Das ist mal eine Nachricht: Deutschland ist, zumindest laut einer neuen Studie, das beste Land der Welt. Das Nachrichtenmagazin U.S. News & World Report, sonst vor allem bekannt für seine Rankings der weltweiten Top-Unis, hat gemeinsam mit der Wharton Business School und der Marken-Beratung BAV erstmals eine Rangliste darüber erstellt, wie Staaten auf der Welt wahrgenommen werden. Vorgestellt wurde die Studie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Dass die Deutschen von den 16.000 befragten Studienteilnehmer aus aller Welt an die Spitze gewählt wurden, ist schon spannend genug. Noch überraschender ist aber das Ergebnis der Subkategorie „Entrepreneurship“: Deutschland ist demnach auch das gründerfreundlichste Land der Welt.

Dieses Ergebnis war, vorsichtig gesagt, nicht unbedingt zu erwarten. Starke etablierte Industrien, eine vermeintlich überbordende Bürokratie, eine fehlende Gründerkultur und ein Mangel an Risikokapital – all diese Faktoren hätten Deutschland, so heißt es normalerweise, eher zu einem Gründungs-Entwicklungsland gemacht. Der aktuellste Global Entrepreneurship Monitor (Zahlen von 2014) erklärte Deutschland zum zwölftschlechtesten Gründerland der Welt. Im „Doing Business“-Ranking der Weltbank schafft es Deutschland immerhin auf Platz 15, in der Unterkategorie „Starting a Business“ fällt das Land aber auf Platz 107 (!) zurück. Im Digital-Ranking der EU-Kommission rangierte Deutschland im vergangenen Jahr nur auf Platz 10.

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Woher rührt also diesmal die Top-Platzierung? Besonders gut schneidet Deutschland laut U.S. News bei den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Infrastruktur (jeweils 10 von 10 Punkten), dem Bildungsniveau (9,8 von 10) und der Qualifizierung der Arbeitskräfte (9,6) ab. „Nur“ 7,8 von 10 Punkten gibt es bei der Frage, wie innovativ das Land sei, jeweils 7,9 Punkte im Bezug auf den Zugang zu Kapital und die Transparenz von Geschäftspraktiken.

Auf den Spitzenreiter folgen im Entrepreneurship-Ranking Japan, die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Kanada: allesamt ausgewachsene Industrienationen. Daran ist zu erkennen, welche Faktoren die U.S. News für besonders gründerfreundlich hält: stabile Rahmenbedingungen, eine potente Wirtschaftskraft, gute Strukturen.

In Deutschland, so erklären die Autoren der Studie, „blühen Startups in der strukturierten Umgebung des Landes auf“, außerdem seien die deutschen Jungunternehmen „auf der ganzen Welt bekannt für ihre Effizienz und Präzision“. Besonders in Berlin sammelten sich „Talente und kreative Energie“, die Stadt sei ein „aufstrebender Startup-Standort, in dem Pioniere wie die Musikplattform SoundCloud genauso zuhause sind wie die European School of Management and Technology, die Gründertum zu einem Schlüsselelement ihrer Ausbildung gemacht hat“.

Bild: Getty / RICOWde