Teil II: Geschäftsmodelle im Social Commerce

Schutzgeld.de – Ein Tag, Ein Produkt, Ein Preisverbrechen

Schutzgeld ist im August 2006 als erstes Live Shopping Konzept in Deutschland gestartet. Inzwischen gibt es wohl neun weitere deutsche Konzepte dieser Art. Mit Cyberport24 ist sogar wieder ein Unternehmen ausgeschieden. Sven Kaulfuß zeigt in seinen offenen Gedanken zum Ende, dass das Konzept nicht ganz einfach ist. Live Shopping bedeutet jeden Tag genau ein Produkt zu attraktiven Preisen. Was und wieviel am nächsten Tag angeboten wird erfährt man vorher nicht. Das vor gut drei Jahren gegründete Vorbild Woot! macht in den USA Millionen an Umsätzen. Erst im September berichtet exciting commerce das Woot! im August erstmal die 6 Mio Umsatzgrenze durchschritten habe. Je nach Produkt werden dort schon einmal 1 Mio am Tag umgesetzt. In Deutschland liegt Schutzgeld derzeit bei Umsätzen im mittleren fünfstelligen Bereich. Über 8000 Gang-Mitglieder und noch mehr Zuschauer die sich erst anmelden, wenn ihnen etwas gefällt, machen derzeit die Schutzgeld Community aus.

Das Konzept von Schutzgeld ist klar Woot!. Im Kerngeschäft wird man nicht besser sein können gesteht sich „Der Pate“, „Gangchef“ oder klassisch „Der Gründer“ Peter Faist selber ein. Da kann man froh sein wenn man es genauso gut hinbekommt. Platt kopiert haben die Düsseldorfer Bandenchefs denoch nicht, sondern einfach mal die kreativere und witzigere Story aufgesetzt. Die macht den Unterschied für die Community, für die Affinität der User zum Clan und das sei laut Aussage des Paten genauso wichtig wie gute Produkte und ein guter Preis. In der Tat. Schaut man sich den Ort des Geschehens an fühlt man sich schnell eingehüllt in dunkle Machenschaften und knallharte Preisverbrechen. Einmal angemeldet ist man Gangmitglied, kann sich im Banden-Forum oder Verbrecher-Blog informieren oder einfach mal den Banden-Kodex (AGB´s) studieren. Die Kommunikation ist anscheinend nicht nur witzig sondern macht auch Spass. Inzwischen haben einige User schon zwei dutzend mal bestellt und im Juni verkaufte man erstmalig sogar über 1000 Schutzgeld-Rücksäcke an einem Tag. Das überrollte dann sogar den sonst so kühlen Paten. Die Rucksäcke beinhalteten eine Überraschungsprodukt im Wert von 22 Euronen. Das war übrigens nicht die erste Aktion dieser Art. Bereits im November 2006 wagte die Crew das Experiment und verkauften 381 Überraschungspakete an loyale User an einem Tag. Die Pakete im Mindestwert von 50 Euro gingen für 22 Euro über den Bandentisch.

Die Ziele des Paten sind klar gesteckt. Er will das Ding so richtig groß machen und glaubt an das Umsatz-Level eines Woot!´s. Vor allem wollen Peter und sein Team aber weiterhin soviel Spass an Schutzgeld und dessen Gang- Mitggliedern haben. Auch durchgedreht ist der Pate schon. Da gab es an einem Tag stündlich wechselnde Angebote. Bis die Garage leer war. Noch ziemlich frisch ist das „Private Preisverbrechen“ denn irgendwo muss nach Meinung des Paten der Kunde die zuvor gekaufte Ware ja auch wieder loswerden. So können User jetzt untereinander um Ware und Preis feilschen.

Das Ende der Fannenstange ist laut Peter Faist noch nicht erreicht. Alles was kaufen im Netz spannender und lustiger macht wird beliebter. Da wirken traditionelle Seller im Netz fast langweilig dagegen. Das müssen die ändern sagt er im Interview. Wie es ausehen könnte hat er mit Schutzgeld gezeigt. Originell und authentisch zum Beispiel.


Schutzgeld in Zahlen:

Start: August 2006
Gründer: 1 (Pate)
Mitarbeiter: diverse Clan-Mitglieder
Investoren: derzeit Eigenfinanziert. legal versteht sich.
Nutzer: über 8000 Registrierte
Produkte: genau eins am Tag, 365 Tage im Jahr

Google Treffer: 24.900 (Schutzgeld.de)
Technorati: 230 (Schutzgeld.de)

Bisher erschienene Artikel der Serie:

Teil I: Vom E-Commerce zum Social Commerce

Teil II Geschäftsmodelle im Social Commerce:
Dealjaeger – Menschlicher Preisvergleich
Dawanda – Individualität für Alle
Tradoria – The Longtail Pionier
Ecato – Der Produktbaukasten für den Social Commerce
Yieeha – Social Winning
Hitflip – Die Soziale Medientauschbörse

Edelight – Geschenkempfehlungen von Mensch zu Mensch

[Marko]