DiaMonTech-Gründer

Drei von vier DiaMonTech-Gründern: Rainer Gith (links), Prof. Dr. Werner Mäntele und Thorsten Lubinski

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland haben Diabetes. Ihren Blutzuckerspiegel müssten sie eigentlich mehrmals täglich messen, statt der empfohlenen fünf bis 15 Messungen werden im Schnitt aber nur eineinhalb durchgeführt. Dazu ist in der Regel ein kleiner Stich in die Fingerspitze notwendig, denn bei herkömmlichen Messmethoden wird der Glukose-Gehalt des Blutes anhand eines Bluttropfens ermittelt. Eine unangenehme Prozedur.

Ein Forscherteam der Frankfurter Goethe-Universität will die Blutzuckermessung nun „ohne Piks“ ermöglichen. Dazu arbeitet die Gruppe um Biophysik-Professor Dr. Werner Mäntele seit über fünf Jahren an einem nicht-invasiven Gerät. Es bestimmt den Blutzuckerwert über einen Laser, der Infrarotlicht aussendet. Der Finger wird dazu auf ein Messfeld gelegt, das Licht dringt durch die Haut und trifft in der sogenannten interstitiellen Flüssigkeit, in einer Zwischenschicht der Haut, auf Glukose-Moleküle, die es selektiv absorbieren. An der Hautoberfläche äußert sich diese Absorption als Wärme, aus der das Gerät innerhalb von Sekunden einen Glukosewert ermittelt. Für den Patienten bedeutet das vor allem: keine Blutentnahme, keine Nadeln. Die Entwickler des Geräts versprechen, die Methode sei schmerzfrei.

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Viele Diabetiker, die den Stich in den Finger scheuen, dürfte das freuen. Auch Mediziner könnte die patentierte Methode überzeugen, denn: Je mehr Messungen ein Patient vornimmt, desto besser lässt sich die Zuckerkrankheit beherrschen.

Doch es gibt es mehrere Haken: Noch steht das Gerät im Labor und ist etwa einen Quadratmeter groß. Professor Mäntele vergleicht den Umfang im Gründerszene-Gespräch mit dem einer Tisch-Modelleisenbahn. In spätestens 18 Monaten wollen die Forscher die Apparatur aber geschrumpft haben, dann könnte das Messgerät so groß sein wie ein Schuhkarton oder eine Zigarrenkiste. Das deutlich handlichere Gerät soll dann in Kliniken getestet werden und anschließend zunächst in Praxen zum Einsatz kommen. Erst dann wolle man den B2C-Markt angehen, denkbar wäre zum Beispiel ein Armband, das den Blutzuckerspiegel selbstständig misst und ans Smartphone funkt. Der Weg bis dahin ist aber noch sehr lang, die Entwicklung soll schrittweise stattfinden. Das Armband könnte in zehn bis 15 Jahren erscheinen, prognostiziert Mäntele.

Messgerät

Schuhkarton-Größe: So könnte das Messgerät in einigen Jahren aussehen.

Zur Vermarktung des Produkts wurde im April dieses Jahres die DiaMonTech GmbH gegründet, Geschäftsführer ist Thorsten Lubinski, der bereits den Social-Games-Publisher Plinga mitgegründet hat. Gerade erst konnte das Startup eine Seed-Runde abschließen, an der sich nach Angaben von Lubinski acht Business Angels beteiligten.

Der Markt für neue Arten der Blutzuckermessung ist keinesfalls unbesetzt. Unter dem Handelsnamen FreeStyle Libre wird zum Beispiel ein kleines Scan-Gerät angeboten. Das dabei angewendete „Flash Glucose Monitoring“ ist aber nicht ganz piksfrei: Der Patient muss einen Sensor unter die Haut führen, der den Glukose-Gehalt des Blutes kontinuierlich überwacht. Mit dem Scanner liest man die erhobenen Daten lediglich ab.

Auch Google arbeitet an einem Gadget zum Zucker-Check: 2014 gab der Suchmaschinenriese bekannt, bereits seit mehreren Monaten an Kontaktlinsen zu tüfteln, die den Glukose-Gehalt der Tränenflüssigkeit messen und an eine App übermitteln. DiaMonTech-Geschäftsführer Thorsten Lubinski sieht das skeptisch: In der Tränenflüssigkeit befänden sich zum einen wenig Glukose-Moleküle, zum anderen träten Veränderungen hier verzögert auf. Wenn die Kontaktlinse eine Unterzuckerung erst Stunden später melde, könne das für den Patienten gefährlich werden.

Lubinski ist sich sicher, dass sich aktuell auch andere Wissenschaftler mit der Laser-Messung beschäftigen. Doch DiaMonTech wolle mit seiner Technik der erste Anbieter am Markt sein. Trotzdem bleiben die Macher der Apparatur realistisch: „Wir können Diabetes nicht heilen“, heißt es auf der DiaMonTech-Seite, „aber wir können helfen, es besser zu kontrollieren.“

Bild: DiaMonTech