Teil II: Geschäftsmodelle im Social Commerce

Tradoria – The Longtail Pionier

Wie Jochen Krisch schon sagt lässt sich das Geschäftsmodell von Tradoria am besten mit Dawanda vergleichen. Beide vereinen die unterschiedlichsten Händler, Verkäufer und Produkte auf einer Plattform. Dawanda ist zwar in den sozialen Komponenten weit überlegen aber wenn es für den Kunden zur Kasse geht wird der Unterschied deutlich. Zwar hat man bei Dawanda (oder Ebay Express, Amazon) einen einheitlichen Warenkorb aber wenn es an die Bestellung geht wird es ein wenig ungemütlich für den Kunden. Nun wird er teilweise mit unterschiedlichen AGB´s und Versandbedingungen konfrontiert und das ist oft gar nicht so einfach. Bei Tradoria geht es in einem Rutsch durch. Gemeinsamer Warenkorb, einheitliche Händler AGBs, zentrale Zahlungsabwicklung und Versandkostenfreiheit gestalten den Checkout-Prozess so einfach wie möglich.

Wie das geht? Ganz einfach. Händler können ihren eigenen individualisierten Online-Shop einrichten und Produkte anbieten. Die Produkte aus allen Shops werden auf dem Shopping-Portal Tradoria zusammengefasst und können dann nahezu barrierefrei und nach belieben gekauft werden. Der Kunde merkt dabei nicht ob er gerade bei einem oder bei 10 Händlern gekauft hat. Das ist ihm auch egal. Er zahlt den Verkaufspreis. Sonst nichts. Alles andere hat Tradoria schon im Vorfeld mit den Händlern geregelt. Tradoria fungiert dabei als zentraler Fullfilment-Anbieter und gewährleistet die Einhaltung aller Rechtsvorschriften. Von der Zahlungsabwicklung über das Versand- und Retourenmanagment bis hin zum Händlersupport. Die Händler übernehmen den Versand und die Versandkosten. 80% sind damit hochzufrieden und möchten das es so bleibt wie eine aktuelle Umfage von Tradoria zeigt.

Tradoria sorgt nicht nur für den sorglosen Einkauf des Kunden sondern geht mit seinem Konzept auch gezielt auf die Bedürfnisse von Longtail Händlern ein wie Tobias (Gründer) im Interview mit dem Interview-Blog verlauten lässt. Seiner Meinung nach sind es die kleinen Händler die mittelfristig die Massenversender im Umsatz überholen werden. Carsten Völler bezeichnet den Einkauf sogar als echte Alternative zu Ebay Express und Amazon sollten die beiden Gründer Tobias Kobier (31) und Beate Rank (36) es schaffen genügend Händler mit attraktiven Produkten zu aquirieren. Auch Peter Höschl vom Shopanbieter Blog ist der Meinung, dass das Potential der kleinen Shops im E-Commerce noch unterschätzt wird und untermauert mit einer Studie, dass Nischen und Speziell Interest Anbieter sich zu den Treibern des E-Commerce entwickeln. Aus dieser Studie geht auch hervor , dass die kleinen Händler bereits die Großen in der Wachstumsdynamik schlagen.

Ein Kunde von Tradoria bringt die Ansprüche und Bedürfnisse von vielen kleinen Händlern auf den Punkt und erläutert im Blog warum man sich für diese Lösung entschieden hat. „Wichtig ist uns, dass wir möglichst wenig mit dem Shop selbst zu tun haben müssen. Unsere, eh schon recht knappe, Zeit möchten wir lieber in das Online Marketing stecken.“ Aus den Gründen die zur Entscheidung für Tradoria führten lassen sich folgende Bedürfnisse von kleinen Longtail Händlern ableiten:

  • Geringe bis keine Investionskosten zur Shoperstellung gewünscht
  • Unabhängigkeit (keine Fixkosten, Mindestumsätze, Vertragslaufzeiten)
  • Übernahme der Administration und Shopbetreuung aus Zeitmangel
  • Absicherung des Zahlungsverkehrs
  • Gewährleistung der Rechtssicherheit (Abmahnung etc.)
  • Unterstützung im Marketing und Support

Dies alles berücksichtigt Tradoria konzeptionell und ist damit bestens aufgestellt. Nicht umsonst ist das Unternehmen unter den Top 10 des Startup Barometers von Deutsche Startups für den Monat Mai zu finden und wurde neulich in der Wirtschaftswoche mit andere Social Commerce Startups vorgestellt. Im Gegenzug für die erbrachten Leistungen ist Tradoria an jeder Bestellung mit einer Transaktionsgebühr in Höhe 8,5 Prozent vom Bestellwert (zzgl. USt.) beteiligt.

Tradoria ist seit dem 10.April 2007 am Start und konnte in der relativ kurzen Zeit bereits 62 Händler mit knapp 3500 Produkten begeistern. Tradoria wird noch von beiden Gründern eigenfinanziert. Derzeit ist man für die Finanzierung des weiteren Wachstum auf der Suche nach Unterstützung. Die Zeiten scheinen günstig zu sein wie die aktuelle Beteiligung von Burda an dem Social Shopping Dienst Edelight zeigt. Gründerszene hatte darüber berichtet. Die beiden Gründer sind schon länger in der Gründerszene unterwegs und haben bereits 2001 eine Internetagentur gegründet. Aus den Bedürfnissen der damaligen Kunden ist dann die Shopping Plattform entstanden. Neben Direktmailing Aktionen wird Werbung in Fachpublikationen und Newslettern geschaltet, um auf sich aufmerksam zu machen. Über ein Provisionsmodell gibt es auch ein Händler-werben-Händler Programm. Neben einer guten Positionierung bei Suchmaschinen setzt Tradoria zukünftig auch auf ihr neues Partnerprogramm „myTradoria“ welches demnächst starten soll. Das Konzept myTradoria soll es Nutzern auf Partnerbasis ermöglichen auf drei verschiedenen Arten Geld zu verdienen. Durch die Einbindung von Bannerwerbung, dynamische Shopping Widgets mit denen die Inhalte der Plattform im Netz gestreut werden können und sogenannte myShops die die Eröffnung eines eigenen Shop mit Tradoria Produkten ermöglicht. Dies alles führt zu einer zielgerichteten Streuung der Produkte im Netz und hilft Traffic auf die Platform zu bekommen der nötig ist, um das vielfältige Angebot einer breiten Masse zugänglich zu machen.

Laut Angaben der Gründer wächst Tradoria kontinuierlich. Auch das Bestellvolumen hat inzwischen spürbar angezogen. Die Welt möchte Tobias mit seinem Geschäftsmodell nicht gleich verändern aber seiner Meinung nach befindet sich der E-Commerce Markt gerade in einem Umbruch. Kurzfristig sollte es Tradoria von daher möglich sein 1000 Händler dazu zu gewinnen. Mittelfristig möchte man den „Schwanz von hinten aufrollen“ und zu den Großen Shopping-Anbietern aufschließen.

Tradoria in Zahlen:

Gründung: April 2007
Gründer: 2
Mitarbeiter: 4 (mit Internetagentur)

Nutzer: 62 (geprüfte Händler) + 68 (in Vorbereitung)
Artikel: knapp 3500

Google Treffer: 45.800
Technorati: 75

Anzahl aller Produkte bei Tradoria: 3499
Anzahl der Produkte des größten Anbieters bei Tradoria: 296 (kiddyflizzer)

Teuerstes Produkt bei Tradoria: 7.116,20 EUR (Pendelleuchte TJAO RONDO)
Günstigstes Produkt bei Tradoria: 0,50 EUR (1g Sehestedter Naturfarben Perlmutt lila/grün)

Anzahl der kleinen Händler die derzeit bei Tradoria verkaufen: 62
Anzahl der kleinen Händler die es deutschlandweit gibt (Schätzungen): 600.000

Am besten bewertetes Produkt auf dem Top-Flop-Shop-Blog:
TABASAMU Puppe Thuku

Am schlechtesten bewertetes Produkt auf dem Top-Flop-Shop-Blog:
Der Schlüssel zu meinem Herzen

Verkaufschlager bei Tradoria: Zeckenzange
Ladenhüter bei Tradoria: Hot Man Pheromongel

Versandkosten bei einer Bestellung von EINEM Produkt: Versandkostenfrei
Versandkosten bei einer Bestellung von 100 Produkten: Versandkostenfrei

Lieblingsprodukt von Tobias Kobier: Briefbeschwerer GRAND PRIX 1928
Lieblingsprodukt von Beate Rank: TABASAMU Puppe Muthoni

Bewertung der Verkaufzahlen des Lieblingsproduktes von Tobias Kobier: sehr gut
Bewertung der Verkaufzahlen des Lieblingsproduktes von Beate Rank: könnte noch besser sein

Bisher erschienene Artikel der Serie: