Diagnosia

Die Diagnosia-Gründer Lukas Zinnagl (links) und Marco Vitula

Ungemütliche Informationen über sein Schmerzmittel Novalgin will sich der französische Pharmakonzern Sanofi nicht gefallen lassen: Ende Dezember reichte er gegen das Wiener E-Health-Startup Diagnosia Klage ein. Das hatte dem Wirkstoff des Präparats, Metamizol, in seiner Arzneimittel-Datenbank potenzielle Wechselwirkungen und unerwünschte Arzneimittelwirkungen in Verbindung mit anderen Medikamenten zugeschrieben. Angeblich zu Unrecht.

Der Pharmariese versucht seit Monaten, entsprechende Behauptungen zu unterbinden und pocht auf eine Richtigstellung. Bislang ohne Erfolg: Diagnosia sieht keinen Grund, den Risiko-Hinweis zu entfernen und verweist unter anderem auf Forschungsliteratur und Untersuchungsergebnisse einer finnischen Firma, die mit dem renommierten schwedischen Karolinska Institut zusammenarbeitet.

Trotzdem: Im Gespräch mit Gründerszene räumt Diagnosia-Geschäftsführer Marco Vitula Widersprüche in der Forschungslage zu Metamizol ein – auch auf internationaler Ebene. So ist das Medikament zwar in Deutschland und Österreich zugelassen, nicht aber in den USA, Großbritannien oder Schweden.

„Es gibt unterschiedliche wissenschaftliche Meinungen dazu“, meint Vitula. Bestimmte mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen seien Metamizol aber nun mal im Rahmen von Studien attestiert worden, weshalb man sich dazu verpflichtet sehe, diese auch aufzuführen. „Wir wollen Krankenhäuser und Ärzte bestmöglich unterstützen. Deshalb raten unsere Datenbanken nicht grundsätzlich vom Medikament ab, sondern sprechen von Risiken, die der Arzt schlussendlich abwägen kann“, so Vitula.

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Juristisch wird die wissenschaftliche Frage nach der Wirkung von Metamizol keine Rolle spielen. Sanofi wirft dem Startup viel mehr Ruf- und Kreditschädigung vor. Vorsätzlich und wider besseren Wissens soll Diagnosia falsche Informationen verbreitet haben.

„Die Forderungen sind teilweise dreist“, befindet Diagnosia-Mitgründer Lukas Zinnagl – selbst Mediziner – und beteuert, dass man Pharmaunternehmen grundsätzlich neutral gegenüber stehe. Doch das aggressive Vorgehen und die vor der Klage kaum vorhandene Kooperationsbereitschaft des Pharmaherstellers hätten das Startup massivem Druck ausgesetzt. Einknicken will es auf keinen Fall: „Es geht hier um die Patientensicherheit“, so Zinnagl.

Eine einstweilige Verfügung gegen Diagnosia wurde bereits abgewiesen. Auch deshalb rechnet sich das Startup im Prozess gegen Sanofi gute Chancen aus.

Eigentlich hätte der Prozess nach Informationen des österreichischen Nachrichtemagazins Profil am heutigen Dienstag beginnen sollen, sei aber auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Aus administrativen Gründen, wie Vitula klarstellt. Die Streitsumme beziffert das Magazin auf 20.000 Euro. Sanofi selbst lehnt es ab, sich zum laufenden Verfahren zu äußern.

Lukas Zinnagl hatte Diagnosia 2011 gemeinsam mit Fritz Höllerer und Marco Vitula gegründet. Das Startup stattet Krankenhäuser mit einer Art elektronischem Handbuch aus, dem Ärzte und Apotheker Informationen über mögliche Wechselwirkungen von Medikamenten entnehmen können.

Bild: Michael Rausch-Schott