BBVA oder die britische HSBC haben international Geld für Investitionen in Startups bereitgestellt. Barclays hat einen Inkubator in Zusammenarbeit mit der VC-Firma Techstars gestartet, andere Institute wie Lloyds, Rabobank und Intesa Sanpaolo sind einige der Sponsoren des Startupbootcamp FinTech. Hierzulande hat sich die Commerzbank mit ihrem Main Incubator und einem eigenen VC-Arm bislang am breitesten aufgestellt.

Interessant wird zu sehen sein, wie sich die Zusammenarbeit mit Startups in der Praxis gestalten wird. Denn ob das immer wieder zitierte Konzept der Inspiration oder der Ideenfindung wirklich funktioniert, dafür gibt es keinen Beleg. Nicht nur bei den Banken, auch in anderen Industriezweigen von Telekomunikation über den Lebensmittelbereich bis hin zum Energiesegment. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Bild: © panthermedia.net / Nils Thies