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… ist das ambitionierte Ziel der Veranstalter (Dealmaker Media) der im Silicon Valley stattfindenden Konferenzreihe „Under the Radar“, die innovativen Mobile-StartUps eine Plattform bieten will, Partner und Kapital für ihr weiteres Wachstum zu finden. Zugleich boten die Präsentationen, Vorträge und Diskussionsbeiträge viele Anhaltspunkte für eine Standortbestimmung der Mobile-Szene aus der Innensicht der anwesenden Entscheider.

So herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass 2009 trotz Finanzkrise ein wichtiges Jahr für den Mobilkommunikationsmarkt war. Mit der 750 Millionen Dollar schweren Übernahme des Mobile Ad Networks AdMob durch Google (welches übrigens 2006 bei „Under the Radar“ präsentierte), verfügt die Branche nun endlich über den lang erwarteten Referenz-Deal, der auch dem eigenen Selbstverständnis entspricht. Möglich wurde dieser Exit erst durch die vor allem in 2009 stattgefundene Etablierung eines funktionierenden Ecosystems für Anwendungen sowie der massiv gestiegenen Nachfrage für Werbekampagnen auf iPhones.

Ebenso erschlossen sich durch die Präsentationen der StartUps zahlreiche Spezifika und Herausforderungen des Marktes. So war beispielsweise auffällig, dass die präsentierenden Unternehmen in den meisten Fällen nicht ausschließlich auf den Absatzkanal Mobiltelefon setzen, sondern diesen neben anderen als einen Anwendungsbereich für ihre Technologie wählen. Für das kommende Jahr rechnet man mit einer weitgehenden Konsolidierung unter den iPhone-App-Entwicklern, da nur eine verschwindend geringe Anzahl die eigene Anwendung auch monetarisieren können wird. Vor allem aber setzen die Intransparenz des Zulassungsprozesses des App Stores und das Phänomen der App-Piraterie auf freigeschalteten iPhones den Entwicklern heftig zu.

Zudem wird die Fragmentierung der verschiedenen Smartphone-Plattformen auch weiterhin ein maßgebliches Problem darstellen. Es besteht jedoch weitgehend Konsens darüber, dass Googles Android neben Apples und RIMs (Blackberry) Plattform in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Maßgeblich gefördert wird dies durch die gemeinsame Offensive von Geräteherstellern und Netzbetreibern, die das Betriebssystem des Suchgiganten in den Markt drücken wollen. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die angeblich 100 Millionen Dollar teure Einführungskampagne von Verizon für das Motorola Droid.

Under the Radar verschob den Fokus der Aufmerksamkeit von den Großkonzernen auf eine handverlesene Auswahl von Mobile StartUps. Diese versuchten auf der Bühne des Microsoft Campus in Mountain View die anwesenden VCs und Konzernmanager in jeweils zehn bis 15 Minuten von ihrer Lösung zu überzeugen und sich somit ihrer Stimme zu sichern.

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Nach 25 pointierten und ansprechenden Präsentationen (zu sehen im Under the Radar-Blog) offerierte Melodis (deren Präsentation findet sich im Under the Radar Blog) nach Meinung der Zuschauer die vielversprechenste Technologie. Das StartUp hat mit seiner Musikerkennnungs-Applikation Midomi eine der profitabelsten und meist heruntergeladenen iPhone Applikationen entwickelt und konnte mit Patenten sowie einem ausgezeichneten Team punkten. Den Jurypreis mussten sich die B2B-Plattform MobileIron, (hier ein Video) und der Mobile Couponing Service Yowza (deren Präsentation findet sich im Under the Radar Blog) teilen.

In der Gunst des Publikums konnte sich letztlich Yowza gegen das unter anderem von Sequoia Capital unterstützte MobileIron durchsetzen. Dies mag daran liegen, dass Yowza auf einem guten Weg ist, die naheliegende Idee einer Plattform für digitale Gutscheine auf Mobiltelefonen Realität werden zu lassen. Mit über 200 teilnehmenden Unternehmen, 10.000 Einlösestellen und knapp einer Million Downloads der App soll das erst in diesem Jahr gestartete Unternehmen voraussichtlich schon Mitte nächsten Jahres einen positiven Cash-Flow vorweisen können. Im Gegensatz zu den unzähligen StartUps, die mit ähnlichen Bemühungen in der Vergangenheit scheiterten, hat das Unternehmen einen entscheidenden Vorteil: den Schauspieler und Mitgründer Greg Grunberg (Heros), der mit seinen 1,3 Millionen Followern auf Twitter in den US-Medien für die notwendige Aufmerksamkeit für Yowza sorgt.

Den gelungenen Abschluss der Veranstaltung bildete ein ausgezeichnetes Panel über Mobile-Marketing mit Vertretern von wichtigen Mobile-Agenturen wie R/GA, Isobar, AKQA und Real Branding sowie Coca-Cola und Nike. Bedenkt man, dass die anwesenden Manager einen signifikanten Teil des jährlichen US-Mobile-Marketing-Budgets verwalten, wog ihre einleitende Einschätzung umso schwerer, dass noch nicht einmal ein Prozent der gesamten Marketing-Ausgaben in den Kanal Mobile fließen. Dieser Umstand wird sich aber nach der Einschätzung von Richard Ting (VP&ECD, R/GA Mobile) aller Voraussicht nach bald ändern. Er rechnet mit einer Verdopplung bzw. Verdreifachung innerhalb des nächsten Jahres.

Nichtsdestotrotz verwiesen die Anwesenden auf bereits jetzt erfolgreiche Mobile-Kampagnen und das daraus erkennbare Potential des Mediums. So setzte die von AKQA konzipierte Einführungskampagne für den neuen Golf GTI fast ausschließlich auf ein von VW gesponsortes iPhone Racing Game. Zwei Millionen Downloads später war Daniel Rosen (Head of AKQA Mobile) mit dem Ergebnis und der damit verbunden kostenlosen PR sichtlich zufrieden. Eine andere erfolgreiche ebenfalls von AKQA konzipierte Applikation für NikeID erlaubt dem Konsumenten, ein beliebiges Foto zu schießen und sodann auf dem iPhone einen Nike-Schuh mit den Akzentfarben des Fotos zu gestalten und zu bestellen.

Beide Kampagnen bedienen ein konkretes Kundenbedürfnis und sind daher ausgezeichnete Beispiele für eine durch Technologie unterstützte, messbare und im besten Fall wiederholte Interaktion zwischen Konsumenten und Unternehmen/Marke. Analog dazu sollten sich nach der Meinung von Tara Scarlett (Senior Manager CRM and Precsion Marketing, The Coca Cola Company) StartUps sehr gut überlegen, wie ihre Technologie dem Konsumenten entweder das Leben erleichtert oder ihn unterhält. Ist dies gewährleistet, stehen dem StartUp die Türen zu Konzernen wie auch zu den Konsumenten offen und dann klappt es vielleicht auch mit den Deals.

Hier auch ein paar Impressionen vom Event (cc) Kenneth Yeung – www.thelettertwo.com:

Über den Autor:

Johannes HeinzeFür Gründerszene besuchte die Under the Radar-Konferenz Johannes Heinze (@h1e) ist im Moment für den Mobile-Ad-Optimizer Smaato im Silicon Valley tätig.

Zuvor stand er verschiedenen StartUps und Unternehmen beratend zur Seite und gründete während seines Studiums an der Zeppelin Universität Friedrichshafen die auf Hochschulen spezialisierte Medienagentur foursin.