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Ein Gastbeitrag von Levin Bunz, Principal beim VC Global Founders Capital

Wer die Branchenpresse aufmerksam verfolgt, könnte den Eindruck bekommen, als sei die Party bereits vorbei, bevor sie in Europa richtig angefangen hat. Nach den unzähligen Mitteilungen zu immer neuen Milliardenbewertungen kehrt breite Ernüchterung und Vorsicht unter den Investoren ein.

Growth-Stage-Finanzierungen, die in Europa traditionell nie einfach waren, sind jetzt auch in den USA schwieriger geworden. Wenn man mit Geldgebern und Gründern aus den Staaten über die aktuelle Lage spricht, ist jetzt immer öfter von „Down Rounds“ zu hören, also Abwertungen von Startups durch die Investoren.

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Alles deutet darauf hin: Im Jahr 2016 wird es für US-amerikanische Startups (und sicherlich nicht nur jene in der Wachstumsphase) wesentlich schwieriger werden, Venture Capital aufzunehmen als in den letzten Jahren. Nicht so in Berlin!

Fast unbemerkt hat es in der deutschen Hauptstadt einige interessante Entwicklungen gegeben, die die nächste Welle an Milliarden-Dollar-Unternehmen und vor allem die Entwicklung von bedeutenden neuen Technologien und Services ermöglichen werden. Und das trotz einer Abkühlung in anderen Ländern.

Getrieben wird das vor allem durch zwei Faktoren: Einem neuen Venture-Capital-Boom in der Hauptstadt und einer wachsenden Anzahl erfahrener Gründer und Teams. Kapital für sie und ihre Investoren wurde in den letzten Monaten durch eine Welle signifikanter Exits freigesetzt: durch den Zalando-IPO, die Übernahmen von WunderlistSociomantic oder Fyber, eine Reihe von größeren, aber nicht angekündigten Secondary-Transaktionen, dazu kleinere Exits wie Glispa, Audibene, Amorelie und DailyDeal.

Diese Verkäufe werden nicht nur viele Gründer in den Markt spülen, die Erfahrung mit dem Aufbau erfolgreicher Internet-Unternehmen mitbringen, sie tragen wiederum zu zusätzlicher Liquidität für die Finanzierung junger Startups bei.

Und: In Berlin wird in diesem Jahr eine nie dagewesene Zahl an hier ansässigen Fonds in den Wettbewerb um die vielversprechendsten Investments treten. Allein in den letzten zwölf Monaten wurden in Berlin über 15 neue Early-Stage-Fonds mit je einem Volumen von mindestens 40 Millionen Euro aufgesetzt. Diese Mittel werden in den kommenden fünf bis sieben Jahren investiert werden müssen.

Optimale Rahmenbedingungen also für Gründer, um eine Firma in Berlin zu starten und zu finanzieren. Das bedeutet für alle, die noch vorhaben, den Sprung zu wagen: Jetzt ist die beste Zeit um ein Unternehmen zu gründen. Angesichts der neuen Kapitaldichte war es wohl noch nie einfacher, hier Venture Capital zu aufzunehmen.

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Dies gilt insbesondere für Early-Stage-Runden, während Wachstumsrunden in der Hauptstadt weiter schwierig bleiben und von großen internationalen Investmentfonds dominiert werden. Für die meisten hiesigen Unternehmen wird dies bedeuten, dass sie weiterhin vorsichtiger wachsen müssen als die Startups (und Wettbewerber) im Valley.

Für VCs auf der Suche nach guten Investments heißt es allerdings: Die Tage des entspannten Investierens von Mittelmeeryachten und Golfplätzen aus sind gezählt. Der verschärfte Wettbewerb unter den Kapitalgebern verschiebt die Macht zu den schnellen Entscheidern, zu Investoren, die einen echten Mehrwert mitbringen, und solchen, die mit aktiven und innovativen Deal-Sourcing-Strategien nach neuen Investments suchen.

Das sind gute Nachrichten für Gründer: Die Geschwindigkeit von Funding-Runden wird sich erhöhen und die Auswahl an fähigen Investoren vergrößern. 2016 wird definitiv ein spannendes Jahr für die deutsche Gründerszene.

Bild: Yew! Images