Vural Öger, Judith Williams und Jochen Schweizer (rechts) – er investierte bislang am meisten Geld

Sobald das Scheinwerferlicht im Studio von „Die Höhle der Löwen“ erloschen ist, beginnt für die fünf Juroren und die Gründer die tatsächliche Arbeit. Die Investoren und ihre Teams sehen die Verkaufszahlen und Bilanzen dann zum ersten Mal schwarz auf weiß – und die Beteiligten verhandeln über die Verträge. So kommt es immer wieder vor, dass sich Investoren und Startups doch nicht auf einen Deal einigen können. Weil über diese „dritte Halbzeit“ im Fernsehen kein Wort verloren wird, gibt es immer wieder Beschwerden von Zuschauern und Medien. „Betrug am Zuschauer“, titelte der Boulevard gar. Auch wurden Zweifel laut, ob die Löwen überhaupt genügend Geld für größere Investments hätten.

Wir haben die verschiedenen Puzzle-Stücke zusammengetragen – und Antworten auf folgende Fragen gesucht: Wie viele Deals sind am Ende zustande gekommen? Welche Summen haben die Investoren in der Show versprochen? Und wie viel Geld ist wirklich geflossen? Vor der letzten DHDL-Folge am Dienstag zeigten wir bereits, dass mindestens 18 Deals im Nachhinein platzten. Jetzt wissen wir, dass es insgesamt 21 von 35 sind. Fünf werden noch verhandelt.

Update, 31. Oktober 2015: „Frank Thelen hat im Zuge der Show 383.000 Euro in vier Startups investiert. Bei einigen Startups erhöhte er außerhalb der Show seine Investments noch einmal, etwa bei MeineSpielzeugkiste und CrispyWallet. Es seien 550.000 Euro in die vier Startups geflossen, sagt Thelen. Gründerszene hatte von insgesamt 235.000 Euro geschrieben. Außerdem hat Lencke Steiner 50.000 Euro in CrispyWallet investiert – und nicht 25.000 Euro, wie wir fälschlicherweise geschrieben haben. Wir bitten die Fehler zu entschuldigen.“

Hier zeigen wir das ganze Bild – die Ergebnisse von zwei Staffeln, 20 Folgen und über 115 Pitches: Mehr als fünf Millionen Euro an Investitionen waren einmal geplant – bisher sind etwa 1,8 Millionen Euro tatsächlich geflossen.

Wir haben die Löwen nach ihrer in der Show zugesagten Investmentsumme sortiert:

Jochen Schweizer

Der 58-Jährige war früher einmal Stuntman, heute verkauft er mit seinem Unternehmen Gutscheine für Erlebnisse wie Bungee-Jumping, Quad-Fahren oder Abendessen im Dunkeln. Schweizers Unternehmensgruppe, zu der 21 Tochterfirmen gehören, verzeichnete im Jahr 2014 nach eigenen Angaben Umsätze in Höhe von 70 Millionen Euro.

Was Schweizer in der Show versprach

Jochen Schweizer sagte in der ersten Staffel zunächst acht Investments über etwa 670.000 Euro zu. In der zweiten Staffel wollte er 1,19 Millionen Euro in zehn weitere Firmen investieren. Insgesamt sind das fast 1,9 Millionen Euro.

Investmentfokus

Gemischt. Das Wichtigste sei für ihn, so Schweizer im Gründerszene-Interview, dass er die Idee der Gründer aus seiner Organisation heraus unterstützen könne. Die Konzepte müssten nicht immer etwas mit seinem eigenen Geschäft zu tun haben.

Welche Deals umgesetzt wurden

Bisher sind drei Deals aus der aktuellen Staffel in trockenen Tüchern:

  • An Babo Beverages übernahm Schweizer 12,5 Prozent für 50.000 Euro.
  • In das Fintech-Startup Lendstar investierte er 250.000 Euro und erhielt sechs Prozent der Anteile.
  • Auch mit dem Sportausrüster iFlow sei man ins Geschäft gekommen, bestätigt ein Sprecher von Jochen Schweizer. Der Deal sei so ähnlich wie in der Show besprochen geschlossen worden. Da plante Schweizer, für ein Drittel an der österreichischen Firma 360.000 Euro zu zahlen.

Vier weitere Absprachen – mit Dinnery, GreenLab, Heimatgut und Bademeisterei – schafften es nicht durch die Due Diligence und es gab keinen Deal. Auch der Kredit an Mobilegarden über 20.000 Euro wurde nicht vergeben – eine von Schweizer zusätzlich zugesagte Summe von 20.000 Euro floss aber wie besprochen in ein grünes Projekt.

Mit dem Kakao-Hersteller Koawach wird noch verhandelt. Das Problem: Die Altinvestoren waren mit der in der Show versprochenen Umsatzbeteiligung nicht einverstanden. Pro verkauftem Produkt sollten 30 Cent an Schweizer gehen. Investieren wollte er ursprünglich 120.000 Euro für 15 Prozent. Auch mit Daniel Keller von My Schoko World wird weiter verhandelt. Er sollte für sein Unternehmen 80.000 Euro bekommen und 25,1 Prozent abtreten. Seine Produkte werden bereits über Jochen Schweizers Portal verkauft.

Ergebnis der zweiten Staffel (vorläufig): Drei Investments, etwa 660.000 Euro

In der ersten Staffel kamen drei von Schweizers Investitionen zustande. Der Unternehmer investierte in MusicWorks, MeineSpielzeugkiste und HipTrips. Weitere fünf Vorhaben wurden nicht umgesetzt (Le Petit Raisin, Locca, Adamus, Power Pack, MyLovesong).

Ergebnis der ersten Staffel (endgültig): Drei Investments, 310.000 Euro

Von den in der Show angekündigten 1,9 Millionen für 18 Startups sind bisher 970.000 Euro in sechs Unternehmen geflossen. Jochen Schweizer sagt dazu gegenüber Gründerszene: „Das ist wie im realen Leben. Denn auch dort führt eine Due Diligence in vielen Fällen dazu, dass ein geplanter Deal nicht – oder nicht so wie gedacht – zur Beurkundung gelangt.“

Auf Seite 2: Die Investments von Frank Thelen

Bild: Vox, Bernd-Michael Maurer