Startup-Deutschland im Börsenfieber. Es ist ja schon viel debattiert worden, ob die Szene ein eigenes Handelssegment für junge, wachstumsstarke Unternehmen braucht: Angestoßen hatte die Diskussion noch der frühere Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, sein Nachfolger Gabriel fand deutliche Worte in Richtung Frankfurt, in der Szene waren nicht alle begeistert. Vor allem aber die Börse selbst hat sich bislang gesträubt. Und will mit dem neuen Venture Network lieber erst einmal schauen, wie groß die Nachfrage wirklich ist – sowohl auf Startup- als auch auf Investorenseite. Offiziell beschreibt die Börse das Projekt als „nicht-öffentliche Onlineplattform zur Anbahnung von Finanzierungsrunden“. Auch verschiedene Trainings- und Networking-Veranstaltungen soll es geben.

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Interessierte Unternehmen, erklärt der Frankfurter Handelsplatzbetreiber, qualifizieren sich nach bestimmten Auswahlkriterien für eine Aufnahme in das Programm. So müssen sich die Unternehmen „in der Entwicklungsstufe der Spätfinanzierung, der sogenannten Growth-, Late- oder Pre-IPO-Phase befinden und erste unternehmerische Erfolge aufweisen“. Außerdem würden bestimmte Kenngrößen, darunter Umsatzwachstum, Unternehmenswert und Profitabilität, für eine Aufnahme berücksichtigt. Auf die Meinung von einflussreichen Investmentbanken und Intermediären will die Deutsche Börse derweil nicht hören. Angesprochen werden insbesondere deutsche und internationale Investoren aus den Bereichen Private Equity, Venture Capital, Family Offices, Publikumsfonds sowie vermögenden Privatpersonen.

Nun lässt sich der Handelsplatzbetreiber ein wenig in die Karten schauen und verrät, welche Jungunternehmen zum Start der Plattform im Juni mit dabei sein werden. Beim ersten Blick wird klar, dass sich derzeit vor allem E-Commerce-Unternehmen für das Venture Network interessieren: Der Plattform-Anbieter 004, die Sehhilfenshops Brillen.de und Brille24, der Möbelhändler Home24, das „Internetkaufhaus“ Hitmeister oder die Mode- und Möbelplattform Stylefruits etwa. Auch der Re-Commerce-Anbieter ReBuy sucht über die Plattform den Investorenkontakt. Aber auch jenseits des Online-Handels stößt die Plattform auf Zuneigung: Die Kunstbörse Auctionata, das Scoringunternehmen Kreditech, die Kommunikations-Anbieter Swyx und NFON sowie das Biotech-Unternehmen Proteros komplettieren die Liste.

Ob aus der Plattform einmal ein eigenes Börsensegment werden kann, ist nach Angaben der Börse noch offen. Genau so, ob die Plattformteilnehmer tatsächliche IPO-Kandidaten sind.

Durch Abwesenheit glänzen übrigens die gehandelten Börsenkandidaten Windeln.de und Mister Spex. Ersterer sicherlich deshalb, weil der IPO längst angekündigt ist: Bereits in wenigen Tagen soll der Gang auf das Parkett erfolgen, die Angebotsphase läuft bereits. Beim Berliner Mister Spex hingegen finden sich Parallelen zu Windeln.de: Wie der Babyartikelshop hat sich Mister Spex mit der letzten Finanzierungsrunde Goldman Sachs in den Gesellschafterkreis geholt und schwarze Zahlen präsentiert. Ist der IPO der Berliner also nur noch eine Frage der Zeit?

Bild: „Bulle und Bär Frankfurt“ von Eva K.Eva K.. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons.