Investor Frank Thelen testet in der „Höhle der Löwen“ die Spielzeugdrohne von TobyRich

Erst lief alles nach Plan, als Vox am 29. September ihren Auftritt in der „Höhle der Löwen“ ausstrahlte. Noch am Abend stiegen die Zugriffszahlen der Website auf etwa 170.000 Besucher, an anderen Tagen waren es sonst nur einige tausend. Während Tobias Dazenko und Ulrich Ditschler, die beiden Gründer von TobyRich, in der Show noch ihre Spielzeugdrohnen vorführten und Frank Thelen das kleine Flugzeug vergnügt durch das Sendestudio lenkte, kauften die ersten Kunden bereits im Webshop des Bremer Startups ein.

Und dann das.

Sie kümmerten sich gerade um die neuen Bestellungen, als wenige Tage nach der Sendung eine Mail im Postfach des Gründers Dazenko landete. „Ihr PayPal Konto“ stand dort in der Betreffzeile. In der Nachricht bat der Zahlungsdienstleister darum, den „Grund für den Umsatzanstieg“ und weitere Details zu dem Geschäft des Startups aufzulisten.

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Drei Tage später folgte eine Erinnerungsmail: Diesmal forderte PayPal, weitere Dokumente wie die Unternehmensbilanz einzureichen. In der Mail, die Gründerszene vorliegt, heißt es außerdem: „Um gemeinsam an der Lösung arbeiten zu können, haben wir Ihr PayPal-Konto vorübergehend eingeschränkt“. Das hieß: Die Gründer von TobyRich konnten nicht auf ihr Geld zugreifen. Für das Startup fühlte sich die Sperrung wie ein Schlag in die Magengrube an.

Nach einem Telefonat und dem Einreichen der geforderten Unterlagen entschied sich PayPal, das Konto wieder zu entsperren. Mit einer Einschränkung: Für den „Fall von Rückbuchungen, Anträgen auf Käuferschutz und Rücklastschriften“ blockte der Zahlungsanbieter 15.000 Euro des aktuellen Guthabens, was etwa 30 Prozent des aufgrund der Sendung gemachten Umsatzes entsprach. Zusätzlich sollten 15 Prozent der täglich eingehenden Zahlungen „für jeweils 45 Tage“ einbehalten werden. Ulrich Ditschler findet dafür drastische Worte: „Ich fühlte mich kurz nach der Sendung richtig ins Knie gefickt.“

Der starke Umsatzanstieg fiel Paypal auf

Um den Fall zu verstehen, muss man wissen, dass TobyRich normalerweise kaum Umsätze über seinen Webshop macht, ein Großteil der Spielzeugdrohnen wird über den Handel vertrieben. Lediglich ein Prozent seien in der Vergangenheit übers Netz verkauft worden, sagt Ditschler. Der starke Umsatzanstieg fiel Paypal auf, eine Untersuchung wurde eingeleitet. Die einbehaltenen Reserven sollten unter anderem dem Käuferschutz dienen. PayPal begründet das Vorgehen gegenüber Gründerszene: „Die Bildung von Reserven erfolgt basierend auf einer Risikoeinschätzung des PayPal-Kontos des Händlers“. Zum einzelnen Fall will sich PayPal nicht äußern – und verweist auf das Bankgeheimnis.

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TobyRich-Gründer Ditschler versteht den Gedanken dahinter – sagt aber: „Wir hatten einen Großteil der Produkte zu dem Zeitpunkt ja bereits ausgeliefert.“ Er habe PayPal angeboten, die Trackingnummern für alle Sendungen nachzureichen. „Das hat PayPal aber wenig interessiert.“ Zwar sei vorher klar gewesen, dass PayPal eine Reserve einbehalten würde – mit so viel Geld habe er allerdings nicht gerechnet. „Wir sind von ungefähr fünf Prozent ausgegangen“, sagt Ditschler. Ein „klarer Fahrplan“ habe einfach gefehlt, wie die Gründer das komplette Geld zurückbekommen könnten.

Warum PayPal eine derartig hohe Summe einbehielt? Das Unternehmen lässt sich diesbezüglich nicht in die Karten schauen: „Die individuellen Bedingungen richten sich danach, was PayPal im jeweiligen Fall für notwendig erachtet“, schreibt der Bezahldienst. Das ganze sei „ein normaler Vorgang in der Finanzbranche“. Insbesondere bei Vorbestellungen würden „üblicherweise Reserven gebildet“. Das Bremer Startup hält dagegen, lediglich rund ein Zehntel des Umsatzes mit Vorbestellungen gemacht zu haben.

Happy End für das Drohnen-Startup

Das Problem ist in der Branche bekannt. Oliver Prothmann vom Bundesverband Onlinehandel sieht Vor- und Nachteile: „Ich bin für den Käuferschutz durch die Regelung, aber mir ist bewusst, dass es Unternehmen daran hindert, schnell zu wachsen.“ PayPal müsse besser kommunizieren, wie sich junge Unternehmen beispielsweise bei einem Fernsehauftritt auf einen Umsatzanstieg vorbereiten könnten – um die hohen Reserven zu verhindern. „Es muss eine Möglichkeit geben, von einer hohen Mindestreserve runterzukommen“, so Prothmann gegenüber Gründerszene.

Wegen des Streits entfernte TobyRich schließlich Paypal als Bezahlmethode aus dem Webshop. Erst einmal wollte Ulrich Ditschler seine 15.000 Euro wiederhaben. Fünf Tage lang tat sich nichts – dann ergab sich eine überraschende Wendung in dem Fall: PayPal meldete sich noch einmal – und gab das Geld wieder frei. Es war genau der Tag, an dem die Gründerszene bei PayPal die Details zu dem Fall angefragt hatte. Zufall? Das lässt sich nicht so genau sagen. Die TobyRich-Gründer jedenfalls waren erleichtert – und haben PayPal vorerst wieder als Bezahloption auf ihre Seite genommen.

Bild: Vox